[Filmkritik] Jane Eyre 2011

JaneEyre2011

Genre: Drama

Besetzung: Mia Wasikowska, Michael Fassbender, Jamie Bell, Sally Hawkins, Judi Dench u.a.

Produktionsland: UK, USA

Produktion: Focus Features, BBC Films u.a.

Jahr: 2011

Dauer: 120 Min

Romanvorlage: Charlotte Bronte, Jane Eyre, Insel Verlag 2011.

Seit der Roman von Charlotte Bronte 1847 erstmals veröffentlicht wurde, diente er vielen Filmen als Vorlage. Der wohl erste Versuch fand 1934 statt. Knapp 10 Jahre später folgten Joan Fontaine und Orson Welles als tragisches Liebespaar Jane Eyre und Edward Rochester. Es entstanden in regelmäßigen Abständen weitere Versionen für Kino und Fernsehen mit unterschiedlichen Typen von Schauspielern. Dazu gehörten u.a. Charlotte Gainsbourg und William Hurt (1996), Samantha Morton und Cirian Murphy(1997), Zelah Clarke und Timothy Dalton (2005). Besonders hervorzuheben ist der BBC-Mehrteiler von 2007 mit Ruth Wilson und Toby Stephens. An der Vielzahl der filmischen Umsetzungen kann man das anhaltende Interesse an der Geschichte sowie ihre Aktualität und Modernität ablesen.

Das Jahr 2011 zeichnete sich für einen weiteren Versuch, den Klassiker auf die Leinwand zu bannen, verantwortlich. Dieses Mal übernahmen Mia Wasikowska und Michael Fassbender die Hauptrollen.

Eine Zusammenfassung der eigentlichen Geschichte wird hier aus Platzgründen ausgespart.

Die Handlung wird nicht linear erzählt, sondern setzt ein, nachdem Jane den Herrensitz Rochesters verlassen hat und allein durch die Gegend streift. Sie wird von einem Pfarrer aufgelesen, der ihr Unterschlupf bei sich und seinen Schwestern gewährt. In Rückblenden wird nun Janes Geschichte gezeigt. Dies ist zwar ein netter Ansatz, innovativ ist er jedoch nicht. Natürlich wurde der Stoff bereits etliche Mal verfilmt und daher ist es natürlich schwierig, neue Ideen zu entwickeln. Umso wichtiger wird die Darstellungskunst der Schauspieler, sowie die Liebe zum Detail im Umgang mit der Geschichte als auch in der Ausstattung.

An all diesen Dingen mangelt es der Verfilmung leider.

Die Szenen wirken meist aneinandergereiht. Möglicherweise entsteht dieser Effekt wenn man den Roman kennt. Doch müsste er dann nicht bei anderen Verfilmungen auch auftreten? Außerdem wird vieles nur sehr verkürzt dargestellt. Auch das könnte dazu beitragen, dass es sehr aneinandergereiht wirkt. In diesem Fall ist es vorteilhaft, den Roman zu kennen, denn ob es ansonsten durchweg schlüssig ist, mag bezweifelt werden. So wirkte Janes Tante gar nicht so schrecklich. Es wird nicht herausgearbeitet, dass Rochesters Frau für den Brand und die Verletzung ihres Bruders verantwortlich ist. Auch Janes Gründe ohne äußeren Anlass plötzlich nach Thornfield zurückzukehren, bleiben unverständlich.

Störend ist die verkürzte, in sich nicht schlüssige Darstellung besonders in Bezug auf Janes und Rochesters Liebesbeziehung. Sie folgt eher einem Automatismus, durchläuft keine Entwicklung. Die Szenen des Romans werden abgeklappert, aber man spürt in keiner davon eine stetig wachsende Zuneigung der Protagonisten. Darüber hinaus entsteht leider überhaupt keine Chemie zwischen den Hauptdarstellern. Dabei wäre sie das Einzige, das den Film noch retten könnte. Jedoch wird nie ersichtlich, warum sie sich überhaupt zueinander hingezogen fühlen. Die Liebe zwischen Rochester und Jane, die sich mehr durch Blicke als durch Worte ausdrückt, wird einfach nicht sichtbar. Unter diesen Voraussetzungen funktioniert eine Liebesgeschichte überhaupt nicht. Es fehlt ihr somit jede Glaubwürdigkeit. Da die Worte zwischen Rochester und Jane schauspielerisch wenig untermauert werden, werden sie zu Worthülsen.

Mia Wasikowska bringt ein für Jane Eyre passendes Äußeres mit, da sie keine typische Schönheit ist und etwas spröde wirkt. Weder reflektiert sie die Unbeugsamkeit und den Starrsinn noch die Widerborstigkeit der literarischen Gestalt. Stattdessen wirkt sie elegisch und hat ständig Tränen in den Augen. Sie kann sehr schön auf Kommando weinen, wirkt aber nicht authentisch. Mia Wasikowska schafft es in keiner Szene, Janes Ängste, Zweifel, Stärke und ihre wachsende Liebe zu Rochester glaubwürdig darzustellen. Sie bietet Rochester kein Paroli und gerade das ist es, was ihn im Roman an ihr fasziniert. Letzteres ist jedoch wohl eher dem Regisseur als der Schauspielerin anzurechnen.

Michael Fassbender hat sein Talent schon häufig bewiesen, schafft es jedoch nur mühsam, Edward Rochester Leben einzuhauchen. Er spielt den düster wirkenden Hausherrn von Thornfield, aber er ist es nicht. Weder das Charisma noch die Verzweiflung der Romanfigur werden transportiert. Schade, denn eigentlich kann man ihn sich sehr gut als den grüblerischen, leicht aufbrausenden Mann vorstellen und sein schauspielerisches Talent sollte dem auch gewachsen sein. Erschwerend wirkt sich abermals die fehlende Chemie zwischen den Hauptdarstellern aus. Sie würde die Figuren glaubwürdiger machen und damit den Schauspielern helfen, sie darzustellen.

Die Nebenrollen werden von wunderbaren Schauspielern übernommen. Doch es fehlt ihnen an Szenen und erst recht an tiefgründigen, so dass  Judi Dench, Sally Hawkins und Jamie Bell ihr Können nicht entfalten können. Eine sehr ärgerliche Verschwendung von Talent.

Die Kulissen, die Ausstattung und die Kostüme sind sehr gut und passen in die viktorianische Epoche. Es entsteht durchaus der Eindruck, dass es in jener Zeit spielt und nicht, dass sich Leute verkleidet haben und durch Kulissen springen.

Die Dialoge sind allerdings sehr hölzern. Obwohl es zum Handlungszeitpunkt gepasst hätte, eine altertümliche Sprache und Formulierungen zu gebrauchen, sucht man diese vergeblich. Stattdessen wirkt sie seelenlos. Es gibt viel Geschwafel um Nichts.

Ab einem bestimmten Moment ist das Ende des Films ein Hoffnungsschimmer. Kein gutes Zeichen. Die Filmmusik ist zwar fast konstant vorhanden, einen Wiedererkennungswert oder einen Mehrwert für die Szenen bietet sie aber nicht.

Zusammenfassend kann man sagen, dass diese Jane Eyre-Verfilmung eine Verschwendung an schauspielerischem Talent darstellt. Die Liebe zur eigentlichen Romanvorlage ermöglicht schon 3 Sterne. Insgesamt erreicht Jane Eyre lediglich eine Bewertung von 5 Tickets.

5Tickets

Jane Eyre, Focus Features, 2011

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