„Wunderbare“ Warenwelt #8: Elisabeth Hoffmann

Am Dienstag erhielt ich eine Mail. Ich kannte weder den Absender, noch sagte mir die Betreffzeile etwas. Ich weiß, man soll solche Mails nicht öffnen, weil es sich um Spammails handeln kann. Die Vorschaufunktion meines Mailanbieters gab jedoch einen Blick auf den Text frei. Ich dachte, ich stelle ihn mal auf meinen Blog. Auch wenn es sich vordergründig nicht um Ware handelt, die hier angeboten wird, so wird dem Adressaten natürlich dennoch ein Angebot unterbreitet. Ihm wird etwas in Aussicht gestellt, was er haben kann und dafür soll der Leser etwas tun bzw. geben.

So und nun das fantastische Angebot, das mir unterbreitet wurde. Meine Kommentare sind rot. Was haltet Ihr von dem Angebot? Klingt es nicht wirklich absolut verlockend? Soll ich antworten und das Geld mit Euch teilen?  😉 😀 Ich gehe jedenfalls ganz stark davon aus, dass es sich nicht um das Hilfegesuch einer kranken Frau handelt. Sonst würde ich mich selbstredend nicht darüber lustig machen.

Hallo!

Ich hoffe, diese Nachricht trifft dich bei guter Gesundheit, ich weiß, dieser Brief kommt zu dir als Überraschung, aber ich flehe dich an, deine Zeit zu nehmen und sie sorgfältig zu lesen, während ich diese Nachricht von meinem kranken Bett schreibe. (Das Bett ist krank? Ohhhhh).

Mein Name ist Frau Elisabeth Hoffmann, ich bin eine 68-jährige deutsch-amerikanische Witwe, meine Vorfahren sind aus Deutschland, aber ich bin in den USA geboren und aufgewachsen, ich bin ein sehr religiöser Christ (danke für diese Info.)

Ich habe mit Krebs gekämpft, was in einer sehr kritischen Phase jetzt ist und ich wurde von den medizinischen Experten informiert, dass ich nur wenige Wochen zu leben habe, das war die schmerzlichste und schwierigste Zeit meines Lebens. (Das täte mir natürlich sehr leid, wenn es denn stimmen würde.)

Ich habe etwas Geld („etwas“), das ich von meinem verstorbenen Ehemann geerbt habe, die Summe von £ 7,8 Millionen britischen Pfund, die in meinem Namen in einer Bank in London, Großbritannien hinterlegt ist. Ich brauche dich, um dieses Geld zu benutzen, um eine Wohltätigkeitsgründung in meinem Namen zu gründen. Ich möchte dieses Geld nicht an etablierte Charity-Organisationen spenden, denn die meisten von ihnen haben sich bewährt, sich zu bereichern (natürlich und diese Mail hat selbstverständlich eine gaaanz andere Absicht), anstatt die eigentliche Wohltätigkeitsarbeit zu machen, für die sie Spenden erhalten.

Also will ich dir (kennen/duzen wir uns?) dieses Geld anvertrauen (wir kennen uns nicht, haben uns nie gesehen oder gesprochen – okay, aber natürlich ist dein Wunsch dennoch total nachvollziehbar 😀 . Wer würde nicht einer Wildfremden Millionen geben. Aber andererseits ist es ja nur etwas Geld. ), also kannst du es für Wohltätigkeitsarbeiten unter der Aufsicht meines Anwalts nutzen. Aufgrund des britischen Gesetzes über die Übertragung von Vererbung und Änderung des Fondsbesitzes bin ich nicht gesetzlich zulässig, meinen britischen Rechtsanwalt als neuen Begünstigten zu ernennen (dann überschreib es halt seiner Schwester/Mutter/Ehefrau/Ehemann/Bruder/Onkel/Haustier/Zimmerpflanze). Deshalb brauche ich deine Hilfe in dieser Angelegenheit (sicher, sicher). Ich habe deine E-Mail-Adresse aus dem Internet gefunden, nachdem ich nach Gott gesucht und beten und Gott gefragt habe, um mir die richtige Person zu zeigen (die richtige, sprich naivste Person, um sie erfolgreich abzuzocken? Na danke für’s Kompliment).

