[Filmkritik] Die Unfassbaren 2

nowyouseeme2

Genre: Action-Thriller-Komödie?

Dauer: 129 Min.

Ein Jahr nach ihren spektakulären und nicht ganz legalen Auftritten sind die vier Reiter untergetaucht. Agent Dylan Rhodes arbeitet immer noch für das FBI und gibt vor, nach den vier Magiern zu suchen, obwohl er eigentlich ihr Anführer ist. Anlässlich der Präsentation des neuen Computerprogramms Octa sollen J. Daniel Atlas, Merritt McKinney, Jack Wilder und Neuzugang Lula in die Öffentlichkeit zurückkehren und die hinterhältigen Absichten des Firmenchefs Owen Case in einer furiosen Show entlarven. Doch alles geht schief, Dylan wird enttarnt, die Reiter müssen fliehen und landen in Macau. Dort werden sie nicht nur von Merritts verrücktem Zwillingsbruder erwartet, sondern auch von Walter Mabry. Der zwingt die vier Zauberkünstler, einen Computerchip zu stehlen, den er einst gemeinsam mit Case entwickelte und den der nun versteigern will. Währenddessen hat Dylan seinen Job verloren und ahnt nicht einmal, wo sich seine Reiter aufhalten. Deshalb geht er einen Deal mit seinem einstigen Widersacher Thaddeus Bradley ein, der vorgibt, ihm helfen zu können.

Die Beschreibung lässt erahnen, dass es mehr als vorteilhaft ist, den Vorgänger zu kennen. Eigentlich trifft „notwendig“ es besser. Doch so sehr die Fortsetzung auf dem ersten Teil aufbaut, so sehr muss er sich an ihm messen lassen. Dabei fällt das Urteil unglücklicherweise zu seinen Ungunsten aus.

Die Geschichte wirkt unausgegoren, gaukelt Cleverness größtenteils nur vor. Das Tempo ist rasanter als das des Vorgängers, die Abläufe lassen dem Zuschauer kaum Zeit zum Durchatmen, es scheinen tausend Dinge gleichzeitig abzulaufen. Nichtsdestotrotz entsteht das Gefühl, als gäbe es keinen echten roten Faden. Während früher alles einem geheimen Plan folgte, gibt es nun derart viele Kriegsschauplätze, dass kaum auszumachen ist, welche Schlacht maßgeblich ist. Der Plot versteht es kaum, zu überraschen, wird der zurecht großen Erwartungshaltung nicht gerecht. Der Zuschauer erwartet Wendungen und doppelte Böden. Er klopft unterbewusst die Szenen auf alternative Sichtweisen ab und sieht sich durch die Auflösung häufig in seinen Annahmen bestätigt. Dadurch kann nur selten ein Moment wirklicher Verblüffung entstehen. Die endgültige Auflösung wirkt gar einfallslos und leider ebenfalls unlogisch. Es bleibt dem Zuschauer das komische Gefühl, dass er mit der endgültigen Auflösung auf den Arm genommen werden sollte. Insgesamt ist es also ratsam, nicht allzu streng auf Logik und Kausalitäten zu achten. Der Unterhaltungsfaktor steigt dann um ein Vielfaches. (Dies trifft ebenfalls auf Teil Eins zu, jedoch nicht so stark wie in diesen Fall).

Sowie die Magier in der Geschichte spielt der Film selbst mit der Erwartungshaltung seines Publikums. Beispielhaft ist die Szene, in der Atlas und Lula verwechselt werden, weil ihre Rollen dem jeweils anderen Geschlecht zugeschrieben werden. Die Tricks und visuellen Effekte sind elegant und überraschend. Die Szene, in der Atlas den Regen kontrolliert und danach in einer Pfütze verschwindet, ist nur ein Beispiel. Bildästhetik, Szenenaufbau und Soundtrack unterstützen auf jeden Fall das coole Image der Magier. Wenn man sich darauf einlassen kann, wir über manche Logikschwächen hinwegsehen können.

Ohnehin sind Dylan und die vier Reiter das eigentliche Highlight des Films. Sie halten die Geschichte trotz aller Unpässlichkeiten zusammen. Ihretwegen möchte man den Film einfach mögen. Jeder ist ein ganz spezieller Typ und auch Lula ist für einige witzige Szenen verantwortlich und fügt sich hervorragend in die Gruppe ein. Woody Harrelson darf neben dem coolen Merrit dessen Zwillingsbruder mimen. Der erinnert an eine von Will Ferrells überdrehten Figuren, bietet zwar einen netten Sidekick, löst sich aber letztlich recht konturlos in Wohlgefallen auf. Dafür tritt Merrit von Anfang an viel zu wenig hervor. Leider ist es symptomatisch, dass die Figuren ihr Potenzial verschenken. Das fängt bei den vier Zauberkünstlern an, geht weiter zu Bradley (Morgan Freeman) und Tressler (Michael Caine) und endet bei Walter Mabrys (Daniel Radcliffe), der weder besonders clever, noch überaus rücksichtslos wirkt. Es ist schwer zu glauben, dass von ihm irgendeine ernsthafte Gefahr ausgehen sollte.

Die Unfassbaren 2 begeistert mit seiner Besetzung (die hochrangig, aber unterfordert ist) der visuellen Umsetzung und einigem Tempo (das wohl auch von Logikschwäschen ablenken soll) sowie einer Prise Humor. Er unterhält, wenn man ein Auge wohlwollend zudrückt. Insgesamt bleibt der Film jedoch weit hinter seinem Vorgänger zurück. Er hinterlässt sogar eine Portion Ärger über die vielen verschenkten Möglichkeiten. Eventuell wiegen sie aber auch für Fans schwerer, weil sie vom Vorgänger so begeistert waren.

Absolut schweren Herzens: 6/10 Tickets

6Tickets

Möchtest du einen Kommentar verfassen?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.