[Rezension] Das Implantat

Das Implantat

Die USA der nahen Zukunft

Seit ein paar Jahren sind neurale Implantate, welche die intellektuellen Fähigkeiten der Träger steigern, Gang und Gebe. Doch mittlerweile hat sich eine starke Gegenbewegung entwickelt, die fürchtet, dass Menschen ohne die sogenannten Amps ins Hintertreffen geraten könnten. Nun haben sie einen großen Sieg errungen, denn ein Gerichtsbeschluss hat schlimme Folgen für alle Implantatträger.

Owen ist Lehrer an einer High-School. Ihm wurde ebenfalls ein kleines Gerät eingesetzt, doch da es lediglich seine Epilepsie beeinflusst, identifiziert er sich nicht mit den Amp-Trägern. Bis vor seinen Augen eine seiner Schülerinnen in den Tod springt. Plötzlich muss er sich fragen, auf welcher Seite er steht und für welche er alles riskieren will.

Die Vision einer Welt, die Menschen mittels Implantaten „aufwertet“, ist ziemlich realistisch und daher spannend. Die Entscheidung für oder gegen das Tragen von körperlichen Ergänzungen und die gesellschaftlichen Folgen werden anschaulich dargestellt.

Wenn eine Romanhandlung auf wenige Tage konzentriert ist, bedarf es großen Könnens des Autors, diese rasant, glaubwürdig und dennoch mit allen wichtigen Informationen zu gestalten. In diesem speziellen Fall gelingt es jedoch nicht, einen überzeugenden Spannungsbogen zu etablieren. Der Protagonist stolpert von einer Situation in die nächste, agiert nur selten aus eigenem Antrieb.

Insgesamt bleiben alle Figuren oberflächlich und bieten keinen Anlass, sich für ihr Schicksal zu interessieren oder gar mit ihnen zu fühlen. Das mag zum Teil auch daran liegen, dass eine ekelige oder blutige Beschreibung die andere ablöst. Das soll vielleicht hart und actionreich wirken, stumpft den Leser jedoch gegen das Schicksal der Figuren ab. Außerdem wird die Handlung dadurch nicht in jedem Fall vorangebracht. Diese bietet dazu noch wenig Überraschendes. Die Wendungen sind viel zu vorhersehbar, um zu überzeugen oder gar zu schockieren. Das gilt leider ebenso für das Ende. Die Schauplätze bieten keinen Mehrwert und setzen sich nicht von denen anderer Romane ab.

So sehr Daniel H. Wilson mit Robocalypse überzeugen konnte, so wenig schafft er es mit Das Implantat. Leider enttäuscht die Geschichte in fast allen Bereichen. Insgesamt entsteht der Eindruck, als hätte es all das schon in besserer Version gegeben. Eine gute Grundidee macht also noch lange keinen überzeugenden Roman, wie hiermit bewiesen wurde.

2/5 Schreibmaschinen

2Writer

Daniel H. Wilson, Das Implantat, Droemer Knaur Taschenbuch 2014.

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2 Gedanken zu „[Rezension] Das Implantat

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