[Rezension] Shirley Jackson: We have always lived in the Castle

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Die achtzehnjährige Merricat Blackwood lebt mit ihrer älteren Schwester Constanze und Onkel Julian auf dem Stammsitz ihrer Familie. Die übrigen Mitglieder starben vor Jahren an einer Arsenvergiftung und die Übriggebliebenen leben seitdem zurückgezogen vom nahegelegenen Dorf. Eines Tages taucht Cousin Charles auf und bedroht das harmonische Gleichgewicht der drei Blackwoods. Merricat scheint das jedoch als Einzige wahrzunehmen.

Trotz der geringen Seitenzahl schafft es Shirley Jackson, die Atmosphäre zu verdichten und zu vermitteln. Es wird schnell klar, dass die Dorfbewohner der Familie Blackwood alles andere als freundlich gesinnt sind und auch Cousin Charles seine eigenen undurchsichtigen Pläne verfolgt. Und dann ist da ja noch der mysteriöse Tod der übrigen Familienmitglieder für den Constanze zwar nicht verurteilt, aber von den Dörflern verantwortlich gemacht wird. Obwohl Merricat oberflächlich gesehen einen fast heiteren Ton anschlägt, wird der Leser von Anfang an von einem unterschwelligen Unbehagen begleitet. Ein Gefühl der Bedrohung und des Terrors der Familie durch die Außenwelt ist allgegenwärtig.

Die Figuren sind ebenfalls sehr überzeugend und interessant gestaltet. Shirley Jackson beschreibt die Geschehnisse aus Merricats Sicht, so dass der Leser völlig auf deren Interpretation angewiesen ist. Teilweise scheint es, als könne sie die Menschen und Situationen sehr treffend analysieren, teilweise wirkt sie nicht vertrauenswürdig. Ihr Charakter ist ebenso wenig einzuschätzen. Obwohl sie als Erzählerin für den Leser zu einer Art Vertrauten wird, naturverbunden und gegenüber ihrer Schwester und Katze sehr liebevoll ist, hat sie doch einige merkwürdige Eigenschaften. Außerdem übt sie eine Art Hexenzauber aus. Auch Constanze und Onkel Julian sind nicht vollends durchschaubar. Es ist eher als werde eine Tür ein wenig geöffnet und gebe den Blick nur auf bestimmte Dinge frei. Das ist auch ein wenig das Manko, denn es wäre sicher interessant gewesen, mehr über Constanze Beweggründe zu erfahren. Am Beispiel der Dorfeinwohner wird wiederum eindrucksvoll illustriert, wie sich eine starke Mehrheit gegenüber einer schwächeren Minderheit verhalten kann.

Insgesamt hat Shirley Jackson mit We have always lived in the Castle eine spannende Geschichte voll subtilem Schrecken geschaffen. Es gibt viel Hintergründiges zu entdecken, aber auch die Grausamkeit von Menschen zu erleben.

4Writer

Shirley Jackson, We have always lived in the Castle, Penguin Classics 2009.

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