Jane Eyre BBC-Vierteiler

JaneEyreBBCJane Eyre wurde als Vierteiler 2006 von der BBC gezeigt. In den Hauptrollen sind Ruth Wilson als Jane und Toby Stephens als Rochester zu sehen.

Die Adaption ist nahe an der Perfektion und weiß wirklich zu begeistern. Es ist sogar eine der besten Literaturverfilmungen überhaupt.

Der Anfang der Geschichte wird etwas verkürzt dargestellt, was aber in keiner Weise stört, da man ohnehin auf das erste Zusammentreffen zwischen Jane und Rochester wartet. Nichtsdestotrotz sind alle maßgeblichen Aspekte vorhanden, die Janes Vergangenheit im Haus ihrer schrecklichen Tante und im Waisenhaus ausmachen. Wenn man den Roman gelesen hat, wird man alles Wichtige wiedererkennen.

Die Besetzung ist sehr gut. An erster Stelle ist die Wahl der beiden Hauptdarsteller zu loben. Zwischen ihnen entsteht eine wunderbare Chemie. Im Roman werden Jane und Rochester nicht als hübsche, attraktive Personen beschrieben. Obwohl Ruth Wilson und Toby Stephens durchaus gutaussehend sind, ist ihre Schönheit keine offensichtliche, sondern eher herb und etwas spröde. Durch ihr Spiel heben sie diesen Eindruck noch hervor und treffen damit vortrefflich ihre literarischen Vorbilder. Man sieht ihnen gerne zu und kann nachvollziehen, was sie aneinander anziehend finden. Beide liefern darüber hinaus eine tolle schauspielerische Leistung. R. Wilson spielt die spröde Jane, ihre Zurückhaltung bei gleichzeitiger großer innerer Stärke sehr authentisch. Man versteht die Hintergründe, warum sie fühlt und handelt, wie sie es tut. Edward Rochester wird als sehr rauhbeinig und kantig von T. Stephens dargestellt, so dass sein gutes Aussehen etwas in den Hintergrund tritt und er sehr der Romanfigur entspricht. Rochesters wenig gefällige Art und sein Eigensinn zeigt er ebenso glaubwürdig wie die wachsenden Gefühle zu Jane während er äußerlich unhöflich und abweisend bleibt. Beide Schauspieler stellen die gegenseitige wachsende Anziehung der Hauptfiguren toll dar. Jane und Rochester werden zunehmend vertrauter. Es drückt sich in Blicken und gemeinsamen Scherzen aus. Es wird angedeutet, dass sie sich näherkommen, aber es resultiert sehr lange nicht in Küssen oder Umarmungen. Sicher geht eine große Faszination der Literaturverfilmungen unter anderem davon aus, dass die Männer einem gewissen Codex folgen. Sie verlieben sich, fühlen sich aber an den Verhaltenscodex gebunden und respektieren die Frau, warten auf sie.

Ebenso wie die Schauspielriege wurden Setting und die Ausstattung sehr bedacht und liebevoll gewählt. Es passt einfach zur Romanvorlage, der Zuschauer fühlt sich in die Zeit und Umstände hineinversetzt.

Es war sehr weise, dass die BBC in diesem Fall einen Vierteiler produziert hat. Man möchte keine Minute davon missen. Wie schade wäre es gewesen und welche Verschwendung von Potenzial, wenn es sich nur um einen Film von neunzig Minuten gehandelt hätte.

Der BBC-Vierteiler Jane Eyre von 2007 ist eine authentische, menschliche und gefühlvolle Umsetzung des literarischen Vorbilds, die nichts zu wünschen übrig lässt.

Sie erhält deshalb 10 Tickets.

10Tickets

Jane Eyre, BBC, 2006

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