[Rezension] Spuk in Hill House

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Vollendet-Aufstand

Betreten auf eigene Gefahr

Der Anthropologe Dr. Montague ist fasziniert vom Paranormalen. Als Untersuchungsobjekt hat er sich das Anwesen Hill House ausgesucht wo es spuken soll. Mit wissenschaftlichen Methoden will er dem Phänomenen auf den Grund gehen. Drei Assistenten sollen ihm bei dem Unternehmen hilfreich zur Seite stehen: Eleanor, eine in sich gekehrte Frau, die jahrelang ihre Mutter pflegen musste und von ihrer Schwester herablassend behandelt wird. In ihrer Jugend kam sie in Kontakt mit Poltergeistern. Theodora, eine etwas affektierte, oberflächliche junge Frau mit telepathischen Fähigkeiten. Der Dritte im Bunde ist Luke, der zukünftige Erbe von Hill House, der auf Wunsch seiner Tante die Familie vertritt. Die vier schlagen für ein paar Tage ihr Lager in dem alten Haus auf und warten. Warten, dass etwas passiert. Hill House enttäuscht sie und den Leser nicht und wartet mit verstörenden Ereignissen auf. Aber warum geschehen all die unerklärliche Dinge? Sind es die früheren Bewohner, die nicht ruhen wollen, oder vielleicht doch die Besucher, die den Boden für den Spuk bereiten? Eleanor scheint zumindest in einer besonderen Beziehung zu dem alten Gemäuer zu stehen.

An der Oberfläche wirkt die Geschichte „ruhig“, bewegt sich in einem begrenzten räumlichen (der Landsitz Hill House) und zeitlichen (wenige Tage) Rahmen. Die Anzahl der Charaktere ist ebenfalls überschaubar. Trotz seiner Begrenzungen ist der Roman vielschichtig. Das Personal ist mehr oder minder sympathisch. Der Leser erlebt die Ereignisse vor allem durch Eleanors Blickwinkel. Als Protagonistin kann Eleanor dennoch nicht gelten, da dieser Part eindeutig an Hill House selbst fällt. Nichtsdestotrotz wird die Verbindung des Lesers zu ihr durch die Erzählperspektive gestärkt und sie bildet eine größere Identifikationsfläche als die anderen Gäste. Gleichzeitig färbt ihre Meinung die Wahrnehmung der Leser. Behandelt Theodora sie wirklich schlecht oder überträgt Eleanor frühere Erfahrungen auf die neue Bekanntschaft? Ihre Gedankengänge sind einerseits nachvollziehbar, denn jeder Leser kennt sicherlich das Gefühl, sich in der Gegenwart anderer unsicher zu fühlen oder deren Verhalten als ablehnend zu empfinden. Eleanor findet aus dieser subjektiven Wahrnehmung jedoch nicht mehr heraus, begibt sich immer mehr in ein gedankliches Labyrinth aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint. Symbolisch findet sich dieser Irrgarten in Form des Hauses wieder.

Hill House hat unendlich viele Zimmer und dementsprechend viele Türen. Nie wissen die Figuren, was sich hinter der nächsten verbirgt. Ebenso geht es dem Leser, denn der Roman überrascht mit allerhand möglichen Lesarten. Ist es nur eine subtile Spukgeschichte? Oder das Psychogramm einer Persönlichkeit, die zunehmend den Bezug zur Realität verliert? Die an Visionen leidet? Oder steht die Gruppe und damit die sich entwickelnde Gruppendynamik im Vordergrund? Besonders auffällig ist, wie die Autorin es bewerkstelligt hat, eine düstere Atmosphäre der Verunsicherung und subtilen Bedrohung zu schaffen und dennoch den Humor nie sinken zu lassen. Die Dialoge sind stellenweise wirklich witzig, was gut kalkuliert ist, denn dadurch wird alles wieder aufgelockert und der Schrecken tritt umso heftiger in Erscheinung. Der Roman ist gut geschrieben, gut zu lesen, spannend und verwirrend. Dennoch schaffen es weder die Geschichte noch die Charaktere emotional oder packend zu wirken. Obwohl Eleanor anfangs eine Identifikationsfläche bietet, nervt sie zusehends. Auch die anderen Personen wecken kein rechtes Interesse. Die Geschichte hat insgesamt etwas Surreales. Das führt letztendlich dazu, dass sie weder mit einer zufriedenstellenden Auflösung aufwarten kann noch den Leser in einer angenehmen Ungewissheit zurückließe.

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Shirley Jackson, Spuk in Hill House, Diogenes Verlag 1993.

Shirley Jackson, Hill House,

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