[Filmkritik] La La Land

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Los Angeles:

Mia ist Schauspielerin, arbeitet bisher aber als Bedienung in einem Café, obwohl sie ständig an Castings teilnimmt.

Sebastian ist Jazz-Pianist und träumt von seinem eigenen Club, in dem er die legendäre Musikrichtung vor ihrem Untergang retten will.

Zufällig laufen sich die beiden Träumer mehrmals über den Weg, ehe sie sich schließlich verlieben. Doch bevor Träume wahr werden können, fordern sie ihren Preis.

Das Erfolgsrezept von La La Land besteht aus zwei Teilen Musik, zwei Teilen Tanz, zwei Teilen Bildkomposition, einem Teil Schauspielkunst , einem Teil Plot und einem Teil Setting.

La La Land versetzt den Zuschauer nach Los Angeles, die Heimat der Stars und Sternchen und solcher Menschen wie Mia und Sebastian, welche die Stadt erobern, ihre großen Träumen verwirklichen möchten. Obwohl kein einziges Mal die berühmten Letter über den Hügeln von LA eingeblendet werden, verweist fast jeder einzelne Schauplatz auf die Stadt. Die Geschichte ist ebenso eng mit ihr verknüpft.

Der Plot wirkt oberflächlich betrachtet eher konventionell und schlicht. Ein Pärchen trifft sich, verliebt sich, hat Schwierigkeiten zu meistern. Hier liegt auch der einzige Wermutstropfen, denn die Entwicklung ihrer Beziehung ist nicht in allen Teilen glaubwürdig. Doch hinter La La Land verbirgt sich ohnehin so viel mehr als diese Liebesgeschichte.

Zum einen ist es eine Aufforderung, den eigenen Träumen zu folgen. Es wird gezeigt, dass dies Durchhaltevermögen und manchmal sogar Opfer fordert, es aber dennoch keine Option sein darf, aufzugeben. Diese Botschaft lässt sich nicht nur in den großen Gesten und Szenen erkennen, sondern auch in vielen Details. Immer wieder wird auf die Themen „aus dem eigenen Schatten ins Rampenlicht herauszutreten“ oder „etwas zurückzulassen, um das selbstgesetzte Ziel zu erreichen“ verwiesen. Damit ist La La Land durchaus romantisch, andererseits aber auch überaus realistisch und universell. Letzteres trägt sicherlich auch zum großen Erfolg des Musikfilms bei. Augenscheinlich soll das Ende die romantische Komponente mit aller Macht konterkarieren. Tatsächlich ist es überaus stimmig da realistisch. Des Weiteren macht es eine Grundhaltung des Films klar. Dass nicht um ihrer Selbstwillen an althergebrachten Dingen festgehalten werden sollte. Als Sebastian mit seinem Bandkollegen Keith über Jazz spricht, wird dies sehr schön auf den Punkt gebracht. Um etwas zu erhalten, muss es erneuert werden. Dementsprechend wird den Zuschauern trotz der klassischen Motive eines Liebesfilms das obligatorische Happy End verwehrt.

La La Land ist außerdem eine große und einzigartige Liebeserklärung an die Filmwelt, die klassischen Musical- und Tanzfilme. Zahlreiche Szenen verweisen unverblümt auf berühmte Vorbilder wie „Singin‘ in the Rain“, „Shall we dance“, „West-Side-Story“ oder auch französische Klassiker. Selbst die Farbgebung erinnert an Werke mit Doris Day, die Kleidung hingegen wirkt zeitlos. Fast könnte man dem Film vorwerfen, dass er sich schamlos an bekannten Versatzstücken bediene. Nichtsdestotrotz werden die Szenen auf solch moderne und mitreißende Art umgesetzt, dass es eine wahre Freude ist. Damit beweist der Film, dass gefühlvolle und vollendet choreografierte Gesangs- und Tanzeinlagen auch heute auf der Leinwand wunderbar funktionieren können. Ein großartiger Soundtrack ist eine unabdingbare Voraussetzung für das Gelingen eines solchen Films. In diesem Fall ist er schlicht superb. Alle Lieder gehen direkt ins Ohr, setzen sich fest und verabschieden sich nicht so schnell wieder. Im Zusammenspiel mit der entsprechenden Choreografie setzten Stücke wie „Another Day of Sun“, „A Lovely Night“ oder „Planetarium“ immer wieder Glanzlichter. Tatsächlich spielt die Musik eine ebenso wichtige Rolle wie die beiden menschlichen Hauptdarsteller.

Emma Stone und Ryan Gosling sind wohl die perfekte Besetzung für die Rollen von Mia und Sebastian. Beide sind sowohl in ihren Rollen als auch als Paar überaus glaubwürdig. Sie wirken natürlich und sehr menschlich. Zwar entsteht der minimale Eindruck, dass sich der Film ein bisschen mehr auf Mia fokussiert, doch das liegt höchstwahrscheinlich daran, dass Sebastian etwas lässiger wirkt und mehr in sich zu ruhen scheint. Die von ihnen dargestellten Figuren zeichnen sich nicht durch sehr große Tiefe aus, aber ihre Essenz besteht eben in der Verwirklichung ihrer Träume. Es ist unerheblich, was in ihrer Vergangenheit passiert ist, mit Ausnahme der Dinge, die sie an ihren derzeitigen Standort gebracht haben. Der Vergleich mit legendären Filmpaaren wie Katherine Hepburn/Spencer Tracy oder Ingrid Bergmann/Humphrey Bogart liegt vielleicht nahe, doch noch können sie an diese nicht heranreichen. Sicherlich haben sie mit dieser Arbeit einen großen Schritt in die richtige Richtung getan. Allerdings sollten sie die Chance bekommen, ihre eigenen Maßstäbe zu bilden, statt an denen anderer Schauspieler gemessen zu werden. Gesanglich können die Beiden ebenfalls völlig überzeugen. Auch wenn Goslings Stimme mitunter etwas weniger dynamisch wirkt, passen ihre Stimmen vortrefflich zueinander. Der Gesang klingt natürlich, niemals aufgesetzt oder übertrieben. Herauszuheben ist ebenfalls mit welcher Nonchalance sie ihren Tanzszenen einen leichten und spontanen Eindruck verleihen. Neben den beiden Hauptdarstellern verblasst der übrige Cast nahezu, obwohl selbst für die kleine Nebenrolle eines Restaurant-Chefs eine Schauspielgröße wie J.K. Simmons engagiert werden konnte.

Die Komposition der Bilder ist unvergleichlich, abwechslungsreich und überraschend. Sie schicken den Zuschauer in eine ganz eigene Welt. Dies trifft im Besonderen auch auf eine lange Schlusssequenz zu, die den Zuschauer in Farben und Bildern schwelgen lässt.

La La Land entführt sein Publikum auf die beste Art und Weise aus dem Alltag. Tritt man nach dem Film aus dem Kinosaal weiß man gar nicht recht wie einem geschehen ist. Am liebsten möchte man los tanzen und singen und wundert sich, dass es niemand tut. Es ist als erwache man aus einem Traum, der noch eine ganze Weile nachwirken wird. Aus diesem Grund wirken sich die minimalen Kritikpunkte in keiner Weise negativ auf das Erlebnis aus, denn dies ist einfach einzigartig. Für solche Filme und die Gefühle, die sie vermittlen, ist die Kinoleinwand geschaffen worden.

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