Schon wieder ist ein Guter gegangen

Travel Channel promo shoot for Anthony Bourdain Layover in New York

Heute wurde bekannt, dass Anthony Bourdain tot in seinem französischen Hotelzimmer aufgefunden wurde. Dass er Selbstmord begangen hat. Ich bin sprach- und fassungslos. Ich mochte seine Sendung Anthony Bourdain: No Reservations sehr gerne, von der ich als sie damals auf DMAX gesendet wurde keine Folge verpasst habe. Ich mochte seine ganz eigene, mutige, witzige, raue und herzliche Art total gerne. Fand es spannend, wie offen und neugierig er auf neue Menschen und Gerichte zugehen konnte. Was er alles gegessen hat und unter welchen Umständen. Weder eine Garküche an irgendeinem indischen Straßenrand konnte ihn schrecken, noch unbekannte Insekten und andere fremdartige Delikatessen. Davon wollte ich mir immer gerne eine Scheibe abschneiden, um im Koch-Jargon zu bleiben.

Es tut mir so leid, dass er jetzt gestorben ist. So früh. Mit nur 61 Jahren. Und es bricht mir das Herz, dass er dermaßen verzweifelt gewesen sein muss, dass er seinen Suizid als einzig möglichen Weg gesehen hat. Es bleibt einfach nur ein großes WARUM (eine Frage, die wohl nur der Betroffene selbst beantworten  könnte) und der sinnlose Wunsch, dass es nicht soweit gekommen wäre.

Es heißt, er habe Depressionen gehabt. Ich wünsche mir, dass Menschen in seiner Lage die Hilfe bekommen, die sie brauchen. Dass niemand diesen einsamen Weg mehr gehen muss. Dass wir alle die Augen aufmachen und sehen, wenn jemand in unserer Nähe Hilfe benötigt. Egal welche. Und dass, wir sie ihm geben können oder helfen, sie zu finden. Lasst uns alle daran arbeiten!!

 

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7 Gedanken zu „Schon wieder ist ein Guter gegangen

  1. friedlvongrimm

    Auch wenn die Statistiken in Deutschland nicht unbedingt dafür sprechen, habe ich von Jahr zu Jahr das Gefühl, dass das Thema immer prägnanter wird und sich besonders die Fälle bei Berühmtheiten sich immer mehr häufen. Und ich empfinde es irgendwie als trauriges Warnzeichen, wenn selbst die Privilegierten das Leben in der Gesellschaft nicht mehr aushalten. Ich kenne fast niemanden, den nicht irgendein Tod eines bekannten Menschen, emotional getroffen hat, die wie du tolle, berührende Texte oder andere Huldigungen kreieren, um das zu artikulieren und anderen Menschen die Hand reichen. Und trotzdem fühlen sich so viele Menschen so allein und hilflos. Und das macht mich wirklich fertig, das es da keine einfach anzuwendende Lösung gibt, um positiv daran etwas zu verändern.
    Eine Sache muss ich aber anmerken, eben weil ich mich mit der Suizidologie aufgrund meiner eigenen Biografie immer wieder beschäftige.
    Sprache ist da ein wichtiger Schlüssel, weswegen ich Begriffe wie „Selbstmord“, wo eine Straftat oder Sünde impliziert wird, oder „Freitod“, wo impliziert wird, dass die betroffene Person eine positive Handlung ausübt, die keinerlei Konsequenzen auf alle Menschen im Umfeld hat, für problematisch halte.
    Es gibt unter anderem eine Emailberatung für Unter-25-jährige von der Caritas, wo ich einmal eine Peerausbildung angefangen hatte und da schreiben teilweise 9-jährige, dass sie sich suizidieren wollen. Da bekommt man einfach Gänsehaut.

