[Rezension] Sturmhöhe

Wuthering Heights

Der junge Waise Heathcliff wird von dem alten Gutsbesitzer Earnshaw aufgenommen. Von nun an lebt er zusammen mit dem Sohn Hindley und Tochter Catherine, genannt Cathy, auf dem Gut Wuthering Heights/Sturmhöhe. Während er und Cathy durch eine Art Seelenverwandtschaft verbunden sind, entwickelt sich zwischen ihm und Hindley große Abneigung. Als der Vater Jahre später stirbt, übernimmt sein Sohn alle Besitztümer. Fortan wird Heathcliff wie ein ungebildeter Arbeiter behandelt und noch mehr als zuvor schikaniert. Als Hindleys Frau stirbt und ihn mit seinem Sohn Hareton zurücklässt, verfällt der dem Spiel und dem Alkohol. Allein Cathy macht Heathcliffs Dasein erträglich, doch eines Tages muss er ein Gespräch belauschen, in dem sie eine mögliche Ehe mit ihm aus gesellschaftlichen Gründen rigoros ausschließt. Hals über Kopf verlässt er daraufhin Sturmhöhe. Dies wiederum stürzt Cathy in eine tiefe Krise, hohes Fieber bricht aus und ihre Nerven werden angegriffen, denn Heathcliff bedeutet ihr mehr, als sie sich selbst eingestehen möchte. Nach Jahren ist der ein gemachter Mann. Reich und erfahren kehrt er nach Sturmhöhe zurück. Da er sich Cathy nun ebenbürtig fühlt, möchte er sie für sich gewinnen, muss aber feststellen, dass sie bereits verheiratet ist. Obwohl sie sich ihrer Liebe zu ihm sehr wohl bewusst ist, lehnt sie es ab, ihren Mann zu verlassen. Schon aus moralischen und gesellschaftlichen Gründen ist sie nicht gewillt, ihre Ehe aufzugeben. Heathcliff sinnt fortan auf Rache und beschwört damit dramatische Ereignisse, denen niemand entkommen kann.

Den Plot von Sturmhöhe kann auf die einfache Formel „Rache und Sterben“ herunter gebrochen werden.

Ohne Zweifel ist der Roman ein Klassiker, aber leider auch eine extreme Schwarte. Im Gegensatz zu Jane Eyre, dem Werk ihrer Schwester Charlotte. ist Sturmhöhe ein weniger eleganter und feinfühliger sondern eher ein wuchtiger Roman. Die Szenerie der dunklen, stürmischen und kargen Moore Yorkshires und dem kalten, unwohnlichen Herrenhaus ist ebenso unerträglich wie die Charaktere.

An Cathy ist nichts Liebenswertes. Sie ist verwöhnt, hochnäsig und verletzt Heathcliff gerne mit ihren Worten. Seine Vernarrtheit kann lässt sich nur so erklären, dass er froh ist, dass in dieser gefühlskalten Welt überhaupt jemand etwas Interesse an ihm zeigt. Im Übrigen ist er ebenfalls ein grausamer Charakter. Es ist zwar nachvollziehbar, warum er auf Rache sinnt, aber da er darüber hinaus keine menschlichen Qualitäten aufweist, fällt es dem Leser schwer Mitgefühl zu haben. Vielmehr entwickelt er gegen ihn, wie auch gegen Hindley und Catherine, eine sehr starke Abneigung. Zum Teil wäre eine Kopfwäsche für Catherine und Heatcliff angesichts ihres Verhaltens mehr als wünschenswert gewesen. Überhaupt werden alle Figuren als schwache Persönlichkeiten gezeigt, wenn sie auch hartherzig sind oder wie Heatcliff stur ihre Pläne verfolgen. Im Grunde sind sie schwach und können nicht großmütig oder mildtätig handeln. Könnten sie es, hätte sich niemals der schicksalhafte Reigen in Gang setzen können, in dem schließlich alle gefangen sind.

Allein die Sprache vermag es, den Roman über ein Mittelmaß hinauszuheben. Sie wirkt harmonisch, erweckt die Personen zum Leben und transportiert Stimmungen.

Insgesamt ist es zwar erstaunlich, welche Sprachgewalt und Fantasie Emily Bronte. Andererseits ist der Plot sehr deprimierend und die Figuren sind allesamt negativ. Allein der Status als Klassiker rät jedoch dazu, sich über ihr Werk eine eigene Meinung zu bilden. Wie das jedem Leser ja immer zu empfehlen ist.

Es gibt eine sehr gute Verfilmung mit Ralph Fiennes und Juliette Binoche aus den 90er Jahren. Eine neuere Adaption für das britische Fernsehen, die sehr werkgetreu sein soll, wurde vor wenigen Jahren gedreht. Von der Aktualität und Attraktivität der Romanvorlage zeugt außerdem eine weitere Verfilmung, die 2012 im Kino zu sehen war. Falls man sich nicht durch den Roman „quälen“ möchte, kann man dort erleben, wie Heathcliff an den Earnshaws und Lintons Rache übt.

2/5 Schreibmaschinen

2Writer

Emily Bronte, Sturmhöhe, Aufbau Taschenbuch 2008.

 

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