[Filmkritik] Kingsman: The Golden Circle

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c/o 20th Century Fox

Etwa ein Jahr ist vergangen seit der Geheimdienst der Kingsman dem Schurken Valentine Richmond das Handwerk legen konnte und Harry Hart (Colin Firth) ermordet wurde. Nachwuchsagent Eggsy Unwin (Taron Egerton) ist inzwischen als neuer „Galahad“ an die Stelle seines Mentors getreten, doch nachdem die Drogenbaronin Poppy Adams (Julianne Moore) alle anderen Mitglieder ausgelöscht hat, ist er auch noch zum einzigen Kingsman geworden. Zusammen mit Merlin (Mark Strong) macht er sich auf den Weg zu den Statesman, dem amerikanischen Äquivalent der Kingsman, um gemeinsam gegen die irre Adams vorzugehen. Die verfolgt derweil den Plan,  die Drogengesetze mittels Erpressung bzw. Massenmord zu Gunsten ihres Geschäfts  zu ändern.

Die Besetzung ist wirklich außerordentlich. Nicht weniger als fünf Oscar-Gewinner hat es in das Kingsman-Universum verschlagen. Ein Umstand, der sicher dem herausragenden Erfolg des ersten Teils zuzuschreiben ist. Auch die übrigen Akteuren müssen sich keineswegs hinter den Preisträgern verstecken. Sogar kleinste Rollen sind prominent besetzt (Emily Watson, Michael Gambon). Allerdings muss festgestellt werden, dass außer Taron Egerton alle hinter ihren Möglichkeiten agieren und nicht annähernd zeigen können, was in ihnen steckt.

Zum einen liegt das natürlich daran, dass der Film auf dem gesamten Ensemble ruht. Der Schwerpunkt liegt folglich weniger auf den einzelnen Charakteren (Ausnahme ist Hauptfigur Eggsy) als auf ihrer Funktion innerhalb der Geschichte und dem Zusammenspiel. Zum anderen folgt schon aus ihrer Vielzahl, dass die SchauspielerInnen mal über mehr (J. Moore) , mal über weniger (Halle Berry, Channing Tatum, Jeff Bridges) Leinwandzeit verfügen. Es fehlt also schlicht der Raum, den Figuren mehr Leben einzuhauchen. Natürlich lässt sich argumentieren, dass es sich um eine Comicverfilmung und keine Charakterstudie handelt. Das ist absolut richtig und vermutlich ist der Kritikpunkt gar keiner. Ganz unabhängig davon entsteht allerdings der Eindruck, dass mit Ausnahme von Egerton alle anderen ihre Passagen eher routiniert als mit großer Spielfreude abliefern. Besonders fällt dies bei Julianne Moore auf, die Poppy um einiges irrer und furchteinflößender hätte darstellen können. Als Entschädigung bietet Elton John einen amüsanten Sidekick und Pedro Pascal einen sehr lässigen Cowboy. Das Trio Egerton, Firth und Strong bildet ohnehin den Kern, hat wieder eine tolle Chemie und weiß zu unterhalten.

Die Actionszenen sind erwartungsgemäß großartig. Zwar kann keine mit Harrys Kirchenschlägerei mithalten, wissen aber ebenfalls auf ganzer Linie zu überzeugen.

Größter Kritikpunkt ist die Handlung.

