[Rezension] Vollendet

VollendetRahmen

Connor, Risa und Zev leben in einem Amerika der Zukunft, in dem Abtreibung verboten ist. Stattdessen dürfen die Eltern ihre ungeratenen Töchter und Söhne im Alter zwischen Dreizehn und Achtzehn umwandeln lassen. „Umwandeln“ heißt allerdings nichts anderes als eine Körperspende. Sie werden „auseinandergenommen“ und ihre Organe etc. anderen Menschen transplantiert. Und dazu entschließen sich auch Connors Eltern. Doch statt sich einfach ins Ernte-Camp bringen zu lassen, flüchtet er. Dabei läuft nicht alles glatt und plötzlich befindet er sich in einer Notgemeinschaft mit Risa und Lev, zwei anderen „Wandlern“.Risa lebte bisher in staatlicher Obhut, wurde aber aufgrund von Sparmaßnahmen zum Wandler bestimmt. Zev ist in dem Glauben aufgewachsen, dass es ihm von Gott vorherbestimmt ist, ein Zehntopfer zu sein. Seine Eltern geben den zehnten Teil ihres Besitzes fort, also auch ihr zehntes Kind. Lev fühlt sich als etwas besonderes und hinterfragt den Brauch nicht. Doch dann wird er auf dem Weg zu seiner Bestimmung von Connor als Geisel genommen.

Wo sollen die Drei hin? Sie haben sich der Vollendung entzogen und damit ein Verbrechen begangen. Wie können sie ihre achtzehnten Geburtstage erreichen, denn nur dann dürfen sie weiterleben?

Wow, was für ein Roman.

Das Szenario zieht seine erschreckende Wirkung aus dem Umstand, das es eine durchaus realistische Zukunftsvision zeichnet. Darüber hinaus wird der Leser nicht geschont. Die Grausamkeit dieser Welt und der Idee der Umwandlung trifft ihn ebenso ungefiltert wie die Protagonisten. Das schlägt sich auch sprachlich nieder. Sie ist und wirkt einfach und ergreifend. Die Sätze und Kapitel, die jeweils aus einer Perspektive erzählt werden, sind sehr kurz. Dies bewirkt einen großartigen, fast atemlosen Erzählfluss. Die drei Jugendlichen sind auf der Flucht und ein wenig gilt das auch für den Leser. Die Sprache mag schlicht wirken, der Plot ist es keineswegs. Ständig gibt es eine neue Wendung, die die Figuren und den Leser unvermittelt trifft und aus den Schuhen haut. Immer wieder entstehen Situationen aus denen es kein Entkommen zu geben scheint.

Connor, Risa und Lev sind trotz ihrer Fehler sympathisch und ihre unterschiedliche Entwicklung ist sehr gut nachvollziehbar. Jeder hat seine Probleme und doch haben sie eine Gemeinsamkeit, die sie zusammenschweißt und schließlich zu Freunden werden lässt. Positiv hervorzuheben ist auch die Darstellung der entstehenden Liebesgeschichte zwischen Connor und Risa. Sie nimmt wenig Raum ein, ist klar und wird nicht unangebracht zuckrig erzählt. Sie verhalten sich der Situation angemessen. Sie haben eben keine Zeit für romantische Stelldicheins und Verwicklungen, sind eher pragmatisch. Das lässt die Beziehung aber nicht unrealistisch oder gefühllos wirken.

Insgesamt ist Vollendet wie ein Diamant im Dystopien-Steinbruch. Wie eine Achterbahnfahrt für die man sofort das zweite Ticket lösen möchte.

5 Schreibmaschinen

5Writer

Neal Shusterman, Vollendet, Fischer Sauerländer, 2012.

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Ein Gedanke zu „[Rezension] Vollendet

  1. Luna's Leseecke

    Hallöchen,
    ich habe tatsächlich den Weg von Lovelybooks hierher gezogen, und deine Rezension hat sich so gut angehört, dass das Buch direkt mal auf meine Wunschliste gewandert ist. Ich bin ein großer Fan von Dystopien, und mag es besonders, wenn sie irgendwie im Bereich des Möglichen zu liegen scheinen. Ich hoffe ich finde dann auch bald mal Zeit, es zu Lesen, denn der SuB ist momentan geradezu gigantisch 🙂

    Liebe Grüße
    Jana von Luna’s Leseecke

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