[Rezension] Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet

Flavia1

Eines Morgens liegt ein Toter im Gurkenbeet von Buckshaw, dem Stammsitz der de Luces. Jetzt, in den fünfziger Jahren, lebt dort der Hausherr mit seinen drei Töchtern Ophelia, Daphne und der Jüngsten, Flavia. Und eben der haucht der sterbende Fremde sein letztes Wort entgegen. Doch Flavia de Luce ist kein ängstliches Mädchen, das der Polizei die Arbeit überlassen würde. Stattdessen ist sie aufgeweckt, neugierig, ein bisschen vorlaut und ausgesprochen interessiert an chemischen Vorgängen und ungelösten Rätseln. Es wäre doch gelacht, wenn sie nicht selbst den Mörder dingfest machen könnte.

Der erste Roman um Flavia besticht durch Witz, ein beschauliches Anwesen samt ebensolcher Umgebung, Zeitkolorit, kauzige Figuren und last but not least einen verzwickten Mordfall. Außerdem schwebt über allem die Fragen, was mit Flavias Mutter geschehen ist. Langweilig wird es also sicher nicht.

Alan Bradleys Sprache ist leichtverständlich, sein Stil anheimelnd, atmosphärisch und ausdrucksstark. Besonders seine treffenden Vergleiche rufen eindrückliche Bilder hervor.

Es ist durchaus möglich, dass manche/r Leser/in sich, von einem altklugen Mädchen wie Flavia genervt fühlen könnte. Andere werden stattdessen hingerissen sein, endlich einmal eine Protagonistin mit Verstand, Mutterwitz und Selbstbewusstsein zu finden. Und manch eine Leserin mag sich in Flavia wiederfinden oder sich wünschen, sich eine Scheibe von ihr abschneiden zu können.
Aber auch die übrigen Figuren überzeugen durch Eigenheiten und Charme. Besonders die Hassliebe zwischen Flavia und ihren Schwestern führt zu manch lustigen Situationen und Wortgefechten.

Der Autor führt die Leser auf eine Entdeckungsreise und Flavias Welt bietet so viel Abwechslung, dass der Mordfall fast zur Nebensächlichkeit werden könnte. Doch es gelingt, auch ihn spannend und überraschend zu gestalten. Einziges Manko ist vielleicht, dass er am Ende nicht in allen Teilen nachvollziehbar ist.

Insgesamt ist Mord im Gurkenbeet ein überaus gelungener Roman in bester Tradition britischer Kriminalautoren. Eine empfehlenswerte Lektüre für alle Altersklassen und sogar für Leser, die sonst keine Krimis mögen.

„Ich war ich. Ich war Flavia. Und ich fand mich toll, auch wenn ich da die Einzige war.“ (S. 83).
Ja, das stimmt. Und nein, da bist du nicht die Einzige.

4/5 Schreibmaschinen

4Writer

Alan Bradley, Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet, Blanvalet 2010.

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14 Gedanken zu „[Rezension] Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet

  1. Katha

    Erstmal danke für deine tolle Rezension, sie gefällt mir sehr gut!
    Mir bestätigt sich immer wieder, wie toll dieses Buch sein muss, nur leider liegt es schon seit bestimmt über einem Jahr bei mir rum und ich kann mich noch nicht ganz dazu motivieren, hineinzulesen – dabei bin ich ein großer Krimifan. Ich erinnere mich mal die ersten 20 Seiten (angelockt vom Cover) gelesen zu haben und es war nicht so ganz das wahre.
    vielleicht schaff ichs ja endlich, ich lass es dich wissen!

    Alles Liebe, Katha

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    1. Bette Davis left the Bookshop Autor

      Das ist ja lustig, denn mir ging es ähnlich. Ich hatte Teil 1 und Teil 3 hier schon ewig liegen und habe mich nicht ran getraut. Ich lese ja äußerst selten Krimis und irgendwie dachte ich, es ginge auch so in Richtung Tim Burton. Dann habe ich auf dem Flohmarkt den 6. Band auf englisch gekauft und da dachte ich, so jetzt musst du mal anfangen mit der Serie, denn sonst tauscht du sie endlich weg. Ich habe es nicht bereut :). Bin gespannt, auf deine Rückmeldung. Liebe Grüße, Katharina

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      1. Katha

        Kennst du die Leo Wechsler Krimis, die spielen in den 20ern in Berlin. Hab gerade den dritten rezensiert, der ist etwas mau, aber die ersten zwei kann ich empfehlen (und den vierten auch, hab darüber aber noch nicht geschrieben). Kannst ja mal vorbeikommen und gucken, wenn du magst 😀
        Ich finde es jedenfalls lustig, dass wir unsere Vornamen teilen.
        Alles liebe 🙂

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    2. highheels4live

      Ich habe die komplette Reihe auch gelesen und war hin und weg…
      Der Anfang vom ersten Teil hat sich zwar schon ein wenig in die Länge gezogen, aber sobald es mit den Ermittlungen angefangen hat, wurde das Buch sehr spannend.
      Die restlichen Bücher waren auch toll beschrieben, mir haben es vor allem der sechste und der siebte Teil sehr angetan.
      Insgesamt kann ich die Reihe nur wärmstens empfehlen.

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      1. Bette Davis left the Bookshop Autor

        Ich habe bisher erst 1 und 3 gelesen. Die Romane habe ich billig geschossen, Band 2 war damals nicht dabei. Nach dem 1. Teil habe ich dann aber nicht warten können bis Band 2 bestellt war und habe gleich mit Nr. 3 weitergemacht. Band 1 fand ich formidabel und Band 3 sogar noch besser.

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      2. highheels4live

        Ich hatte damals Band 1-6 aus der Bibliothek ausgeliehen und Band sieben habe ich dann zum Schuljahresende geschenkt bekommen. Ich fand alle Bände klasse, bloß einen nicht soooo wahnsinnig gut wie die anderen, aber das ist meine Meinung.

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