[Rezension] Manchmal bringt nur ein Feuer Erlösung

After the Fire

„Father John controls everything inside The Fence. And Father John likes rules. Especially about never talking to Outsiders. Because Father John knows the truth. He knows what is right, and what is wrong. He knows what is coming.
Moonbeam is starting to doubt, though. She’s starting to see the lies behind Father John’s words. She wants him to be found out.
What if the only way out of the darkness is to light a fire?“
– Klappentext

Will Hill, Autor der Department 19 – Reihe, hat mit After the Fire einen gleichermaßen psychologisch-tiefgründigen als auch spannungsreichen Roman vorgelegt.

Die Geschichte entfaltet sich auf zwei Handlungsebenen:
In der Gegenwart treffen wir die Jugendliche Moonbeam in einer psychiatrischen Klinik. Hier wurde sie mit den anderen überlebenden Kindern des Feuers auf ihrer heimischen Ranch untergebracht. Täglich spricht sie mit einem Therapeuten über das Leben in dem abgelegenen Anwesen, in der Sekte, dessen Anführer Vater John gewesen ist. Später nimmt auch ein Polizist an den Treffen teil, denn das Feuer brach nicht grundlos aus. Dabei haben wir einen Wissensvorsprung gegenüber den beiden Männern, weil Moonbeam uns in ihre Gedanken und Gefühle einweiht. Allerdings nur stückchenweise, was zum Spannungsaufbau stark beiträgt.
Moonbeam ist nämlich nicht nur eine sympathische, sondern zudem eine vielschichtige Protagonistin. Nach und nach gibt sie preis, was geschehen ist und was sie darüber weiß. Das betrifft auch ihr eigenes Handeln. Das trägt nicht nur zur Spannung, sondern auch zur geheimnisvollen Hauptfigur bei, die wie sich weiterhin herausstellt, intelligent und stark ist. Die übrigen Figuren fallen dagegen etwas ab. Wir lernen das zahlreiche Personal allein aus Moonbeams Perspektive kennen und erfahren ihre Gefühle ihnen gegenüber. Aus der Vielzahl stechen jedoch nur wenige heraus, die der Protagonistin entweder nahestehen oder aus anderen Gründen bedeutsam sind.
Die zweite Ebene führt uns direkt ins Herz der Sekte. Hier lernen wir wiederum Moonbeams Tagesablauf und die Vorgänge auf der Ranch kennen. Die Handlung entwickelt sich, verdichtet sich und gibt immer neue Geheimnisse preis. Dadurch und durch die Sprünge zwischen den Ebenen verstärkt sich die Spannung sukzessive bis sie sich schließlich mit dem Feuer voll entfaltet und sich danach langsam auflöst wie der Rauch über der Ranch.

Aber die Geschichte funktioniert nicht allein auf der reinen Aktionsebene, sondern auch psychologisch. Obwohl sich auf der ersten manches erahnen lässt, bietet die zweite aufschlussreiche Einblicke in Moonbeams Gedanken- und Gefühlswelt sowie in die Strukturen der Sekte. Es lässt sich nachvollziehen, warum Menschen sich an einen selbsternannten Führer binden und was diesen antreibt.
Obwohl sich der Autor von den Vorgängen von Waco inspirieren ließ und entsprechende Recherche betrieben hat, ist After the Fire kein Tatsachenroman. Stärker als die fesselnden Geschehnisse wirken eigentlich sogar die psychologischen Äbläufe, in die sich Hill großartig einfühlt.

Die Sprache ist einfach gehalten und baut keinen hohen Schwierigkeitsgrad auf, um sich in die Geschichte zu versenken.

Insgesamt bietet After the Fire einen starken Lesesog und ein intensives Leseerlebnis. Wer sich für Sekten und ihre möglichen Hintergründe interessiert sowie emotional mitgerissen werden möchte, wird hier fündig werden.

4/5 Schreibmaschinen

4Writer

Will Hill, After the Fire, Usborne Publishing Ltd 2017.

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