[Rezension] Rick Yancey: Die fünfte Welle

Welle

Die 5. Welle – Buchtrailer

Eines Tages erscheint ein außerirdisches Mutterschiff am Himmel. Die Menschheit ist irritiert, neugierig, hilflos. Dann brechen Vernichtungswellen über sie herein. Zuerst kollabiert die Stromversorgung, Flugzeuge fallen wie tote Libellen vom Himmel, Autos versagen den Dienst, die Finsternis senkt sich über die Städte. Danach werden Tsunamis entfesselt, die ganze Landstriche vom Angesicht des Planeten spülen. Die dritte Welle bringt eine Seuche, welche Milliarden von Opfern verbluten lässt. Ihr folgen die Silencer, lautlose Jäger, die ihre menschliche Beute mit hundertprozentiger Trefferquote zur Strecke bringen.

Die sechzehnjährige Cassie und ihre Familie stehen wie der Rest der Menschheit der Entwicklung machtlos gegenüber. Nichts ist mehr wie es war. Nichts wird mehr sein wie es hätte sein können. Die dritte Welle nimmt der Familie die Mutter und Cassies Vater beschließt, mit Cassie und ihrem kleinen Bruder Sammy zu einem nahen Militärstützpunkt zu ziehen, in der Hoffnung dort einen sicheren Ort zu finden. Auf dem Weg wird der Vater von Soldaten getötet. Dieselben Soldaten trennen die Geschwister und Cassie muss sich allein zurechtfinden. Doch sie hat sich geschworen, Sam zu finden. Koste es was es wolle. Sie hat es ihm versprochen. Und so kämpft sie sich durch eine feindliche Welt, in der sie niemandem trauen kann.

Rick Yancey, Verfasser der „Monstrumologe“-Reihe, weiß mit diesem Roman weitaus mehr zu überzeugen und zu fesseln. Die Geschichte ist mehrdimensional und spannend geschrieben. Es gibt Wendungen, die zwar in sich nicht immer überraschend oder schockierend sind, jedoch die Geschichte in eine unvorhersehbare Richtung lenken.

Zwar wirkt der Roman in sich schlüssig, doch gibt es durchaus Ungereimtheiten. Möglicherweise werden sie einfach nicht ausreichend gut erklärt. Beispielsweise schenkt die Idee der fünften Welle der Geschichte wirklich spannende Fragen und Entwicklungen, aber ganz logisch ist sie nicht. Warum sind die außerirdischen Aggressoren zwar fähig, einen mächtigen elektromagnetischen Impuls auszusenden, Tsunamis zu entfesseln und eine todbringende Krankheit über die Menschheit zu bringen, jedoch außerstande, Atomkraftwerke oder Chemiewerke explodieren zu lassen, um auch noch die letzten Überlebenden auszumerzen? Möglicherweise hat der Autor am Ende seiner Trilogie die passenden Antworten parat. Bis dahin kann darüber hinwegsehen werden und dann tut es dem Lesespaß auch keinen Abbruch.

Es gibt zwei vorherrschende Perspektiven und zwar die von Protagonistin Cassie und die ihres High-School-Schwarms Ben Parish, der auf der Militärbasis zum Soldaten ausgebildet wird, um gegen die Außerirdischen zu kämpfen. Cassie ist eine starke Heldin, die zwar von Zweifeln und Sorgen geplagt ist, den Problemen jedoch mehr oder weniger mutig entgegentritt. Dabei ist der Grad des Mutes nicht ausschlaggebend, sondern der Umstand, dass sie die Herausforderungen überhaupt annimmt. Doch es ist ihr ironischer Humor, der sie zu einem besonderen Charakter macht. Obwohl das Motiv des Versprechens an ihren Bruder an den Roman „Sarahs Schlüssel“ erinnert, ist es nichtsdestotrotz glaubwürdig.

Das größte Manko des Romans ist Cassies Bekanntschaft mit einem geheimnisvollen Fremden und was daraus folgt. Der junge Evan findet sie, nachdem sie von einem Silencer angeschossen wurde, und pflegt sie. Natürlich bleibt er nicht fremd, stattdessen kommen sie sich näher. Ohne zu viel zu sagen, ist festzustellen, dass diese Entwicklung etwas an den Haaren herbeigezogen und etwas zu gewollt wirkt. Möglicherweise hielt Yancey es für eine unerlässliche Konvention eines Jugendromans. Hier wäre eine intelligentere und weniger abgedroschene Idee jedoch wünschenswert gewesen.

Obwohl am Ende Fragen bleiben und viele Probleme ungelöst sind, wirkt es seltsamerweise nicht so, als böten sie eine ausreichende Motivation für die Figuren, um sich ihnen weiterhin entgegenzustellen. Der Roman scheint daher einerseits abgeschlossen, doch andererseits ist es aufgrund der weiterbestehenden Gefahr klar, dass es eine Fortsetzung geben wird und muss. Es ist auf jeden Fall nicht so, dass der Leser Nägel kauend dasitzt und es nicht erwarten kann, den nächsten Teil aufzuschlagen.

Alles in allem beinhaltet Die 5. Welle eine interessante Grundidee, die zwar nicht völlig neu ist, aber eine innovative Variation des Themas bietet. Die Geschichte ist nicht vorhersehbar, spannend und zeigt glaubwürdige Charaktere. Mit Cassie wird eine sympathische Hauptfigur etabliert, die durch ihren Mut und Humor überzeugt und den Leser auf eine spannende Reise mitnimmt. Obwohl es keinen Nerven zerfetzenden Cliffhanger gibt, werden Freunde des Romans die Fortsetzung sicher lesen.

4 außerirdische Schreibmaschinen

4Writer

Rick Yancey, Die fünfte Welle, Goldmann 2014.

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