[Filmkritik] Hampstead Park – Aussicht auf Liebe

Hampstead Park

Amerikanerin Emily (Diane Keaton) lebt in einer schönen Wohnung im vornehmen Londoner Stadtteil Hampstead Heath. Seit dem Tod ihres Mannes befindet sie sich in einem finanziellen Dilemma, weiß aber nicht, wie sie dem Abhilfe schaffen könnte. Eines Tages wird sie auf den Einsiedler Donald (Brandon Gleeson) aufmerksam, der in einer Hütte im nahen Park lebt. Neugierig geworden, stattet sie ihm einen Besuch ab und macht damit den ersten Schritt in ein neues Leben.

Der Name ist programmatisch, handelt es sich doch bei Hampstead Park um eine Variation der britischen RomCom Notting Hill. Hier wie dort wirbelt eine Amerikanerin das Leben eines mehr oder weniger kauzigen Briten durcheinander. Und der titelgebende Londoner Stadtteil bildet nicht nur den malerischen Hintergrund, sondern ist einen schon ebenbürtiger Protagonist. Auch die übrige Ausstattung ist sehr opulent. Emilys Wohnung in einem vornehmen Stadthaus ist dank diverser Antiquitäten sehr elegant. Donalds Hütte ist gemütlich eingerichtet und ruht inmitten von Blumen und Gemüsebeeten. All das wird in ruhigen, entspannten Bildern inszeniert, durchzogen von einem feinen Humor.

Tatsächlich basiert die Geschichte lose auf der Geschichte von Harry Hallowes. Der Ire lebte tatsächlich jahrelang auf dem Parkgelände. Allerdings soll er wohl weniger freundlich gegenüber Eindringlingen gewesen sein als sein filmisches Equivalent. https://www.theguardian.com/uk-news/2017/jun/10/hampstead-hermit-harry-hallowes-mystery-diane-keaton-brendan-gleeson

Es ist darüber hinaus möglicherweise kein Zufall, dass Brendan Gleeson optisch an Karl Marx erinnert und seine Figur Donald am Fuße von Marx‘ Grabstein zu lesen pflegt. Auch baut er sein eigenes Gemüse an, angelt und badet er im nahegelegenen Tümpel. Widersetzt sich den Großinvestoren, die ihn vertreiben wollen, um Luxusappartements zu bauen. Gleesons ist die perfekte Besetzung für den Einsiedler mit rauer Schale, der erwartungsgemäß einen weichen Kern hat. Es ist dem großartigen Schauspieler anzumerken, dass er sich für seine Rolle kaum ins Zeug legen muss, um zu überzeugen. Dasselbe gilt für Diane Keaton. Ungeachtet ihres Sympathiewerts stellt sich der Eindruck ein, dass Diane Keaton sich in erster Linie selbst darstellt. Dafür sorgt schon der für sie typische Kleidungsstil, mit dem sie wirkt als wäre sie direkt aus Allens Manhattan gesprungen.

Obwohl sie und ihr Partner sicherlich kein unvergessliche Leinwandchemie entwickeln, sieht man ihnen gerne zu. Die Zwei ergänzen sich, so dass  ihre junge, unaufgeregte Liebe glaubhaft wird. Zwar sind sie nicht immer einer Meinung, doch der Zuschauer kann sich sicher sein, dass die Substanz stimmt und alles gut werden wird. Letzteres gilt ebenso für Emilys und Donalds persönlichen Probleme, als auch für die etwas vorhersehbare Handlung. Dadurch verliert sich natürlich das Gefühl, mit ihnen zittern zu müssen. Die übrigen Rollen sind zwar ebenfalls etwas stereotyp geraten, erfüllen aber nichtsdestotrotz ihren Unterhaltungsauftrag und sind passend besetzt.

Trotz der Kritikpunkte trägt Hampstead Park wichtige Botschaften in sich. Die offensichtliche, dass individuelle Lebenskonzepte möglich und wichtig sind. Selbst wenn andere es nicht nachvollziehen können oder sogar angreifen, soll man seinen eigenen Weg verfolgen. Und auch in einer Beziehung muss jeder den Raum zur eigenen Entfaltung bewahren können. Außerdem ist es wichtig in Zeiten, in denen älteren Menschen im Angesicht des demographischen Wandels schon fast ein schlechtes Gewissen gemacht und Alter als Stadium des Dahinsiechens dargestellt wird, einen positiven Blick auf diesen Lebensabschnitt zu werfen. Sympathische, energetische Darsteller helfen dabei genauso wie eine Geschichte, in der gerade das Unperfekte Trumpf ist. All dies macht den Film gleichermaßen lohnenswert für ein älteres und jüngeres Publikum.

Insgesamt ist Hampstead Park ein modernes Märchen, in das hier und da die Realität Einzug hält. Es stimmt positiv, bietet Schauwerte und regt auf unterhaltsame Weise zum Nachdenken an.

7/10 Tickets

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2 Gedanken zu „[Filmkritik] Hampstead Park – Aussicht auf Liebe

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