[Rezension] Bernard Beckett: Das neue Buch Genesis

Das neue Genesis

Die junge Anax lebt in einem Staat, der sich von der übrigen Welt isoliert hat. Es herrscht Frieden und seine Bewohner können sich selbst entfalten. Anax liebt ihre Heimat und studiert leidenschaftlich deren Geschichte. Eine besondere Verbindung spürt sie zum legendären Adam Forde, der eine große Rolle im Gründungsmythos der Republik spielt.
Und so fällt ihr die Wahl nicht schwer, als sie ein Thema für die Eignungsprüfung der Akademie angeben soll. Nur die allerbesten Anwärter werden in die höchste staatliche Institution aufgenommen und dementsprechend stark lastet der Druck auf Anax.
Sie wird ihre Forschungsergebnisse über Adam Forde präsentieren, aber sie wird auch neue Einsichten gewinnen. Erkenntnisse, die schwerwiegende Konsequenzen haben werden.

Die fünf Stunden Prüfungszeit beginnen jetzt….

Das neue Buch Genesis zählt nur wenige Seiten, umso erstaunlicher ist die Fülle an Handlung, psychologischen Überlegungen, Ideen, philosophischen Fragen und Spannung, die Bernard Beckett hinein gepackt hat.

Der eigentliche Handlungsspielraum umfasst die fünf Stunden der Prüfung. Dieser speziellen Situation entsprechend ist die Sprache sachlich und distanziert. Auch Anax‘ Gedanken, die in kurzen Sequenzen auftauchen, sind vor allem nüchtern und analytisch. Zwar fühlt sie sich zeitweise verunsichert, nervös oder ängstlich, lässt ihre Gefühle aber so gut wie gar nicht nach außen dringen. Nichtsdestotrotz kann sich der Leser rasch mit ihr identifizieren. Wahrscheinlich weil ihre aktuelle Situation jedem nur allzu vertraut ist.

Innerhalb dieses Rahmens wird, auch mithilfe der Hologramme, die wie Rückblenden fungieren, eine zweite Handlung etabliert. Hier spielen Adam Forde und eine künstliche Intelligenz namens Art die Hauptrollen. Da es sich in erster Linie um Anax‘ Interpretation der Vergangenheit handelt, ist es lediglich ein Blick von außen, der nichts über die wahren Intentionen und Gefühle der beiden Figuren preisgibt. Adam und Art reagieren zwar mehr oder weniger gefühlsbetont, doch aufgrund der Präsentationsform wird der Leser immer auf Distanz gehalten. Insgesamt fühlt er sich dann auch eher geistig als emotional eingebunden.

Trotz des vermeintlich simplen Aufbaus, ist der Inhalt des Romans sehr komplex. Es werden fundamentale, philosophische Fragen aufgeworfen. Was macht das Menschsein aus? Was unterscheidet ihn von einer Pflanze, einem Tier oder gar einer künstlichen Intelligenz? Letztere dazu geschaffen, ihm intellektuell ebenbürtig oder gar überlegen zu sein?
Wie definiert sich eine ideale Gesellschaft? Und wie kann sie bewahrt werden, wenn sie endlich zu existieren scheint? Welche Maßnahmen sind zu ihrer Verteidigung moralisch vertretbar? Allerdings schenkt Bernard Beckett dem Leser nicht die Genugtuung, einfacher und praktischer Antworten. Er führt ihn stattdessen auf Pfade, die selbst beschritten werden müssen. Und die sicher nicht auf der letzten Seite enden werden. Dazu trägt auch das überraschende Ende bei. Ein Ende, über das schon vorher spekuliert werden kann, das aber in letzter Konsequenz verblüfft und einen großen Wow-Effekt bietet.

Insgesamt ist Bernard Beckett ein höchst unterhaltsamer und anspruchsvoller Roman gelungen, der noch eine Weile nachhallen wird.

4/5 Schreibmaschinen

4Writer

 Bernard Beckett, Das neue Buch Genesis, scipt5 2011.

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