[Rezension] Ugly – Verlier nicht dein Gesicht

VomVergnügenRahmen

Tally schaut jeden Abend sehnsüchtig aus ihrem Fenster und auf New Pretty Town. Dort leben die Pretties und seit seiner Schönheitsoperation auch ihr bester Freund Peris. Da er drei Monate älter ist als Tally hat er die mit seinem sechzehnten Geburtstag einhergehende Umwandlung vom Ugly zum Pretty und den Umzug in die Vergnügungsstadt schon hinter sich. Tally kann es gar nicht erwarten bis sie ebenfalls „schön“ gemacht wird und ihn wiedersehen kann. Eines Nachts schleicht sie sich trotz strengen Verbots nach New Pretty Town. Sie muss Peris sehen und wissen, ob sie noch beste Freunde sind. Nachdem bei ihrem Aufenthalt einiges schiefgelaufen ist, trifft sie schließlich auf Shay. Sie ist ebenfalls eine Ugly und heimlich in der Stadt unterwegs gewesen. In den nächsten Wochen freunden sie sich immer mehr an. Dann verrät Shay ihrer neuen Freundin, dass sie sich nicht operieren lassen will und deshalb nach Smoke abhauen will. Smoke ist eine versteckte Stadt in der Wildnis. Dorthin fliehen Menschen, die sich dem Schönheitsdiktat nicht unterwerfen wollen. Tally kann nicht glauben, dass es solche Leute geben soll. Ist es nicht das Beste, was einem passieren kann? Dass man nicht mehr hässlich ist, sondern schön und von allen geachtet? Doch Shay macht ihre Ankündigung wahr und Tally wird ihr in die Wildnis folgen. Allerdings nicht freiwillig….

Eigentlich hätte Ugly – Verlier nicht dein Gesicht das Zeug dazu, eine tolle Dystopie zu sein. Die Gesetze des Genres und seine üblichen Ingredienzen hat Scott Westerfeld auf jeden Fall beachtet. Doch irgendwie springt der entscheidende Funke nicht über. Scott Westerfelds Figuren sind glaubwürdig und mitunter durchaus facettenreich. Tally ist eine Hauptfigur, die viel Identifikationsfläche bietet und eine wirkliche Entwicklung erfährt. Die dystopische Welt wirkt grundsätzlich realistisch und erhält durch technische Details einen futuristischen Charakter.

Die Sprache ist lebendig, anschaulich und leicht verständlich, so dass die Seiten nur so dahin fliegen. Hin und wieder findet sich ein grammatikalisch etwas ungewöhnlicher Satz, was aber nicht weiter negativ ins Gewicht fällt. Die zahlreichen Beschreibungen körperlicher Aktivitäten wie diverser Flüge mit Hubbrettern, Hubwagen, Hubschraubern oder Hubwesten und harter Arbeit bilden den größten Kritikpunkt. Die Sequenzen sind einfach zu lang und ausführlich. Die Überlegung, ein paar Seiten zu überschlagen, ist irgendwann allgegenwärtig. Dass eine klischeehafte Dreiecksgeschichte auch nicht fehlen darf und die über weite Strecken unklare Intention, die hinter den Schönheitseingriffen steht, schmälern den positiven Gesamteindruck ebenfalls etwas.

Insgesamt ist Ugly – Verlier nicht dein Gesicht eine solide Dystopie mit einem sozialkritischen Thema. Die Bewertung orientiert sich am Gesamteindruck und befindet sich durchaus am oberen Rand der drei Sterne. Immerhin liefert dieser erste Band einen tollen Cliffhanger, so dass die Neugier auf die Fortsetzung definitiv da ist. So bald der aber nicht mehr präsent ist, verpufft auch das Interesse weiterlesen zu wollen.

3/5 Schreibmaschinen3WriterScott Westerfeld, Ugly – Verlier nicht dein Gesicht, Carlsen Verlag 2010.

 

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