[Filmkritik] Das verborgene Gesicht

Verborgene

Dirigent Adrían und seine Freundin Belén sind aus Spanien nach Bogota gezogen, da ihm dort die Leitung der Philharmoniker übertragen wurde. Kurz darauf verschwindet Belén spurlos. In einem Abschiedsvideo erklärt sie jedoch, ihn wegen eines anderen verlassen zu haben. Er solle nicht nach ihr suchen. Ihr Freund ist zutiefst verletzt und lässt sich auf eine Affäre mit der Kellnerin Fabiana ein. Diese ist überglücklich, doch immer wenn sie ihren Geliebten besucht, scheint es in dessen Haus zu spuken.

Das verborgene Gesicht ist einer jener Filme, von deren Inhalt man so wenig wie möglich vorher erfahren sollte. Auch den Trailer gilt es zu meiden, da er entscheidende Szenen preisgeben soll. Sogar das Filmposter verrät schon zu viel (weshalb über dieser Kritik das DVD-Cover prangt). Man sollte sich also unvoreingenommen und frei jeglicher Erwartung auf die spanisch-kolumbianische Co-Produktion einlassen, denn nur so können sich ihre Stärken und ihre Wirkung voll entfalten.

Die Handlung wird aus unterschiedlichen personellen aber auch räumlichen Perspektiven erzählt. Dabei entfaltet sich ein interessanter Mix aus Psychothriller und Beziehungsdrama gepaart mit wenigen Gruselelementen. Letztere sind es jedoch nicht, die für einen relativ konstanten Spannungsbogen sorgen, sondern die zahlreichen Kniffe und Wendungen, mit denen nicht gegeizt wird. Auch wenn manche etwas vorhersehbar ausfallen mögen, wird der Zuschauer rasch durch Unerwartetes entschädigt. Falsche Fährten werden gesetzt oder es gibt neue Information, welche die Dinge in einem völlig anderen Licht erscheinen lassen.

Die Figuren sind so angelegt, dass sie dem Zuschauer wenige Bezugspunkte bieten. Keine ist rundweg sympathisch. Das ist allerdings durchaus vorteilhaft. Sie alle haben ihre guten wie schlechten Charakterzüge, eigenen Motivationen und Vorgehensweisen. Das sorgt für zusätzliche Fragen und Unsicherheiten beim Zuschauer. Wer ist vertrauenswürdig? Wer hat welche Hintergedanken? Klar festzustellen ist, dass die beiden weiblichen Hauptfiguren vielschichtiger angelegt sind als ihr männlicher Partner Adrían. Er bleibt relativ oberflächlich und nichtssagend. Auch schauspielerisch liefert Darsteller Quim Gutierrez die schwächste Leistung des Ensembles. Am stärksten kann Clara Lago als Belén auftrumpfen. Da sich eine große Anzahl von Szenen allein auf sie konzentriert, wird der Zuschauer am stärksten in ihre Gedankenwelt und Entwicklung hineingezogen.

So sehr der Film auf der Spannungsebene überzeugen kann, so sehr hapert es mitunter an einer überzeugenden Herleitung gewisser Aktionen der Figuren oder von Abläufen. Die Gründe eines bestimmten Verhaltens wird nur angedeutet oder gleich völlig der Interpretation der Zuschauer überlassen. Andere Aspekte sind schlicht unlogisch. Es wäre schön gewesen, wenn die Inszenierung in diesen Bereichen sorgfältiger erfolgt wäre.

Insgesamt bietet Das verborgene Gesicht unterhaltsame Spannung, die trotz Schwächen zu überraschen weiß. So schnell wird man den Film wohl nicht vergessen. Die Altersfreigabe ist allerdings vielleicht etwas früh angesetzt.

Absolut überzeugende 7/10 Tickets

7Tickets

Das verborgene Gesicht (La Cara Oculta), 2011, Fox Deutschland.

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