[Filmkritik] Book Club – Das Beste kommt noch… oder auch nicht

BookClub.jpg

Vier Freundinnen, die sich regelmäßig zu einem Lesekreis treffen, wählen Fifty Shades of Grey als Lektüre aus und erhoffen sich damit auch etwas Abwechslung von ihrem langweiligen Alltag. Tatsächlich werden sie inspiriert, neue Wege einzuschlagen.
Dianes (Diane Keaton) Ehemann ist gestorben und ihre Töchter planen, dass ihre Mutter zu ihnen zieht. Obwohl Diane sich dazu bereiterklärt, ist sie nicht glücklich mit der Entscheidung. Auf einem Flug lernt sie den smarten Piloten Mitchell (Andy Garcia) kennen und plötzlich tun sich neue Optionen auf. Vivien ist eine unabhängige Geschäftsfrau, die Männer lediglich als unverbindlichen Zeitvertreib wahrnimmt. Als ihr Ex Arthur (Don Johnson) sie umwirbt, möchte sie keinesfalls Gefühle investieren. Sharon (Candice Bergen) ist geschieden und Oberste Richterin. Als ihr Ex-Mann sich mit einer jüngeren Frau verlobt, muss sie schmerzhaft einsehen, dass auch sie sich endgültig von ihm lösen muss. Ermutigt von ihrer Lektüre meldet sie sich bei einem Datingportal an. Auch bei der Vierten im Bunde verfehlt das Buch nicht seine Wirkung. Da Carols (Mary Steenburgen) Ehe in Routine erstickt ist, will sie das alte Feuer bei ihrem Mann Tom (Ed Begley Jr.) wecken.

Hier geben sich die großen Namen die Klinke in die Hand. Der Cast ist wirklich großartig und man sieht jeder und jedem Einzelnen gerne bei der Arbeit zu. Besonders schön ist das Wiedersehen mit Richard Dreyfuss, wenn bedauerlicherweise auch nur in einer sehr kleinen Rolle. Doch machen wir uns nichts vor, eine Herausforderung muss keiner von ihnen meistern. Sie tun einem schon fast leid, dass sie einen so seichten Stoff wegspielen müssen. Hoffentlich haben sie ausreichend Schmerzensgeld erhalten.
Die Rollen bieten allesamt so wenig Persönlichkeit, so wenig Tiefgang und so viele Stereotypen, dass sie nur oberflächlich unterhalten und nur geringe Identifikationsflächen bieten. Diane Keaton bietet abermals eine Variation ihrer selbst, was nicht schlimm wäre, wenn es wenigstens eine interessante wäre. Es scheint, als habe Jane Fonda unbedingt die Rolle der gestylten Geschäftsfrau übernehmen wollen, um indirekt auch hier Werbung für Schönheitsprodukte oder gleich -Operationen zu platzieren.
Hinzukommt, dass jede Rolle absolut erwartungsgemäß und damit konventionell besetzt ist. Es hätte dem Ganzen wirklich gut getan, wenn sie gegen den Strich erfolgt wären. Warum nicht D. Keaton als strenge Richterin? C. Bergen als Witwe mit Neuanfang, M. Steenburgen als toughe Hotelmanagerin und J. Fonda als gefrustete Ehefrau? Es wäre mit Sicherheit viel überraschender und kurzweiliger gewesen. Warum bewegt sich niemand auch nur einen Millimeter aus seiner Komfortzone? Dasselbe lässt sich über jeden Bestandteil des Films sagen. Alles ist brav und vorhersagbar. Jede „Wendung“, jeder Gag lässt sich vorausahnen. Die männlichen Parts rauschen außerdem in einer Art Nummernrevue über die Leinwand. Sie nehmen wenig Raum ein, entwickeln noch weniger Persönlichkeit als die Hauptdarstellerinnen und sind letztlich lediglich Erfüllungsgehilfen. Charmant ist allerdings das Engagement von Don Johnson, dem Vater von Fifty-Shades-of-Grey-Hauptdarstellerin Dakota.

Der Wirkung von Fifty Shades of Grey nachzugehen und auf einen älteren Personenkreis zu übertragen, hat durchaus Potential. An und für sich ist das ja weder abwegig noch verwerflich. Vorausgesetzt die Buchreihe wäre tatsächlich ein integraler Bestandteil von Book Club. Dieses spielt jedoch inhaltlich so gut wie keine Rolle. Sie dient als eine Art Initialzündung für die Protagonistinnen, ihre Situation zu überdenken und neue Wege einzuschlagen. Es fordert die Schauspielriege aber nicht heraus, überraschende, peinliche, pikante Situationen zu meistern. Hier wird das popkulturelle Phänomen lediglich ausgebeutet. Mehr als offensichtlich hofften die Verantwortlichen, dass sich dessen Anziehungskraft auf ihr kleines Unternehmen übertragen würde. Sporadisch erinnert sich Regisseur Bill Holderman zwar an James‘ Werk und baut willkürliche Verweise ein, aber nichts davon trägt maßgeblich zur Entwicklung der Geschichten bei. Die Zuschauer, die die Buchreihe nicht gelesen haben, stört das wohl kaum, verwunderlich ist es aber trotzdem. Die, die sich von der Verbindung haben locken lassen, werden wohl etwas enttäuscht sein.

Dabei ist es keineswegs so, als würde Book Club überhaupt nicht unterhalten. Die Prämisse, dass das Leben sich jederzeit und in jedem Alter ändern lässt, funktioniert natürlich. Im Schlepptau des Erfolgzugs Fifty Shades of Grey zuckelt der Film jedoch auf viel zu konventionellen Schienen hinterher und umgeht konsequent jede unvorhersehbare Abzweigung. Zwar erreicht er nach 104 Minuten sein Ziel, aber nur mit gedrosselter Leistung. Daran trifft leider auch auf das hochkarätige Zugpersonal zu. Deshalb sind als Fahrpreis 5/10 Tickets mehr als ausreichend.

5Tickets

Ein Gedanke zu „[Filmkritik] Book Club – Das Beste kommt noch… oder auch nicht

  1. Rika

    Ach, schade… Ich hatte den Film auch schon auf dem Schirm und wollte ihn gern sehen, aber nun bin ich nicht sicher, ob er wirklich was für mich ist. Vielleicht habe ich ja Glück und er ist irgendwann auf einer der Streaming-Plattformen verfügbar. 🙂
    Danke auf jeden Fall für deinen ehrlichen Beitrag!

    Liebst,
    Rika

    Liken

    Antwort

Möchtest du einen Kommentar verfassen?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.