[Filmkritik] Ich.Darf.Nicht.Schlafen…gilt auch für die Zuschauer

Filmvorschau

Genre: Thriller, Mystery

Besetzung: Nicole Kidman, Colin Firth, Mark Strong etc.

Produktionsland: USA

Dauer: 92 Min.

Christine wacht jeden Morgen ohne Erinnerung an die letzten zwanzig Jahre auf. Jeden Morgen muss ihr Ehemann Ben ihr erklären, wer er ist und wie ihr gemeinsames Leben aussieht. Jeden Tag ruft der Neurologe Dr. Nash an und informiert sie, dass er ihr behandelnder Arzt ist. Dass sie eine Kamera im Schrank versteckt hat mit der sie neue Erkenntnisse über ihr Leben festhält. Aber nicht nur die Amnesie verunsichert sie, sondern auch die Videos, die sie auf der Kamera findet. Wem kann sie vertrauen? Warum verheimlicht Ben ihr Dinge an die sie sich dank Dr. Nash zu erinnern beginnt? Und warum behandelt der sie ohne das Wissen ihres Mannes? Christine beginnt zu ahnen, dass nichts ist wie es scheint.

Die Besetzung ist erstklassig. Die Kombination aus Colin Firth und Mark Strong ist bewährt und immer sehenswert, auch wenn sie in diesem Fall nur eine gemeinsame Szene bestreiten. Colin Firth überzeugt als undurchsichtiger Ehemann und wurde gegen den Strich besetzt. Das mag für manche Zuschauer erfrischend und für andere irritierend wirken. Mark Strong erhält endlich mal wieder die Chance eine größere Rolle auszufüllen und tut das erwartungsgemäß vortrefflich. Allerdings sind die beiden talentierten Schauspieler heillos unterfordert. Ihre Figuren bieten einfach kaum Potenzial und bleiben deshalb zwangsläufig oberflächlich.

Nicole Kidman muss sich für ihre Rolle ebenfalls nicht übermäßig ins Zeug werfen. Routiniert erschafft sie eine Frau deren Verunsicherung glaubhaft wird. Zahllose Großaufnahmen konzentrieren sich auf ihr Minenspiel, das hier erfreulicher Weise nicht wie so häufig eingefroren wirkt. Verschreckte und ständig Tränen verschleierte Blicke zeigen zwar ihr Dilemma, doch schafft Nicole Kidman es nicht, wirkliche Empathie für Christine zu wecken. Und wer auch immer die Idee hatte, dass Kidman und Firth ein glaubwürdiges oder gar charismatisches Filmpaar bilden könnten, hat sich geirrt. Es entsteht keinerlei Chemie zwischen den beiden. Warum sie auch in Die Liebe seines Lebens als Paar eingesetzt wurden, bleibt ein Rätsel.

Dass der Hauptfigur ständig dieselben Informationen gegeben werden müssen, kann schnell zu gelangweilten Zuschauern führen. Eine Weile wird das vermieden indem die Neugier auf die Hintergründe aufrecht erhalten wird. Doch insgesamt entwickelt sich die Spannung nur sehr gemächlich. Dies ist insgesamt ein Manko des Films, denn selbst für wenig versierte Zuschauer ist dieser sogenannte Thriller zu wenig spannungsgeladen und wendungsreich. Zwar werden viele Stilmittel des Genres eingesetzt, doch geschah das schon mit weitaus mehr Können und Raffinesse. Hätte der Regisseur sich Filme wie Eine verhängnisvolle Affäre oder Der Feind in meinem Bett angesehen, hätte er lernen können, wie ein spannungsgeladener Beziehungsthriller mit großem Finale aussehen kann und schon vor Jahrzehnten umgesetzt wurde. Ich.Darf. Nicht.Schlafen muss sich an diesen raffinierten Vorgängern messen lassen und ist doch weit davon entfernt, sich in die Riege einzureihen. Gerade weil der Kreis der Beteiligten nicht sonderlich groß ist und für das Ende nur wenige Lösungsmöglichkeiten in Frage kommen, hätten Christines Verunsicherung, ihre Ängste und die Bedrohung subtiler aber auch stärker vermittelt werden müssen. Es reicht nicht, ein paar Schockmomente einzubauen, die allein auf roher Gewalt beruhen. Das Ende hätte  die Wirkung des Films noch einmal maßgeblich positiv beeinflussen können. Doch leider vermag es ebenso wenig zu überzeugen oder zu überraschen wie der Weg dorthin. Der Plot ist in vielen Punkten schlicht unglaubwürdig und bisweilen sogar unlogisch. Gibt es mal eine der wenigen Wendungen, stellt sich sofort die Frage, ob die überhaupt schlüssig ist. Dasselbe gilt für Handlungen und Motive der Figuren. Dabei hätten manche Ungereimtheiten schon in einem kurzen Gespräch zwischen den Figuren geklärt werden können.

Letztlich ist Ich.Darf.Nicht.Schlafen in mehr als einer Hinsicht enttäuschend. Der Film bleibt eher aufgrund mangelnder Logik im Gedächtnis als wegen eines spannungsgeladenen Plots. Lediglich Colin Firth und Mark Strong machen den Film für Fans sehenswert. Aber nach dem ersten Schauen kann man getrost den Ton abschalten ;).

3 Tickets für Nicole Kidmans Mühen und aus Sympathie für zwei großartige Schauspieler, die ihr Können nicht zeigen durften. Hoffentlich haben sie wenigstens eine gute Gage abgeräumt ;).

3Tickets

Ich.Darf.Nicht.Schlafen, Splendid Film 2014.

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