[Filmkritik] Blade Runner 2049

BladeRunner

K ist ein Blade Runner. Diese Spezialeinheit der Polizei macht alte, als gefährlich eingestufte Androiden ausfindig und versetzt sie in den sogenannten Ruhestand. Das bedeutet schlichtweg, dass die „Replikanten“ umgebracht werden. Bei einem Routineauftrag entdeckt K etwas Unglaubliches. So unglaublich, dass es die ohnehin fragile Gesellschaftsordnung atomisieren könnte. Der Blade Runner gerät zwischen die Fronten widerstreitender Seiten.

Falls man den ursprünglichen Film von 1982 noch nicht kennt, sollte man das ändern, bevor man sich dem Nachfolger widmet. Zwar ist es möglich der Handlung auch sonst zu folgen, doch mit Vorwissen wird der Filmgenuss ungemein erhöht. Zum einen ist man als Zuschauer schon vertraut mit der gezeigten Welt. Man kehrt in eine bekannte Umgebung zurück, deren Grundlagen man kennt. Zum anderen baut Blade Runner 2049 inhaltlich nicht nur auf seinem Vorgänger auf. Er verwebt dessen Geschichte und führt sie fort. Querverweise und Bezüge lassen sich erkennen, was zu einem tieferen Verständnis führt.

Es kann sein, dass mancher die Prämisse der Geschichte nicht plausibel findet. Das wirft dann automatisch einen Schatten auf die folgenden Handlungsschritte. Man sollte jedoch mögliche Bedenken beiseite schieben und sich auf den Film einlassen.

Visuell ist der nämlich ein Meisterwerk. Die Ästhetik von 1982 wird aufgegriffen und weiterentwickelt. Altbekannte Elemente wie fliegende Autos und Leuchtreklame werden um neue ergänzt. Die Spezialeffekte fügen sich homogen ein und obwohl man sieht, wie viel Arbeit dahinterstehen muss, wirken sie mühelos. Blickwinkel, Licht, Schatten und Sound komplettieren die Komposition der Szenen. Spielte Blade Runner in einem düsteren Moloch, eröffnet sein Nachfolger den Zuschauern zusätzliche, ganz unterschiedliche Orte. Die Welt von Blade Runner 2049 ist düster, kalt und abweisend, aber gleichzeitig von unvergleichlicher Schönheit und Stärke.

Auch die Figuren und ihre Dialoge wirken arrangiert. Jede Bewegung, jedes Wort ist sorgsam gesetzt. Trotz der aufwendigen Settings kann in diesem Bereich von einer Ökonomie der Inszenierung gesprochen werden. Negativ ist das nicht, vielmehr passt es perfekt zu der sachlichen, kühlen Welt, die emotionslose und distanzierte Geschöpfe hervorbringt. So kann der Zuschauer kaum mehr zwischen Mensch und Replikant unterschieden. Die Besetzung setzt das alles sehr gut, aber einen Funken zu routiniert um.  Daraus folgt, dass der Zuschauer auf Abstand zu den Figuren gehalten wird und kaum Emotionen entwickeln kann. K stellt nur bedingt eine Ausnahme dar. Ryan Gosling agiert sehr zurückgenommen, deutet jedoch tiefliegende Gefühle hinter der Fassade an. Wie stark man sich emotional an seine Figur gebunden fühlt, kann nur individuell beantwortet werden. Mag man Harrison Ford möglicherweise auch nicht für einen begnadeten Schauspieler halten, so stellt er in diesem Fall den menschlichen Faktor bereit. Es ist Decker, in dem der Zuschauer ein fühlendes Wesen findet und der so die eigentliche Identifikationsfigur liefert. Etwas enttäuschend ist jedoch die Figur des Niander Wallace. Einerseits suggerieren die Trailer, dass Jared Letos Rolle umfangreicher angelegt ist. Andererseits mangelt es dem Replikantenhersteller nicht nur an Leinwandpräsenz, sondern darüber hinaus an Tiefgang. Seine Intention bleibt oberflächlich, sein Verhalten ist eher exzentrisch als furchteinflößend.

Blade Runner 2049 gehört zu den Filmen, die keine 3D-Effekte benötigen, um zu beeindrucken. Liefern sie auch in der ein oder anderen Szene ein nettes Extra (Funkenflug, Schneefall), so hätte insgesamt etwas mehr herausgeholt werden können.

Es bedarf schon einer gehörigen Portion Sitzfleisches, um die 163 Minuten Laufzeit ohne körperliche Folgeschäden zu überstehen. Inhaltlich finden sich überraschend wenig Längen. Es sind die langen Einstellungen, die gelegentlich die Frage aufwerfen, wann sie enden mögen.

Alles in allem liefert Blade Runner 2049 eine überzeugende Fortsetzung. Die wenigen Schwächen sind im Angesicht imposanter Bilder und interessanter Denkanstöße vernachlässigbar. So sind es auch nicht die Protagonisten und ihre Gefühle, die in Erinnerung bleiben, sondern das visuelle Gesamtwerk.

8/10 Tickets

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