[Rezension] The Wander Society

WanderSociety

Keri Smith stolpert in einem antiquarischen Buch auf mysteriöse Hinweise. Ihre Neugierde ist geweckt und sie versucht, herauszufinden, was dahintersteckt. Am Ende trifft sie auf The Wander Society, eine Geheimgesellschaft. Deren Mitglieder machen es sich zum Ziel, Streifzüge in ihre Umgebung zu unternehmen und so Freiräume bar jeder Fremdbestimmung und des Konsums zu erobern. Und sie haben prominente Urväter wie etwa Ralph Waldo Emerson. Smith ist begeistert, unternimmt selbst Ausflüge und versucht nun mit ihrem Buch, anderen den Weg zur Wander Society zu weisen. Und so wird dessen philosophische und kulturgeschichtliche Fundament erörtert, Literaturtipps gegeben als auch praktische Instruktionen zur Verfügung gestellt, um selbst ins Abenteuer zu starten.

The Wander Society ist vollgepackt mit Denkanregungen, Querverweisen, praktischen und weniger praktischen Anleitungen. Vieles davon ist sehr inspirierend und eröffnet neue Horizonte. Die Idee, sich auf sich selbst zu konzentrieren, sich von allen Anforderungen für eine kurze Zeitspanne zu lösen und einen neuen Blick auf die unmittelbare Umgebung zu gewinnen, ist einfach wie genial. Leider gerät all das in der heutigen Zeit leicht in den Hintergrund. Es sind wirklich viele Inspirationen und spannende Ansätze dabei. Allerdings finden sich ebenso einige wenig einleuchtende Ideen. Einerseits wird empfohlen, einfach ziellos drauflos zu wandern. Andererseits soll der Wanderer vorher Anstecker basteln, eine Uniform zusammenstellen oder einen Wanderstock schnitzen. Für Erwachsene mutet mancher Vorschlag ebenfalls etwas albern an.

Die Idee einer geheimen Gesellschaft verfängt sofort und eine Weile wird diese Spannung aufrecht erhalten. Nach und nach mehren sich jedoch die Zweifel, ob es sich nicht einfach um eine clevere Marketingstrategie handelt und Smith die Gesellschaft nicht einfach erfunden hat. Denn die gibt sich zwar als Anhängerin der Wander Society, verstößt aber eindeutig gegen die Statuten. Denn wie es sich für eine geheime Gruppe gehört, möchte die Wander Society eben das bleiben. Ist es da nicht absolut kontraproduktiv, ein Buch darüber zu verfassen? Das ändert selbstverständlich nichts an dem zum Teil sehr lohnenswerten Inhalt, hinterlässt aber den Eindruck, der Leser werde ein bisschen an der Nase herumgeführt.

Der Weg ist das Ziel.

Diese Weisheit trifft ebenfalls auf das Buch von Keri Smith zu. Es geht nicht in erster Linie darum, die Wanderstiefel zu schnüren und loszulaufen. Vielmehr lädt es zum Stöbern und zum Schwelgen ein. Zum Verweilen, pausieren, zurückkehren. Es setzt die Gedanken auf neue Fährten. Ja, ein paar praktische Anleitungen, im Alltag auf Entdeckungstour zu gehen, bietet es auch. Grundsätzlich passt das Buch in den derzeitigen Trend des Nature Writing, in dem der Blick auf und die Rückkehr zur Natur und die Achtsamkeit gegenüber Flora und Fauna im Mittelpunkt stehen.

Vielen Dank an den Verlag und Lovelybooks, die es ermöglicht haben, The Wander Society im Rahmen einer Leserunde kennenzulernen.

3/5 Schreibmaschinen

3Writer

Keri Smith, The Wander Society, Penguin 2016.

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