[Filmkritik] Battle of the Sexes

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1972/73:

Die erfolgreiche Tennisspielerin Billie Jean King (Emma Stone) setzt sich für die Gleichberechtigung der Frauen ein. Weil den Spielerinnen weitaus geringere Siegesprämien zuerkannt werden als den Männern, gründet sie eine Vereinigung für Tennisspielerinnen sowie eine eigene Turnierserie. Kein einfaches Unterfangen. Privat hat sie sich das erste Mal in eine Frau (Andrea Riseborough) verliebt, was nicht nur ihre Gefühlswelt auf den Kopf stellt, sondern auch ihr Tennisspiel beeinflusst.
Bobby Riggs (Steve Carell) war ebenfalls ein erfolgreicher Tennisspieler, doch das ist lange her. Jetzt hat er einen Job in der Firma seines Schwiegervaters und frönt dem Glücksspiel. Das erste frustriert ihn, das Zweite seine Ehefrau Priscilla (Elisabeth Shue). Missmutig verfolgt er Billie Jeans‘ Erfolge. Eines Tages hat Bobby die Idee, sie zu einem Match herauszufordern, das nicht weniger beweisen soll, als dass eine Frau niemals so gut wie ein Mann spielen kann.

Da sich der Film völlig auf das Können seiner Hauptdarsteller verlässt, war die richtige Besetzung unabdingbar. Mit Emma Stone und Steve Carell ist diese allerdings perfekt gelungen.  Die äußerliche Ähnlichkeit zwischen den Darstellern und ihren realen Vorbildern ist wirklich sehr stark und überaus prägnant. Auch schauspielerisch hätte man wohl keine bessere Wahl treffen können. Doch obwohl Emma Stone ihr Können in die Waagschale wirft und Billie Jean gefühlvoll porträtiert, wird der Zuschauer wenig emotional angesprochen. Zwar sollen die sehr nahen und häufigen Close-ups wohl eine stärkere Identifikation mit der Hauptfigur und ihrer Situation bewirken. Doch dieser Zweck ist allzu offensichtlich, um wirken zu können. Es ist nicht so, dass Billie Jeans Gefühlswirrwarr und ihr Hadern mit den Ansprüchen der Außenwelt nicht verständlich gemacht würden. Es bleibt jedoch insgesamt zu blass und lässt einen deshalb emotional unbeteiligt zurück.
Überraschenderweise ist es Steve Carell, der ein wirkliches Kunststück abliefert. Er schafft es nämlich, den Chauvinisten Bobby Riggs als charismatischen, witzigen und im Innersten sehr liebevollen Menschen zu porträtieren. Bobby nimmt sich selbst und die Welt einfach nicht ernst und das transportiert Carell genussvoll. Er überzeugt sowohl in den lustigen als auch ernsten Momenten und stiehlt damit allen anderen die Show.

Die übrige Besetzung ist eine feine Mischung aus prominenten und weniger bekannten DarstellerInnen. Sie alle füllen ihre jeweiligen Rollen angemessen aus, auch wenn der Fokus erwartungsgemäß auf den Hauptdarstellern liegt. Highlights unterschiedlicher Art bilden dennoch viele Szenen mit Sarah Silverman oder Alan Cumming.

Battle of the Sexes ist vielmehr Biopic als Sportfilm. Anhand der Beispiele von King und Riggs erzählt er im Kern davon, dass jeder Mensch unabhängig von seinem Geschlecht eigene Kämpfe auszufechten hat. Dass Frauen und Männer aufgrund dessen mehr eint als trennt. Der Kampf um Gleichberechtigung ist deshalb unabdingbar und liefert den Überbau der Geschichte. Als Vehikel dient das legendäre Tennisspiel. Der weiße Sport selbst spielt aber eine untergeordnete Rolle. Folgerichtig wurde das Match selbst genauso tempo- und spannungsarm inszeniert wie die gesamte Geschichte. Diese hat leider so gut wie keinen Spannungsbogen und selbst der Ausgang des Matches gereicht nicht zum emotionalen Glanzpunkt.
Obwohl Biggs augenscheinlich als Antagonist auftritt, ist er eigentlich Billy Jeans Komplize. Er ermöglicht ihr, ihre Anliegen in die Öffentlichkeit zu tragen. Natürlich war ein Sieg zwingend notwendig, um ihre Argumente zu untermauern, doch war dieser auch kaum anzuzweifeln. Der eigentliche Widersacher ist jedoch der tagtägliche Chauvinismus, der sich in Gestalt von Tourpromoter Jack Kramer (Bill Pullman) zeigt.

Die Siebziger Jahre werden absolut überzeugend wiederbelebt. Die Anstrengung mit der Einrichtungen, Accessoires, Kleidung etc. zusammengestellt wurden, um der Vergangenheit möglichst nahezu kommen, wird in jeder Szene spürbar. Hier und da verliert das Gesamtbild etwas an Selbstverständlichkeit und somit Natürlichkeit, die so wichtig sind, um die Illusion aufrechtzuerhalten, es würden wirklich die Siebziger Jahre gezeigt.

Eigentlich macht Battle of the Sexes vieles richtig und trotzdem will der Funke nicht überspringen. Die Themen sind heute sowohl auf gesellschaftlicher als auch persönlicher Ebene immer noch sehr aktuell. Leider misslingt es jedoch über weite Teile, den Zuschauer emotional einzubinden. Doch dankenswerter Weise gibt es noch Steve Carell. Bobby Riggs hätte von keinem besser dargestellt werden können. Carell amüsiert und rührt, was umso erstaunlicher ist, da Biggs reichlich unsympathische Plattitüden von sich gibt.

7/10 Tickets

7Tickets

Sehr interessanter Artikel über Fakten und Fiktion in Battle of the Sexes:

http://time.com/4952004/battle-of-the-sexes-movie-true-story/

Alle Rechte liegen bei den entsprechenden Rechteinhabern.

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