[Rezension] P.G. Wodehouse: Der unvergleichliche Jeeves

Der wohlhabende Junggeselle Bertie Wooster möchte eigentlich nur dem müßigen Lebensstil frönen. Leider gibt es aber nicht nur eine große Verwandtschaft sondern ebenso Freunde, die diesen Wunsch stets vereiteln. Zur Zeit macht ihm besonders sein Freund Bingo Little das Leben schwer. Dieser verliebt sich allenthalben in ein anderes Mädchen und möchte dessen Herz erobern. Immer wieder benötigt er dazu Berties Hilfe, denn die auftretenden Probleme sind vielseitig. Mal benötigt er für eine Heirat mehr finanzielle Unterstützung von seinem Onkel. Ein anderes Mal ist die holde Angebetete noch nicht über ihr Glück in Kenntnis gesetzt. Auch die Wettleidenschaft der beiden Freunde, die weder vor Predigten noch vor Eierwettlauf halt macht, führt zu unerwarteten Entwicklungen. Glücklicherweise gibt es eine Person, die den Überblick bewahrt und wenn nötig die Dinge wieder in ruhige Bahnen lenkt. Es ist Woosters Diener Jeeves, der trotz mancher Dissonanzen über den Kleidungsstil seines Arbeitgebers dennoch treu zu ihm steht und ihm aus so mancher Patsche hilft.

Der unvergleichliche Jeeves ist P.G. Wodehouse erstes Werk der Reihe über die beiden englischen Gentlemen Wooster und Jeeves.

Bertie Wooster ist ein Lebemann mit goldenem Herzen. Überdurchschnittlich häufig findet er sich in misslichen Lagen wieder, denn er hat nicht nur ein unfehlbares Talent dafür, in Fettnäpfchen zu treten, sondern versagt auch selten einem Freund seine Unterstützung. Jeeves ist gebildet, hilfsbereit und, so lange es sich nicht um purpurfarbene Kleidungsstücke handelt, nachsichtig. Wenn es mal wieder keinen Ausweg für seinen Arbeitgeber zu geben scheint, zieht er im Hintergrund die Fäden. Die beiden bilden ein herrliches Gespann. Ergänzt werden sie durch ein Ensemble ebenso schräger Charaktere. Sei es Berties Tante Agatha, seine Cousins Eustace und Claude, Freund Bingo Little oder dessen Onkel – sie alle sind schräge Exzentriker, die nur darauf aus zu sein scheinen, Schwierigkeiten heraufzubeschwören. Als Leser muss man sie trotz oder wegen ihrer Eigenarten einfach mögen. Denn davon haben sie nicht gerade wenige.

Gezeigt werden verschiedene Episoden aus dem turbulenten Leben von Wooster und Jeeves, die besonders durch ihre Situationskomik überzeugen. Selbst wenn Bertie mal einen Silberstreif am Horizont sieht, passiert doch wieder etwas, das die Lage noch verzwickter macht. Obwohl absehbar ist, dass seine Unternehmungen von wenig Erfolg gekrönt sein werden, bleibt der Verlauf spannend und überraschend. Der Autor beweist in allem großen Einfallsreichtum und Witz. Man kann sich richtig vorstellen, welchen Spaß er beim Verfassen gehabt haben muss. So brilliert P.G. Wodehouse dann auch mit einem ganz eigenen Wortwitz. Seine Formulierungen wirken wie locker hingeworfen und treffen doch ins Schwarze. Das ist wohl die große Kunst des Autors, alles so unangestrengt und frisch wirken zu lassen.

Der unvergleichliche Jeeves ist ein hervorragendes Beispiel für eine charmante, leichte Komödie, die ebenso niveauvoll wie unterhaltend ist. Man wird in eine Zeit zurückversetzt, in der ein Gentleman ohne seinen Diener nicht lebensfähig war. Und Bertie Wooster ist hierfür wahrlich ein Paradebeispiel.

4/5 Schreibmaschinen

4Writer

P.G. Wodehouse, Der unvergleichliche Jeeves, rororo 1998.

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