[Rezension] Mein Herz so wild

MeinHerzsowild

England, Ende des 19. Jahrhunderts:

Die 17-jährige Louisa Cosgrove glaubt, sie solle als Gesellschafterin bei Bekannten ihres Bruders anfangen. Stattdessen findet sie sich am Ende ihrer Reise in Wildthorn, einer Nervenheilanstalt wider. Sie hält es für ein Versehen und dass sie mit dem Namen „Lucy Childs“ angesprochen wird, scheint das zu bestätigen. Doch nach und nach findet Louise heraus, was oder wer tatsächlich hinter ihrem Aufenthalt steckt.

Erzählt wird die Geschichte aus Louisas Sicht, allerdings berichtet sie einmal über ihre Gegenwart und in einem weiteren Erzählstrang über vergangene Ereignisse. Diese beginnen in ihrer Kindheit und enden kurz bevor sie in die Anstalt gebracht wird. So erfährt der Leser viel über ihr Elternhaus, ihre Kindheit und die Verhältnisse innerhalb der Familie. Louisas Vater war Arzt und förderte die naturwissenschaftlichen Interesse seiner Tochter. Doch das Leben der Frauen war zu jener Zeit vorgezeichnet und eine akademische Ausbildung gehörte nicht dazu. Selbstverständlich wird auch enthüllt, warum Louisa in Wildthorn leben soll.

Jane Eagland hat einen sehr angenehmen Stil. Er scheint der Zeit angemessen zu sein und fließt leicht dahin. Dennoch fehlt es ihm ein wenig an Tiefe. Louisa schenkt den Gefühlswelten ihrer Mitmenschen mitunter wenig Beachtung. Nicht nur dies macht sie zu einer nicht besonders sympathischen Protagonistin. Es entsteht der Eindruck, als wäre sie manchmal etwas arrogant und habe wenig Verständnis für ihre Mutter oder den Bruder. Auch für ihre Mitpatientinnen scheint sie sich mit einer Ausnahme wenig zu interessieren.
Der Plot ist durchdacht und logisch. Er bietet ein paar überraschende Informationen, ist in weiten Teilen aber auch sehr vorhersehbar. Letzteres ist verzeihlich, da es realistisch wirkt. Die Auflösung für Louisas Aufenthalt in Wildthorn ist jedoch enttäuschend. Es wäre überaus wünschenswert gewesen, wenn dieser Erzählstrang mysteriöser und raffinierter gelöst worden wäre. Doch hier verschenkt die Autorin wunderbare Möglichkeiten.
Allerdings zeichnet Mein Herz so wild glaubhaft den Kampf eines Mädchens gegen gesellschaftliche Konventionen nach. Es wird gezeigt, dass es möglich und wichtig ist, die eigenen Wünsche zu erkennen und trotz Widerständen wahrzunehmen. Manch junge Leserin mag sich darin wiederfinden und ein wenig Mut für ihr eigenes Leben schöpfen.

Insgesamt ist Mein Herz so wild ein interessanter historischer Jugendroman. Die Protagonistin überzeugt durch einen starken Willen. Die Geschichte liest sich flockig, es gelingt aber dennoch wichtige Themen anzusprechen. Nichtsdestotrotz bleibt vieles an der Oberfläche.

 

3/5 Schreibmaschinen
3Writer
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s