[Filmkritik] Liebe to Go – Die längste Woche meines Lebens

Liebetogo

Genre: Drama/Comedy

Besetzung: Jason Bateman, Olivia Wilde, Billy Cudrup

Produktionsland: USA

Jahr: 2014

Dauer: 86 Min.

Conrad Valmont lebt in den Tag hinein und auf Kosten seiner Eltern. Die sind sehr reich und seit Jahrzehnten auf Weltreise. Eines Tag beschließen sie jedoch, sich scheiden zu lassen und da keiner von beiden den Sohn weiterhin aushalten möchte, sperren sie ihm die Gelder und lassen ihn aus seinem Apartment befördern. Conrad nimmt daraufhin seit langer Zeit wieder die U-Bahn und trifft auf Beatrice. Er glaubt, sich ernsthaft verliebt zu haben. Aber erst mal zieht er bei seinem besten Freund Dylan, einem erfolgreichen Maler, ein. Die Freunde stehen in ständigem Konkurrenzkampf, beneiden einander insgeheim und wären jeweils gerne so wie der andere. Dylan schwärmt Conrad von seiner neuen Flamme vor und bald muss sein Freund erkennen, dass es sich um Beatrice handelt. Der ewige Schürzenjäger und Möchtegern-Autor muss sich zwischen Freundschaft und Liebe entscheiden.

Eine Stimme aus dem Off erzählt das Geschehen aus Conrads Sicht. Der Sprecher behauptet, dass die Freunde rivalisieren und einander beneiden. Aus ihrem Verhalten lässt sich das nicht eindeutig schließen. Und dies ist nur ein Beispiel für die fehlende Verbindung zwischen den Aussagen des Sprechers und den Aktionen der Figuren. Im Übrigen schaffen die Off-Kommentare Distanz zu den Figuren und der Geschichte. Es wirkt wie ein Blick von außen auf einen Versuchsaufbau. Oder wie eine Studie über Conrads Leben. Es wird seziert und analysiert jedoch keinerlei Gefühl transportiert. Dieser Eindruck wird durch die Optik verstärkt. Sie lässt sich am besten mit dem Begriff „sophisticated“ beschreiben. Die kühle Eleganz erinnert an die Filmästhetik der Sechziger Jahre, an Filme wie Frühstück bei Tiffany oder solche mit Frank Sinatra oder Dean Martin in der Hauptrolle. Die optische Umsetzung ist das Highlight von Liebe to go. Fast wie eine Hauptfigur tritt sie in den Vordergrund und scheint der eigentliche Sinn und Zweck des Unternehmens zu sein. Die Story macht wenig Sinn. Die Prämisse ist ganz nett. Der Plot scheint aber ohne wirkliches Ziel dahin zu plätschern und hat schlussendlich dementsprechend auch nur eine mäßig überzeugende „Auflösung“.

Ein weiteres Problemfeld ist, dass die Macher sich offensichtlich nicht für ein Genre entscheiden konnten. Für eine Komödie oder RomCom fehlt zwischen den Protagonisten schlicht die Chemie. Weder zwischen den Liebespaaren noch zwischen den Freunden entsteht irgendein Funken. Außerdem ist der Humor viel zu selten zu finden, zu oberflächlich und zu wenig auf den Punkt gebracht. Genauso wenig funktioniert die Geschichte als Charakterstudie. Es fehlt der Tiefgang, obwohl es durchaus tiefgründige Ansätze gibt. Dass Conrad die Vorstellung von etwas besser gefällt als dessen Realität lässt sich z.B. gut nachvollziehen. Die Besetzung ist zwar passend, aber keine der Figuren oder ihre Beziehung zueinander bietet Potenzial für eine vielschichtige Darstellung. Dementsprechend flach fällt die Leistung von J. Bateman, B. Cudrup und O. Wilde aus. Letztere fällt vor allem durch ihren perfekten Lidstrich auf, der sogar noch vor dem Aufwachen tadellos sitzt.

Liebe to go ist wie ein Haus. Die Fassade ist schick und lässt auf eine Villa schließen. Geht man durch die Tür ist das Haus jedoch nur aus Pappmaché.

3 Tickets, weil die Darsteller sympathisch sind und die Optik chic ist. Der Film ist nett aber auch langweilig.

3Tickets

Liebe to go – Die längste Woche meines Lebens, Armian Pictures 2014. 

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