[Rezension] Deine Juliet

DeineJuliet

London, 1946

Die junge Autorin Juliet Ashton ist auf der Suche nach einem neuen Thema über das sie schreiben kann, als sie der Brief eines Unbekannten erreicht. Er stammt von Dawsey Adams, der auf der Insel Guernsey lebt und antiquarisch in den Besitz eines Buchs gekommen ist, das einst Juliet gehört hat. Darin stand ihre Adresse und er schreibt ihr, um sie um Hilfe zu bitten, ihm weitere Bücher über Charles Lamb zu beschaffen. Er erzählt nebenbei von dem Literaturzirkel Club der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf, dem er angehört. Juliets Neugier ist geweckt und es beginnt eine Brieffreundschaft. Nach und nach entsteht der Plan über die Insel und die Zeit der deutschen Besatzung zu schreiben. Weitere Mitglieder des literarischen Clubs schreiben ihr und bald wünscht Juliet sich, ihre neuen Freunde und deren Heimat persönlich kennenzulernen. So macht Juliet sich auf den Weg nach Guernsey …

Deine Juliet besteht gänzlich aus Briefen. Für viele mag dies störend sein, doch die Geschichte lässt sich dadurch sehr flott lesen. Auch entsteht keineswegs der Eindruck, dass dem Leser etwas entgehen würde, weil er die Geschehnisse nie unmittelbar erleben kann, sondern nur durch nachträgliche Betrachtung. Manchmal wirkt die Geschichte märchenhaft und die Personen sind so liebenswert und originell, dass sie einfach zu gut für diese Welt scheinen. Allerdings ist das keineswegs störend, sondern führt dazu, dass man sie alle ins Herz schließt. Obwohl der Grundton heiter ist, hat der Roman durchaus ernste, tragische und tiefgründige Anteile. Es wird viel von der Besatzung durch die Deutschen erzählt und die Kriegs- und Nachkriegszeit wird keineswegs beschönigt oder ausgeklammert. Insgesamt bilden beide Teile eine homogene Einheit. Manche Entwicklungen sind ein wenig vorhersehbar, aber auch das wirkt sich nicht wirklich nachteilig aus. Schade ist jedoch, dass die Entwicklung von Juliets Romanze nicht näher beleuchtet wird. Hier geht alles doch etwas „hoppla-hop“.

Leider hat Mary Ann Shaffer den Erfolg ihres Werks nicht mehr miterleben können. Man ahnt, dass sie Menschen und Literatur sehr gemocht haben muss. Nach der Lektüre von Deine Juliet würden viele sicher gerne noch andere Romane von ihr lesen.

Der Originaltitel wäre auch für die deutsche Ausgabe eine bessere Wahl gewesen. Natürlich ist The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society ziemlich lang, aber er spiegelt den Kern, um den sich alles dreht, perfekt wider.

Insgesamt wirkt Deine Juliet wie vom Leben geschrieben, denn sowohl dessen traurigen als auch schönen Momente werden beleuchtet. Andererseits erhält der Leser ein modernes Märchen, so dass er sich wünscht, einmal selbst an einer Sitzung des Clubs der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf teilnehmen zu dürfen.

4/5 Schreibmaschinen

4Writer

Mary Ann Shaffer, Deine Juliet, btb 2009.

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4 Gedanken zu „[Rezension] Deine Juliet

  1. theatergeist

    Deine Rezension liest sich in der Tat so, als müsse ich meinem Haus und Hof Buchhandel mal wieder einen Besuch abstatten. Verrätst du mir noch eben den englischen Titel, von dem du zwar kurz schwärmst, ihn aber nicht nennst.

    Liebe Grüße,
    Auri der Theatergeist

    Gefällt 1 Person

    Antwort

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