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    1. Bette Davis left the Bookshop Autor

      Danke für deinen Kommentar und den Hinweis auf die Verwendung von Sprache. Ich bin was das angeht eigentlich sehr bewusst und finde, dass jeder Mensch mehr auf das achten sollte, was er sagt und vor allem was nonverbal mitschwingt. Dass einem trotzdem solche Unachtsamkeiten unterlaufen, zeigt aber auch wie tief bestimmte Denkmuster in unserer Gesellschaft wirken und wenig hinterfragt werden. Ich danke dir noch mal, dass du mich darauf hingewiesen hast.

      Abgesehen von den ganz persönlichen Gründen und Gefühlen, die jemanden dazu bringen, Suizid auszuüben, denke ich auch, dass unsere Gesellschaft immer kälter und brutaler wird oder es sich zumindest so anfühlt. Es gibt viele Menschen, die mitfühlend und positiv sind, aber ich glaube, das Negative hinterlässt immer tiefere Narben als das Positive. Leider!

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  2. blaupause7

    Oh Gott. Ich wusste nicht, wer er war, sondern habe nur von Kollegen gehört, dass er nicht mehr lebt. Aber zu erfahren, auf welche Weise, das schockt mich dann doch und lässt mich sprachlos zurück, weil mich das an die eigene Familiengeschichte erinnert (mein Vater war im gleichen Alter).

    Wenn wir ihm doch nur hätten helfen können… Diese Frage haben wir uns auch sehr oft gestellt und keine Antwort gefunden.

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    1. Bette Davis left the Bookshop Autor

      Es ist wirklich schockierend und traurig, wenn jemand keinen anderen Ausweg mehr sieht. Es tut mir sehr leid, dass Du so etwas auch erleben musstest. Schon als ich meinen Text geschrieben habe, habe ich mir gedacht, dass es wohl die Idealvorstellung ist, dass man jemandem in solch einer Lage helfen kann oder ihm/ihr Hilfe zugänglich macht. Tatsächlich ist es doch wohl vielfach so, dass die Betroffenen vieles sehr stark mit sich selbst auskämpfen und nach außen ihre Suizidgedanken nicht in demselben Maße offenbaren. Und ich denke, dass viele so in ihren Depressionen verfangen sind, dass sie Auswege irgendwann gar nicht mehr wahrnehmen können. Deshalb ist es mit Sicherheit sehr sehr schwierig, ihnen wirklich zu helfen, wenn man kein ausgebildeter Therapeut ist. Letztlich kann man wohl als Angehöriger, Freund etc. einfach nur für diese Menschen da sein.

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      1. blaupause7

        Danke für deine Worte; aber das wirklich Fiese an der Situation damals war, dass wir am Abend vorher einen heftigen Streit hatten und er erst am nächsten Morgen in aller Frühe den drastischen Schritt in unserem Garten getan hat. Jahrlang mit Schuldgefühlen zu leben, ist das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann.

        Es hat in der Tat Jahre gedauert, bis ich erkennen konnte, dass sein Entschluss längst feststand und ihn niemand hätte abhalten können.

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      2. Bette Davis left the Bookshop Autor

        Sehr sehr gerne, auch wenn ich weiß, dass sie nur ungenügend sein können!

        Obwohl ich mir nicht anmaßen möchte, auch nur ungefähr erahnen zu können, wie du und deine Familie Euch gefühlt habe, kann ich mir vorstellen, wie viel schlimmer es das ohnehin schon unfassbare Geschehen noch gemacht hat, dass du dich vorher mit ihm gestritten hast und wie sehr dich das später belastet hast. Ich kann mir vorstellen, dass es sehr schwierig ist, die eigenen Gefühle mit der Realität deckungsgleich zu machen. Also, dass man Schuldgefühle hat, obwohl man genau weiß, dass es keinen Tropfen gab, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat, sondern derjenige sozusagen unheilbar krank war. Ich habe einen Freund mit Depressionen. Da er weiter weg wohnt, bekomme ich nicht soo viel von seinen akuten Schüben mit. Dennoch bin ich heilfroh, dass er kürzlich in einer stationären Behandlung war und nun ambulant weitermacht. Er macht das allerdings von sich aus und nimmt Hilfe an. Ich wüsste nicht, wie das alles andernfalls wäre.

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