[Rezension] Hochsensibel – Wie Sie Ihre Stärken erkennen und Ihr wirkliches Potenzial entfalten

Hochsensibel

Eliane Reichardt hat mit ihrem Buch Hochsensibel – Wie Sie Ihre Stärken erkennen und Ihr wirkliches Potenzial entfalten sowohl eine Einführung als auch einen Ratgeber vorgelegt. Neueinsteiger erfahren, was es heißt, hochsensibel zu sein. Welche Erscheinungsformen es haben kann und vor allem, dass es sich nicht um eine psychische Störung oder Auffälligkeit handelt. Vielmehr ist es eine Konstitution, die etwa 15% der Bevölkerung aufweisen. Sie nehmen die Reize der Umwelt oder ihres eigenen Körpers in höherem Maße und ungefilterter wahr als ihre Mitmenschen.
Besonders hilfreich ist ein Test mit dem sich feststellen lässt, welche Aspekte auf den Leser selbst zutreffen. Da das Buch wahrscheinlich vorrangig von Menschen gekauft wird, die herausfinden möchten, ob sie selbst zu dieser Gruppe gehören, ist er ein echtes Kaufargument. Darüber hinaus gibt es viele praktische Tipps und Tricks, die helfen können mit den Herausforderungen des Alltags umzugehen.

Die Autorin bietet außerdem einen Abriss über Vergangenheit und Gegenwart. Dabei erfährt der Leser einerseits etwas über vergangene Forschungen des Phänomens. Andererseits werden vergangene Jahrzehnte im Hinblick auf die Herausforderungen an Hochsensible beleuchtet. Wie haben sich technische und gesellschaftliche Entwicklungen auf sie ausgewirkt und welche Anforderungen stellt unsere Gegenwart. Leider ist der Abschnitt für Leser, die in erster Linie einen praktischen Ansatz suchen, mitunter etwas weitschweifig geraten. Es ist zwar interessant, wie die mediale und technische Reizüberflutung zugenommen hat. Doch es werden auch viele Aspekte angesprochen, die keinen direkten Bezug zum Thema bieten. Hier wäre die ein oder andere Kürzung wünschenswert gewesen. Dasselbe gilt für einige „Fallbeispiele“ oder Erlebnisse Betroffener, die zu einer Geschichte verdichtet werden. Der Besuch eines Supermarkts und seine Herausforderung an einen hochsensiblen Kunden dehnt sich so über vier Seiten, obwohl schon nach zwei Seiten klar sein dürfte, was verdeutlicht werden soll.

Sehr informativ ist auch der Zusammenhang, der zwischen Hochsensibilität, Hochbegabung und Synästhesie hergestellt wird.

Sprachlich gelingt der Spagat, detaillierte Erklärungen dennoch leichtverständlich zu transportieren. Immer schimmert durch, dass die Autorin selbst betroffen ist und dies stärkt noch einmal den kompetenten Eindruck, den der Text vermittelt.

Hochsensibel – Wie Sie Ihre Stärken erkennen und Ihr wirkliches Potenzial entfalten erfüllt sein Versprechen. Es bietet einen sehr guten Einstieg in die Thematik. Außerdem hält es viele Hintergrundinformationen bereit, die geschichtliche Zusammenhänge aufzeigen. Am Schluss gibt es dann noch eine lange Liste weiterführender Literatur. Sie stellt einen stattlichen Leitfaden zur weiteren Recherche bereit.

Vielen Dank an den Verlag, der ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

4 von 5 Schreibmaschinen

4Writer

Eliane Reichardt, Hochsensibel – Wie Sie Ihre Stärken erkennen und Ihr wirkliches Potenzial entfalten, Irisiana Verlag 2016.

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7 Gedanken zu „[Rezension] Hochsensibel – Wie Sie Ihre Stärken erkennen und Ihr wirkliches Potenzial entfalten

  1. friedlvongrimm

    Mich hatte der Titel bisher eher abgeschreckt, weil er so nach stumpfen Lebensratgeber klingt, aber deine Rezension klingt da auf jeden Fall anders. Das Buch geht auch nicht in so eine komische esoterische Richtung, oder?

    Danke für den Tipp! Brauchst du das Rezensionsexemplar noch? *lach*

    Gefällt 1 Person

    Antwort
    1. Bette Davis left the Bookshop Autor

      Ich habe mich in dem Test in ziemlich vielen Punkten wiedergefunden. Da hat das Buch schon seinen Nutzen erzielt, finde ich. Ansonsten sind die historischen Erklärungen ziemlich lang geraten, da war mir etwas zuviel Nebensächliches dabei. Ansonsten aber empfehlenswert! Esoterik habe ich keine gefunden. Es geht da eher um praktische Sachen. Ich würde dir das Buch schon geben, aber ich möchte es lieber behalten, weil ich sicher noch häufiger mal was nachschlagen werde.

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