Erkenntnisse der Woche #14

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Achtung, heute wird’s politisch.

#1

Ich sehe oft Romane kritischer als andere Leser. Ich störe mich an Ungereimtheiten, an unpassenden Formulierungen, an seichten Figuren. Ich glaube, ich kann mich nicht mehr so völlig oberflächlich an Literatur berauschen. Ich hinterfrage sie. Das ist mein Charakter, der durch das entsprechende Studium noch stärker ausgeprägt wurde. Sorry, aber ich kann bei unreflektierten Lobhudeleien auf Lovelybooks leider nicht mitmachen. Tut mir leid, liebe Lovelybooks-Mitglieder, wenn Ihr in pure Begeisterungstürme ausbrechen könnt, während mir doch ein oder zwei Logikschwächen auffallen. Toll, wenn ihr diese nicht seht oder sie für Euch irrelevant sind, aber mir geht es da eben anders. Würde der Sinn von Lovelybooks nur in der Veröffentlichung einseitiger Meinungen (positiv oder negativ) bestehen, wäre ich dort falsch. Aber solange noch keine dunkle Macht im Hintergrund dementsprechende Fäden zieht, sind dort noch plurale Meinungen erlaubt und ich mit dabei.

#2

Keine neue Erkenntnis ist, dass ich die Demokratie für die bestmögliche Staatsform halte und absolut hinter ihr stehe. Ungeachtet der negativen Auswüchse, die es immer gibt, sobald Menschen involviert sind, ist es die einzige Staatsform, die vernünftig ist und auf der Gleichheit aller Menschen beruht. Sie setzt voraus, dass grundsätzlich jeder in der Demokratie Verantwortung trägt und Politiker wählen kann und darf, die seine Interessen vertreten.

Ein wichtiger Bestandteil unserer Demokratie sind die freien Medien. Jede/r Bürger/in kann sich informieren. Sie können wählen, welche Presseerzeugnisse sie bevorzugen, welche Sender sie einschalten, welche Homepages sie im Internet aufrufen. Gerade heutzutage stehen jedem mehr Informationsquellen denn je zur Verfügung. Hinzukommen Milliarden von Handys mit eingebauten Kameras, so dass jeder ihrer Besitzer zu jeder Zeit Geschehnisse direkt festhalten und dann im Internet einer riesigen Zahl von Menschen zugänglich machen kann. In vielen, wenn nicht in den meisten Teilen der Welt wären die Leute froh, wenn es auch nur annähernd so eine freie Medienwelt wie in West-Europa gäbe.

Umso merkwürdiger, ja bizarr, wirkt es auf mich, dass die Mär der „Lügenpresse“ und Medien, die bewusst Meldungen unterdrücken und lenken, anscheinend immer mehr Anhänger findet. Sogar Menschen, die man eigentlich für vernunftbegabt hielt, geben diese Meinung erschreckend unreflektiert wider. Sie glauben daran, dass es eine ominöse staatenübergreifende Macht gibt, die dafür sorgt, dass über Dinge nicht und über andere übermäßig berichtet wird. Dass in den deutschen Medien Propaganda betrieben wird, die von Staat und Politikern gelenkt wird. Wer sich nur ein bisschen mit Propaganda auseinandergesetzt hat, wird erkennen, dass unsere Medienwelt weitentfernt von dieser ist. Außerdem wie soll das alles allein organisatorisch möglich sein?! Und was ist mit all den Skandalen, die ans Tageslicht gelangt sind, obwohl es  vielen Politikern, Wirtschaftsbossen etc. sicher weitaus lieber gewesen wäre, dass die Zusammenhänge unbekannt geblieben wären? Wie konnte allein ein Edward Snowden möglich sein, wenn es doch so mächtige Drahtzieher geben soll, die Unliebsames einfach unterdrücken können? Warum wurden die Informationen öffentlich, wenn es doch so einfach ist, der Bevölkerung Sand in die Augen zu streuen?

Statt an einem der Grundpfeiler unserer Demokratie zu rütteln, sollten sich diejenigen, die an „Lügenmedien“ glauben, lieber vergegenwärtigen, wem es nützt, diese Vorstellung zu verbreiten. Dass sie sich vor einen Karren spannen lassen, der in einen Richtung geht, die ihnen vielleicht gar nicht lieb ist. Man soll kritische Fragen stellen. Man soll auch die reale Umsetzung von Demokratie hinterfragen. Nur so können Verbesserungen, Fortschritte erzielt werden. Aber man sollte auch die Kritik an der Demokratie hinterfragen und schauen aus welcher Ecke sie stammt.

#3

Wenn in Schmölln Menschen nicht mehr genug Mitmenschlichkeit in sich tragen, um einen anderen vom Selbstmord abzuhalten und stattdessen dazu anstacheln, dann lebt der Geist derer weiter, die in der Reichspogromnacht feixend daneben standen, als jüdische Deutsche gedemütigt und verhaftet wurden, ihre Geschäfte und Wohnungen zerstört wurden. Die sich später am Gut derer bereicherten, die deportiert worden sind.

Genauso erschreckend, wie viele Reaktionen auf Twitter ausfallen. Ist nicht die unmittelbare menschliche Reaktion auf diese Nachricht Mitgefühl für den Toten und Abscheu für die Anfeuerer? Die einzige Erkenntnis, die mir dazu einfällt, ist dass Menschen ihre Menschlichkeit sehr leichtfertig aufgeben oder sie haben sie vielleicht nie besessen.

#4

Es tut mir leid, Euch heute mit solch deprimierenden Themen belastet zu haben. Andererseits sind es nun einmal die Themen, die mich diese Woche belastet und zum Nachdenken gebracht haben.

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2 Gedanken zu „Erkenntnisse der Woche #14

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