Wunderbare Warenwelt #10: Postgeheimnis

Nach mehrmonatigem Hin und Her durfte die Deutsche Post ihre geplante Portoerhöhung dann doch durchführen. Natürlich war ich alles andere als begeistert, da ich häufiger Bücher- und Warensendungen nutze. Umso erstaunter und erfreuter war ich wiederum, als eine booklooker-Mail darüber informierte, dass die alten Preise noch bis zum 31. Dezember gelten.
Auf der Homepage der Post finden sich die neuen Preise und es ist natürlich überhaupt kein Problem jetzt schon das höhere Porto auf seinen Brief zu kleben. Das ist wohl auch von der Post erwünscht, denn erst unter den neuen Preisen wird in viel kleinerer Schrift darauf hingewiesen, dass die alten Preise noch eine Weile gelten. Man darf also ruhig davon ausgehen, dass die Post forcieren möchte, dass man unnötiger Weise schon die neuen Portokosten übernimmt.

Diese Vermutung wurde bestärkt, als ich diese Woche ein Geschäft mit Post aufsuchen musste, weil ein Buch zu dick für den Briefkasten war. Es handelte sich nicht um eine Postfiliale mit Postangestellten, sondern um eine in ein Geschäft integrierte Station. Ob dasselbe in einer ausgewiesenen Postfiliale passiert wäre, konnte ich bisher nicht testen. Auf jeden Fall wollte der Mensch hinter dem Tresen die Sendung mit dem neuen Porto versehen. Auf meinen Einwand reagierte er mit Unwissen, meinte, dass auf seiner geänderten Liste nichts dergeleichen stehen würde. Nach einer kleinen Diskussion verkaufte er mir die gewünschten Briefmarken schließlich. Ich schloss aus dem kleinen Intermezzo, dass die Post es nicht für nötig hält, ihre Mitarbeiter korrekt zu informieren und lieber verfrüht mit den erhöhten Einnahmen einsetzen möchte. Was ich eine Unverschämtheit finde, denn wo erfährt jemand, der weder zufällig durch andere informiert wird noch im Internet selbst Informationen suchen kann davon? Diese Menschen sind auf jeden Fall im Nachteil, wenn sie selbst in einer Poststelle nicht umfassend informiert werden.

Da ich noch mehr Post zu verschicken hatte, erkundigte ich mich beim Angestellten, wie viel neuerdings Briefe und Postkarten kosten würden. Daraufhin sagte er, die Umstellung wäre schon einen Monat her (heißt noch lange nicht, dass ich es deshalb wissen müsste) und man könne die App der Post nutzen, um sich zu informieren. Man solle nicht nur Whatsapp und Facebook nutzen. Natürlich erklärte ich gleich, dass ich beides aufgrund von Datenklau und Sicherheitslücken nicht verwenden würde. Er beschied mir, dass ich damit zu dem 1% gehören würde, der das nicht täte. Das freute mich natürlich, denn damit bescheinigte er mir, keine Mitläuferin zu sein. 😀 Natürlich war es keineswegs so positiv gemeint, schon klar. Gleichzeitig frage ich mich, ob er mir damit unterschwellig mitteilen wollte, dass er nur zum Verkauf und Aufkleben der Briefmarken da war, nicht aber um über Preise zu informieren. (Sein Job kann dann ja bald von Robotern erledigt werden. Muss er sich nicht wundern 😉 . ) Ist der Kunde heutzutage verpflichtet ist, sich im Vorfeld zu erkundigen, weil die Informationen im Netz zugänglich sind? Was bedeutet das wiederum für Menschen, die dies nicht tun wollen oder können?
Leider sehe ich immer mehr Beispiele einer wachsenden Ausgrenzung von Menschen ohne Smartphone oder die ohne Internet leben wollen/müssen. Hinzu kommt auch die soziale Komponente. Wenn z.B. gefordert wird, Smartphones oder Tablets im Unterricht zu verwenden, wird völlig außer Acht gelassen, dass sich nicht jeder eine teures Gerät leisten kann.
Seit Jahrzehnten kämpfen Menschen mit Handicap für Barrierefreiheit und die gesellschaftliche Teilhabe und hier werden völlig ohne Not Hindernisse für Menschen ohne Smartphone/Internet aufgebaut. Nur weil die meisten Menschen in Deutschland diese benutzen, heißt das nicht, dass es richtig ist, alle dazu bringen zu wollen oder die auszuschließen, die es nicht möchten. Zeichnet sich eine freie Gesellschaft nicht dadurch aus, die Wahl zu haben? Dass verschiedene Möglichkeiten nebeneinander existieren können und eine Daseinsberechtigung haben?

Weder die mangelnde Information durch die Post noch der langsam stärker werdende Zwang zum Smartphone finde ich hinnehmbar.

Warum Post, Bank und Co. ihre Kunden nicht zwingen sollten, Apps zu benutzen

9 Gedanken zu „Wunderbare Warenwelt #10: Postgeheimnis

  1. nettebuecherkiste

    Ich habe letztens einen vorfrankierten Rückkarton aus dem Ausland abgegeben und hatte Glück, dass die Angestellte ihn angenommen hat. Sie habe so etwas noch nie gesehen, aber (gnädigerweise) sie macht es mal… Hoffentlich kommt das Ding an, war teuer.

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  2. blaupause7

    Einen Teufel werde ich tun und mein Handy mit Apps zupflastern. Mir geht da zu viel Kommunikation von Mensch zu Mensch über direkten Blickkontakt verloren. Und ich frage mich, wie Sehbehinderte mit dieser Entwicklung klarkommen.

    Gefällt 2 Personen

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