[Rezension] Libba Bray: The Diviners – Aller Anfang ist böse

Diviners

Evie ist ein siebzehnjähriges Partygirl der flirrenden Roaring Twenties. Sie feiert und trinkt gerne. Und sie möchte im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Doch darüber hinaus besitzt sie eine ungewöhnliche Gabe. Anhand eines Gegenstands kann sie in die Vergangenheit seines Besitzers sehen.
Eine unglückselige Verkettung dieser Eigenschaften führt dazu, dass ihre Eltern sie aus dem beschaulichen Zenith zu ihrem Onkel Will nach New York City schicken. Das ist eigentlich keine Strafe, denn hier fühlt sich ihre Tochter endlich frei und zu allen Abenteuern bereit. Die lassen auch nicht lange auf sich warten, denn zuerst wird Evie von einem gutaussehenden Taschendieb bestohlen und dann wird ihr Onkel, ein Experte für Okkultes, in einem mysteriösen Mordfall zu Rate gezogen. Es stellt sich heraus, dass es sich dabei um eine rituelle Mordserie handelt, die nichts weniger als den Untergang der Welt bezweckt. Kann Evie ihre Gabe einsetzen, um das drohende Unheil zu vereiteln? Und gibt es vielleicht noch weitere Diviners, also Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, die ihr helfen könnten?

The Diviners – Aller Anfang ist böse kann wohl dem Genre Urban Fantasy zugeschrieben werden. Es weist jedoch erfrischender Weise nicht die üblichen Versatzstücke wie z.B. Vampire oder Werwölfe auf. Der Titel macht deutlich, dass es sich um den Anfang einer Reihe handelt. Der Inhalt untermauert dies. Es ist dem Roman anzumerken wie intensiv die Autorin sich ihrem Thema gewidmet hat. Mit umfangreichen Informationen und viel Liebe zum Detail werden Handlungszeit und -orte ausgeschmückt. Dadurch und mit Hilfe der Sprache wird die Welt der Zwanziger Jahre bildgewaltig in Szene gesetzt.
Darüber hinaus gibt es spannende Ideen, unvorhersehbare Entwicklungen und eine Atmosphäre, die mal lebendig und heiter, mal düster ist.

Das Personal ist enorm zahlreich und so gut wie jede Figur erhält ihre eigene mysteriöse Vergangenheit, die einer Einleitung entsprechend mehr Fragen aufwirft als klärt. Begleitet wird dies von einem häufigen Wechsel der Erzählperspektive. Alle Personen scheinen im Gesamtkonzept der Reihe eine wichtige Rolle zu spielen, auch wenn sie in diesem Band noch nicht erkennbar ist.Sie werden zu mehr oder weniger interessanten Charakteren. Ihre Vielzahl garantiert außerdem fast jedem Leser eine Identifikationsfigur.

Soweit, so gut. Doch Libba Bray hat einen Roman geschaffen, der den Leser ziemlich ratlos zurücklässt, da er ein Widerspruch in sich ist. Er erinnert an die Schaffung Frankensteins. Die Kreatur wendet sich trotz aller Fürsorge gegen ihren Schöpfer.

Der Roman bietet zu viel. Zu viele Informationen, zu viele Perspektiven, zu viele Ideen, zu viele Andeutungen, zu viele immer neue Handlungsbausteine. Dadurch wirkt es stellenweise schlicht zu gewollt und überladen.
In Anbetracht von knapp siebenhundert Seiten, mutet es seltsam an, das es wirkt als gäbe es nicht genug Raum. Beispielsweise Raum für den eigentlichen Plot um die Ritualmorde. Dieser entwickelt sich allzu gemächlich, obwohl gerade er die atmosphärisch dichtesten Szenen mit sich bringt. Am Ende wird er angesichts der viel beschworenen universalen Gefahr lächerlich simpel aufgelöst. Um den zweiten Band zu rechtfertigen, wird danach eine vorher eher beiläufig angesprochene Bedrohung rasch in den Fokus gerückt. Auch eine wenig innovative Dreiecksgeschichte wird noch aus dem Boden gestampft. Ob die so geschaffene Ausgangsposition genug Spannung für einen weiteren Roman birgt, wird sich zeigen. Ob man dann all die zahlreichen wichtigen Details noch weiß, ebenfalls.

Leider verharren die Figuren und die Sprache trotz aller Details an der Oberfläche. Es fehlt der mitreißende Moment. Der Zeitpunkt, an dem man das Buch nicht mehr weglegen möchte. Die Situation, in der die Figuren zu Verbündeten werden.

Einerseits bietet The Diviners – Aller Anfang ist böse unterhaltsame und lebendige Lesestunden. Andererseits scheint der Roman überladen, wenig emotional und in Bezug auf den Plot zu statisch. Das ist zeitweise schlichtweg frustrierend. Wie immer muss jeder Leser für sich entscheiden, welcher Aspekt für ihn mehr ins Gewicht fällt.

Gelesen habe ich den Roman als Leseexemplar im Zuge einer Leserunde bei Lovelybooks. Zu finden ist sie hier.

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Libba Bray, The Diviners – Aller Anfang ist böse, dtv, 2014.

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