Einerseits gibt es witzige, rasante und unterhaltsame Szenen. Andererseits ist fast die gesamte Handlung eine Variation des ersten Films. Auch wenn sich merklich Mühe gegeben wird, es nicht ganz so offensichtlich werden zu lassen, lässt es sich nicht leugnen. Das hat unter anderem den Effekt, dass die meisten der wenigen emotionalen Momente fast völlig verpuffen. Natürlich wird dadurch das Vergnügen erheblich eingeschränkt. Logische Lücken tragen ebenfalls dazu bei. Auch sind einige Szenen hart an der Geschmacksgrenze angesiedelt. Ob sie diese überqueren kann nur der einzelne Zuschauer entscheiden. Auf jeden Fall sind viele Ideen nicht halb so originell wie sie vorgeben.
Außerdem nimmt die Handlung trotz actionreicher Momente nur langsam Fahrt auf. Insgesamt hätten der Geschichte Kürzungen ohnehin mehr als gut getan. Erst Harry Hart gibt dem Ganzen den nötigen Anschub.  Überraschender Weise verläuft dessen Rückkehr recht unspektakulär, aber dafür nachvollziehbar. Das war nicht unbedingt zu erwarten und ist somit sehr positiv. Das Ende lässt darauf schließen, dass es einen weiteren Teil in der Filmreihe geben wird. Was es jedoch inhaltlich andeutet, mutet eher fragwürdig an.

Das Wiedersehen mit Eggsy, Merlin und Galahad erfreut ebenso wie das erneute Eintauchen ins Kingsman-Universum. Dass Kingsman: The Golden Circle gegenüber dem Vorgänger abfallen würde, war zu erwarten und kann verschmerzt werden. Das trifft allerdings nicht auf den Umstand zu, dass sein Potential nicht mal annähernd ausgeschöpft wird. Es ist eine routinierte Fortsetzung, die sich allzu sehr auf das Charisma seiner Darsteller, manch absurde Ideen, eine Vielzahl an Spielorten und das Wohlwollen seiner Fans verlässt. Einerseits sind das vielversprechende Elemente, die aber im Zusammenspiel enttäuschen.

7/10 Tickets (eins allein aus Sympathie für die Kingsman und ihr Universum)

7Tickets

https://www.foxmovies.com/movies/kingsman-the-golden-circle

2 Gedanken zu „[Filmkritik] Kingsman: The Golden Circle

  1. zacksmovie

    Ich finde deinen Artikel interessant, aber ich habe den ganzen Streifen komplett anders wahrgenommen. Vielmehr war es ja eine logische Fortsetzung, die durchaus ihre inhaltlichen Schwächen hatte, aber die darstellerische Leistung vielfältig und solide gewesen ist.
    Dass J. Moore Poppy „irrer“ spielen könnte, wäre durchaus eine Variation gewesen, aber so wie es war, kann man es nicht als schlecht oder unzulänglich bezeichnen. Ich stelle aber an: es wäre mit Sicherheit witzig gewesen. Vielmehr sah ich in ihr auch eine Parodie an einen Bösewichten, gerade weil sich der ganze Film nicht ernst nimmt. Die Rückkehr von Harry war meiner Meinung nach viel zu platt und euphorielos.

    Was du aber gar nicht bewertest: Die Musik. Besonders das „Word Up“ Cover von The BossHoss am Ende war ja mal grandios interpretiert und perfekt in den Film eingebunden.

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    1. Bette Davis left the Bookshop Autor

      Das ist ja mit Sinneswahrnehmungen immer so, dass sie individuell wahrzunehmen sind. Einen Film nimmt man auch mit vielen Sinnen würde ich dazu zählen 🙂 . Immer spannend und sehr interessant zu erfahren, wie andere die Dinge sehen und ich kann Deine Interpretation auf jeden Fall nachvollziehen, für mich war es aber eher ein Abziehbild des ersten Teils. Ein bisschen mehr hatte ich da schon erwartet.
      Tatsächlich habe ich die Musik vergessen? Viel mehr als beim ersten gibt es da aber auch nicht zu sagen, denke ich. Die Verwendung von Boss Hoss hat mich zum Beispiel sehr gestört, weil ich in einem britischen Film keine deutschen Bands hören möchte. Passt für mich gar nicht als großem Brit-Fan. Aber das hat natürlich nichts mit der Verarbeitung im Film zu tun, sondern ist total persönlicher Geschmack 🙂 .

      Gefällt 1 Person

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