Ich möchte Ihnen versichern, dass dies kein gestohlenes Geld ist (Betrug ist also keine Form von Diebstahl?), es ist sauberes Geld frei von jeglicher Art von Rechtswidrigkeit, und es besteht kein Risiko oder eine Gefahr in diesem Prozess. Es wird eine ordnungsgemäße Eigentumsübertragung geben, die von meinem Anwalt behandelt wird (Hört sich ja super an, also Leute, wundert Euch nicht, wenn ich ab nächster Woche aus der Südsee blogge).

Sie nehmen 25 Prozent dieses Geldes für Ihren persönlichen Gebrauch dann verwenden Sie 75 Prozent für die Nächstenliebe Stiftung. (Hört sich nach einem absolut fairen Deal an 😀 ) .

Bitte beachten Sie: Ich bin in den Vereinigten Staaten geboren und aufgewachsen, also spreche ich kein Deutsch, Ich habe Internet-Übersetzung verwendet, um diese Nachricht zu schreiben. (Also ich habe mit Übersetzungsprogrammen nie so gute Ergebnisse erziehlt. Der erste Verdachtsmoment 😉 ). Ist der Inhalt gut verstanden?

Wenn du Englisch verstehst, dann antworte ich auf Englisch, aber wenn dein Englisch nicht gut genug ist, kannst du mir auf Deutsch schreiben, ich habe ein gutes Übersetzungswerkzeug. (Die Absage würde sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch nicht schmeichelhaft ausfallen. Und die Möglichkeit, dass ich überhaupt nicht antworten werde, steht wohl gar nicht zur Wahl).

Ihre schnelle Antwort wird sehr geschätzt, also kann ich Ihnen ausführlichere Informationen geben. (Wie und wann ich in Vorkasse treten darf, um die nötigen rechtlichen Abläufe mit dem Anwalt in Gang setzen zu können, vermute ich).

Mit freundlichen Grüßen,
Mrs. Elisabeth Hoffmann

17 Gedanken zu „„Wunderbare“ Warenwelt #8: Elisabeth Hoffmann

  1. filmlichter

    Huh, da habe ich einiges gelernt. 7,8 Millionen Pfund sind „etwas Geld“ (Brexit muss echt fies fürs Pfund sein) und Gott hat es anscheinend nötig Mailadressen zu verscherbeln (hat der in Pfund investiert?).

    Das wirklich Erstaunlichste ist, dass diese Masche ja immer noch irgendwo ziehen muss, wenn das nach wie vor betrieben wird.

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      1. filmlichter

        Vielleicht ist der ganze Aufwand auch unnötig und das geht viel simpler:

        „Hi,

        wenn Sie mir 10 Euro schicken, bekommen Sie von mir 1000! Wirklich! Ihre Nachbarn haben es schon gemacht!

        Ihr glaubwürdiger Geschäftspartner“

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  2. blaupause7

    Ei gugge mal da: Alter Wein in neuen Schläuchen, importiert von der Nigeria Connection und ein 1a Aufruf zur Geldwäsche. Vielleicht hilft ein solcher Beitrag ja mal, dass weniger Dumme auf eine solche Offerte hereinfallen.

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  3. pimalrquadrat

    Schöner Wechsel zwischen „Du“ und „Ihr“. XD
    Achso, und das Befragen von Gott, um deine Mailadresse zu bekommen, herrlich. Seit wann hat sich Google in Goottle umbenannt? 😀

    PS: Du hast ja sicherlich nichts dagegen, mir etwas abzugeben, schließlich bist du ja bald Vorsitzende der Nächstenliebe Stiftung und solltest mit gutem Beispiel vorangehen. 😉

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    1. Bette Davis left the Bookshop Autor

      Okay … *kritzel,kritzel* ist vermerkt… 😀 . Die Liste wird immer länger und dabei habe ich noch nicht mal ausgerechnet, wie viel 25% von 7,8 Mio brit. Pfund sind und dann der Wechselkurs… Naja, wird schon ein hübsches Sümmchen zusammenkommen.
      Ja, Gott hat seine Finger im Spiel. Also, wenn das nicht überzeugt, was dann? 😀

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