Tag 24: Welches ist der traurigste Film, den du kennst?

Ich bin was Filme betrifft sehr nah am Wasser gebaut. Und ich heule dann sogar recht gerne. Peinlich wird es ja immer erst, wenn man total verheult aus dem Kino schlumpft während alle anderen schon wieder fröhlich lachend gen Parkplatz ziehen. Wahrscheinlich spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle, dass ich eher weine, wenn ich die Filme im dunklen Kino sehe und nicht nur auf dem kleinen Fernsehbildschirm verfolge. Obwohl auch da hin und wieder Tränen verdrückt werden. Aber, wenn es da zu heftig wird, kann man ja kurz rausgehen oder umschalten.

Natürlich heule ich nicht wahllos. Die Szenen müssen wirklich zu Herzen gehen. Liebesdramen reichen dazu nicht. Es muss richtig tragisch sein oder eine Gruppe von Menschen muss sich zusammentun und aufbegehren. Solidarität bringt mich ebenso zum Schluchzen. Wenn sich viele Menschen zusammenfinden, um etwas Gutes zu bewirken oder jemanden zu unterstützen. Oder, wenn jemand einen aussichtslos anmutenden Kampf ausficht etc. usw. Selbstverständlich hängt die Tränenwahrscheinlichkeit auch davon ab, wie sehr die gezeigte Szene gerade einen Nerv trifft. Als ich „The Outsiders“ das erste Mal gesehen habe, hat es mir fast das Herz gebrochen (im übertragenen Sinn). Als ich ihn vor kurzem noch einmal schaute, ging er mir zwar an selbiges und ich habe auch ein paar Tränchen verdrückt, aber er hatte nicht mehr denselben dramatischen Effekt. Filme wirken wahrscheinlich beim ersten Sehen immer stärker, da man die Szenen eben noch nicht kennt und vom Inhalt und seiner Umsetzung überrascht wird. Auch die Szene aus „Interstellar“ in der Cooper sich „opfert“ hatte damals eine Tränenflut zur Folge, aber selbstverständlich war der Film insgesamt kein trauriger Film.

„Das Meer in mir“ (2004), in dem Javier Bardem eine Meisterleistung abliefert, ist wirklich ein sehr trauriger Film. Und für mich einer der traurigsten. Er ist auf so vielen Ebenen anstrengend, bedrückend, traurig, nachdenklich machend. Das Wissen, dass er auf wahren Begebenheiten beruht, macht die Sache nicht tröstlicher. Man möchte während des gesamten Films, dass Ramon Sampedro es sich anders überlegt und nicht sterben möchte. Gleichzeitig werden seine Gründe aber nachvollziehbar gemacht. Man „erlebt“ wie er mit seiner Behinderung lebt, wie jeder Tag ein absoluter Kampf ist und wie er darum kämpft, sterben zu dürfen. Man hofft, dass er sein Ziel erreichen möge. Aber man möchte es auch nicht, weil man ja weiß, was dann folgt.  Man fragt sich, wie man an seiner Stelle handeln würde, obwohl man das natürlich niemals nachvollziehen kann, solange man nicht in einer ähnlichen Situation ist. Und gleichzeitig überlegt man, ob man als Angehöriger die Stärke aufbringen könnte, ihm beim Suizid zu helfen.

Auf jeden Fall hat mir „Das Meer in mir“ damals das Herz gebrochen. Ich habe ihn bisher auch nicht noch einmal gesehen, weil er so anstrengend und traurig für mich war.

Eine Übersicht über die das Projekt 31 Tage – 31 Filme findest du hier.

 

 

Advertisements

5 Gedanken zu „Tag 24: Welches ist der traurigste Film, den du kennst?

  1. janosch79

    Der einzige Film, der mir richtig unter die Haut gegangen ist, war „Der Club der toten Dichter“. Einerseits hebt dieser Streifen die eigene Denkweise aus den Angeln („Carpe diem“) und andererseits ist der Suizid von Neil ein echter Schockmoment, der selbst einen Mann nicht kalt lässt. Ein rundum gelungener Film mit traurigem Beigeschmack.

    Gefällt 1 Person

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s