[Filmkritik] Am grünen Rand der Welt

Am grünen Rand

Die junge Bathsheba Everdeen erbt von ihrem Onkel eine große Farm. Mit viel Energie und Durchsetzungskraft will sie diese zu neuer Blüte bringen. Zur Seite steht ihr dabei der Schäfer Gabriel Oak. Nachdem seine Schafherde über die Klippen gegangen ist, musste er sich eine Anstellung suchen und arbeitet nun für die Frau, die einst seinen Heiratsantrag ablehnte. Dennoch unterstützt er sie, muss aber auch beobachten, wie andere Männer in ihr Leben treten. Diese sind der schüchterne Gutsbesitzer William Boldwood und der arrogante Soldat Frank Troy.

Der Film hätte ein wundervoller Vertreter des Genres werden können. Talentierte Schauspieler, die Entwicklungsgeschichte einer Frau und stimmungsvolle Bilder hätten ein gelungenes Gesamtwerk bilden können. Die richtigen Zutaten werden jedoch allzu lieblos vermengt und nach Beigabe geringer Hitze halbgar serviert. Erschwerend hinzutritt, dass die Themen des Romans zwar vorhanden sind, aber nicht als maßgebliche Themen des Films inszeniert werden. Die durchsetzungsfähige Bathsheba, die ihren Platz in einer von Männern dominierten Welt sucht. Die auf ihrer Farm gegen Wind, Wetter und um das Wohl ihrer Tiere kämpft. Die manchmal hochmütig ist und Rückschläge hinnehmen lernt. Die sich zwischen drei Männern entscheiden muss und mit ihnen Tragisches erlebt. All das hätte viel Stoff für eine mitreißende Verfilmung geboten, wurde aber lediglich angerissen.

Das Können der Darsteller wird leider in jeglicher Hinsicht missachtet. Obwohl sich alles um Bathsheba, ihr Schicksal und ihre Entwicklung drehen sollte, schafft es der Film nicht, eine Verbindung zwischen ihr und dem Zuschauer herzustellen. Das liegt in erster Linie an ihrem inkonsequenten Verhalten. Einerseits wird sie als selbstbewusste, durchsetzungsfähige Frau inszeniert. Andererseits gibt sie sich dem erstbesten dahergelaufenen Soldaten hin, der ihr mit einem Säbeln etwas vorfuchtelt. Eine Szene, die eher lächerlich wirkt, als dass sie Bathshebas Willenlosigkeit gegenüber Troy erklären würde. Ihr Sinneswandel müsste doch etwas mehr unterfüttert werden, um glaubhaft zu erscheinen. Obwohl sie naturgemäß im Zentrum der meisten Szenen steht, gilt diese Feststellung leider für Bathshebas gesamte Entwicklung. Großeinstellungen allein vermitteln diese eben nicht. Zwar mühen sich Sheen und Sturridge redlich, doch schon die geringe Anzahl ihrer Szenen verhindert, dass sie ihren Figuren wirkliches Leben einhauchen können. Sie können nur eine ungefähre Ahnung von ihren Figuren Boldwood und Troy vermitteln, aber kaum deren Charakter und ihre Motivation tiefgehender darstellen. Die einzige Figur, die so etwas wie Substanz und nachvollziehbares Verhalten aufweist, ist Gabriel Oak. Matthias Schoenaerts stellt ihn als ruhigen, zurückhaltenden Beobachter dar, der ohne viele Worte und mit umso aussagekräftigeren und schmachtenden Blicken Bathshebas Handeln kommentiert.

Die Bilder sind sehr stimmungsvoll. Licht wird effektvoll genutzt. Die Landschaft anmutig in Szene gesetzt. Dennoch wirkt all das leer und wie ein reiner Selbstzweck, weil sie weder mit einer entsprechenden Handlung noch den Emotionen der Figuren gefüllt werden. Der Score müht sich redlich, unterstreicht Gefühlslagen und Situationen, muss sich aber letztlich der etwas lieblosen Umsetzung des Ganzen geschlagen geben.

Insgesamt reiht sich Am grünen Rand der Welt nicht in die großen Literaturverfilmungen englischer Klassiker ein. Es ist auch kein kleiner, feiner Film. Die langsame Erzählweise und die atmosphärischen Bilder versuchen vielmehr über die inadäquate Umsetzung seines Inhalts hinwegzutäuschen.

5/10 Tickets für die Wahl der Besetzung, die Aufnahmen und das literarische Vorbild.

5Tickets

4 Gedanken zu „[Filmkritik] Am grünen Rand der Welt

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