[Filmkritik] Interstellar

Nolan

Cooper, ein ehemaliger NASA-Pilot, lebt mit seinem Schwiegervater und den beiden Kindern Tom und Murph in den USA der nahen Zukunft. Regen ist selten geworden, stattdessen wüten fast täglich Sandstürme übers Land. Nahrung ist extrem knapp und Farmer werden dringend gebraucht. Das veränderte Klima führt dazu, dass bis auf Mais alle Nutzpflanzen verderben und es ist nur noch eine Frage der Zeit bis auch der nicht mehr angebaut werden kann. Auch Coop schlägt sich mittlerweile als Farmer durch. Unter mysteriösen Umständen findet er jedoch irgendwann heraus, dass die NASA an einem streng geheimen Projekt forscht, das die globalen Probleme lösen soll. Ein Wurmloch bietet die Möglichkeit in einer anderen Galaxie nach einem geeigneten Planeten für eine Übersiedlung zu suchen. Coop wird vor die schwierige Entscheidung gestellt auf eine fast aussichtslose Reise zur Rettung der Menschheit zu gehen oder bei Tom und Murph zu bleiben.

Mehr als bei anderen Filmen macht Interstellar es erforderlich nicht zu viel über den Plot zu verraten. Allerdings fällt es ohnehin schwer, den Film in seine Einzelteile zu zerpflücken da Christopher Nolan dem Zuschauer schlicht und einfach ein Gesamtkunstwerk geschenkt hat. Die dritte Schwierigkeit besteht darin, dass Interstellar ein eigentlich unvergleichliches Kinoerlebnis bietet.

Christopher Nolan hat ein intelligentes und intellektuell herausforderndes Werk geschaffen. Er unterschätzt seine Zuschauer nicht. Welch erholsamer Gegensatz zu den üblichen Hollywoodfilmen, ihren Sequels und Prequels oder Neuauflagen. Vielmehr noch schickt der Meisterregisseur sein Publikum auf einen Trip. Einen Trip der nicht nur durch Galaxien und Wurmlöcher führt, sondern auch eine Bandbreite an Emotionen einfordert. Interstellar schafft es wie selten ein Film die Gefühle der Protagonisten auf den Zuschauer zu transferieren. Er erlebt ihre Verlustangst, den Schmerz zu verlassen und verlassen zu werden, Momente der Hoffnung auf die solche totaler Hoffnungslosigkeit folgen. Die Ereignisse treffen Hauptfiguren und Zuschauer gleichermaßen unvorbereitet. Beide müssen sich in neuen Situationen und Welten zurechtfinden, Theorien und ihre Konsequenzen begreifen.

Der Cast trägt beträchtlich dazu bei, die emotionale Ebene neben den wissenschaftlichen Parametern nicht verblassen zu lassen. Allen voran zeigt Matthew McConaughey eine starke Leinwandpräsenz und große Glaubwürdigkeit. An seiner Seite hangelt sich der Zuschauer durch unbekannte Gefahren und fühlt zu jeder Zeit bedingungslos mit ihm mit. Besonders hervorzuheben sind ebenfalls John Lithgow und Michael Caine. Zwei großartige Schauspieler, die jeden Film durch ihre bloße Anwesenheit bereichern. Sie sind zwar in vergleichsweise wenigen Szenen zu sehen, sind aber so etwas wie moralische Pfeiler innerhalb der Geschichte. Der Zuschauer vertraut ihnen in gleichem Maße wie es die Filmfiguren tun. Das Wiedersehen mit Ellen Burstyn ist eine zusätzliche, schöne Überraschung. Anne Hathaway bietet in ihrer Rolle als Dr. Brand eine überzeugende, wenn auch keine herausragende Leistung.

Manche Charaktere weisen mitunter eine stereotype Seite auf, doch stets bleiben sie glaubwürdige Identifikationsfiguren. Ebenso verhält es sich mit der Handlung. Es gibt durchaus die ein oder andere vorhersehbare Stelle oder klischeehafte Wendung, doch stören sie keinesfalls den phänomenalen Gesamteindruck.

Visuell stellt Interstellar ebenfalls eine Ausnahme dar. Die Bilder bieten eine fast perfekte Illusion und nur selten lassen sie auf ihren digitale Ursprung schließen. Sowohl das Geschehen auf der Erde als auch im All wirkt realistisch. Selbst Phänomene wie ein Wurmloch werden für den Zuschauer visuell erfahr- und nachvollziehbar.

Der Score von Hans Zimmer ist zwar etwas orgellastig, ergänzt die Stimmung und Atmosphäre der jeweiligen Szenen nichtsdestotrotz gekonnt.

Jeder Filmfan sollte Interstellar gesehen haben und am besten auf der größtmöglichen Leinwand. Der dunkle Kinosaal unterstützt die Wirkung des Alls und erhöht die Konzentration auf die Geschichte.

Interstellar ist anstrengend oder besser eine Herausforderung – intellektuell aber vor allem emotional. Der Zuschauer wird in ein bedrohliches, düsteres Szenario hineingeworfen in dem die Figuren Anker und Hoffnungsträger sind. Christopher Nolan hat einmal mehr bewiesen, dass er derzeit einer der besten Regisseure überhaupt ist. Vielleicht sogar der mit den stärksten kinematografischen Visionen.

Aufgrund seiner emotionalen und visuellen Wucht erhält Interstellar 10 Tickets.

10Tickets

http://www.interstellar-movie.com

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