[Rezension] Auf ganzer Linie

AufganzerLinie

Andy liebt die Londoner Tube. Er kennt ihre Geschichte und Gegenwart, weiß Bescheid über die einzelnen Linien und ihre Stationen, hat Ahnung von den Wagen und Zugmaschinen. Andy steht außerdem kurz vor seiner Hochzeit mit Rachel, die in Paris stattfinden soll. Doch dann lässt er sich mit seinem Freund und ebenfalls Tube-Freak Rolf auf eine waghalsige Wette ein. Binnen eines Tages soll Andy das gesamte U-Bahnnetz von London abfahren, jede Station fotografieren und an verschiedenen Stellen die Unterlagen einsammeln, die er für die Hochzeit benötigt. Da er zu dem Zeitpunkt, als die Wette entsteht, sturzbetrunken ist, schlägt er ein. Und einen Tag vor seiner geplanten Hochzeit macht sich der Bräutigam auf den Weg. Doch außer den Sieg verfolgt Rolf noch ein anderes Ziel….

Keith Lowe ist Auf ganzer Linie ein außergewöhnlicher Roman gelungen. Die Geschichte und ihre Personen scheinen direkt aus dem Leben gegriffen zu sein. Man kann sich sogar vorstellen, dass er dies alles selber erlebt haben könnte. Sein Protagonist ist ein sympathischer Typ, zu dem man sofort eine Beziehung findet wenn man leicht durchgeknallte Nerds mit gutem Herzen mag. Der Kreis der Figuren ist ebenso wie die beschriebene Zeitspanne und der Schauplatz überschaubar. All dies wirkt sich sehr positiv aus, da das Leseerlebnis dadurch verdichtet wird. Der Leser wird zu Andys Verbündeten und ganz von der Situation eingenommen, in der sich alles um den Gewinn der Wette dreht. Die Story entwickelt eine starke Dynamik. Der Zeitdruck wird förmlich spürbar und man fiebert mit, während die Geschichte weiter Fahrt aufnimmt. Es gibt Wendungen und Einfälle, die überraschen und begeistern. Der britische Humor, der immer wieder zuschlägt, gibt dem Ganzen einen leichten und beschwingten Ton. All dies führt dazu, dass sich der Leser emotional stark involviert fühlt. Man kann nicht erwarten, zu erfahren, wie es weitergeht und ob Andy die Herausforderung bewältigen kann. Man möchte nicht, dass das Abenteuer endet, kann aber andererseits nicht aufhören, weiterzulesen.

Insgesamt vermag der Roman Auf ganzer Linie, dem Leser das Gefühl zu vermitteln, in der Tube zu sitzen.Wenn man außerdem schon einmal in London gewesen ist, hat man plötzlich die warme Luft der Tunnel im Gesicht und den typischen stickigen Geruch in der Nase. Die Stationen, die man selber kennt, erwachen zu Leben. Nach dem Zuschlagen des Buches ist es als verließe man einen guten Freund. Man möchte am liebsten wieder einsteigen und noch ein bisschen an seiner Seite weiterfahren. Dafür braucht man noch nicht einmal eine Fahrkarte zu lösen. Es reicht Auf ganzer Linie einfach erneut aufzuschlagen.

5 Schreibmaschinen

5Writer

Keith Lowe, Auf ganzer Linie, Heyne 2003.

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