Wunderbare Warenwelt #11: Ich wurde geTRUMPt

Es war einmal ein Herrscher mit rötlich-blondem Haar und einer Haut, von der manche behaupteten, sie sei von Selbstbräuner, andere, sie sei vom Genuß zu vieler Mohrrüben getönt worden. Doch sein Problem bestand nicht in seinem Äußeren, also zumindest nicht nur, sondern auch darin, dass er eine Allergie gegen Fakten hatte. Sie störten ihn so sehr, dass er sie als „Fake News“ bezeichnete und die eigenen Lügen als Tatsachen verkündete. Viele Menschen glaubten ihm und lobpreisten ihn. Andere wollten ihn mit Argumenten der Lüge überführen. Doch entweder erklärte der komische Mann auch die zu Märchen oder ignorierte sie völlig.  Erstaunlicher Weise kam der Herrscher damit immer öfter durch.

Wozu erzähle ich Euch dieses leider allzu wahre Märchen? Weil ich „Opfer“ dieses Verhaltens wurde und zwar auf einer allseits bekannten Auktionsplattform. Und die „Geschichte“ geht so:

Vor wenigen Wochen stellte ich ein Paar sehr schöner schwarzblauer Lederschuhe auf Ebay zur Auktion. Da sie mir je nach Lichteinfall mal eher Schwarz, mal eher Blau erschienen, gab ich dies in der Beschreibung an.
Mehrere Gebote gingen ein und schließlich wurden sie verkauft. Bezahlt, verschickt und angekommen, war die Transaktion für mich beendet. Kurz darauf teilte mir ebay allerdings mit, der Käufer wolle die Schuhe zurückgeben. Okay, vielleicht entsprachen sie ja aus irgendeinem Grund nicht seinen Vorstellungen. Obwohl ich immer viele Fotos einstelle, damit die Interessierten einen möglichst genauen Eindruck erhalten. Als ich jedoch den Grund las, war ich wie vom Donner gerührt. Angeblich seien die Schuhe braun und nicht wie beschrieben schwarz! Ich solle sie zurücknehmen UND einen Rücksendeschein schicken, d.h. das Rückporto bezahlen. Ich bin ja gerne entgegenkommend und war auch bereit, sie zurückzunehmen, aber da die Beschreibung korrekt war, bezahle ich sicher nicht das Porto.  Ich antwortete entsprechend: Rückgabe gerne, Kaufbetrag zurück bei Erhalt der Schuhe. Keine Reaktion des Käufers.
Am nächsten Tag fiel mir ein, ich könnte mir ja die Expertise des Herstellers holen. Vielleicht habe ich ja eine Farbschwäche. Auch wenn ich davon noch nie etwas bemerkt habe, aber wer weiß. Also schrieb ich der Firma, schickte ein Foto und fragte, ob es sich um Braun oder Schwarz handele. Die Antwort folgte wenig später: Es handele sich um schwarze Schuhe, da nur bei der Farbe braune Nähte verwendet würden. Bingo! Ich informierte den Käufer darüber. Keine Antwort.
Eine Woche später waren immer noch keine Schuhe bei mir eingetrudelt. Stattdessen entdeckte ich, dass ich mit den Worten „Problemlösung war leider nicht möglich“ „neutral“ bewertet worden war. Ich schrieb noch einmal an den Käufer und erklärte abermals, dass ich die Schuhe richtig beschrieben hatte und eine Problemlösung nicht immer darin besteht, dass die eigene Ideallösung realisiert wird. Kompromissbereitsschaft ist das Stichwort. Dieses Mal erhielt ich eine Antwort und zwar, dass er keinen Rückschein erhalten habe und der Kauf sehr enttäuschend gewesen sei. Ja, und für mich frustrierend. Ich hätte die Schuhe ja zurückgenommen, aber eben nicht das Porto übernommen. Warum hätte ich das tun sollen? Wenn der Käufer einen Knick in der Optik hat und in Schwarz Braun erkennt, ist das nicht mein Fehler. Und genauso wie Trump es immer tut, wurden meine sehr starken Argumente einfach nicht akzeptiert, sondern ignoriert. Es wurde der eigene Fehler nicht eingesehen. Vielmehr wurde eine eigene Realität kreiert. Frustrierend!

Ebay lässt die Verkäufer in solchen Dingen übrigens völlig allein. Man kann zwar beantragen, dass der Käufer seine Bewertung ändert, aber warum sollte er das tun. Er hat sich doch vorher Gedanken gemacht und die Bewertung dann ganz bewusst verfasst.

4 Gedanken zu „Wunderbare Warenwelt #11: Ich wurde geTRUMPt

  1. Filmschrott

    „Ebay lässt die Verkäufer in solchen Dingen übrigens völlig allein. “

    Ebay ist ohnehin ein Saftladen, was den „Kundenservice“ angeht. Mein Account dort wurde mal gehackt und jemand hat 20+ Artikel bestellt. Kundenservice wollte mir nicht helfen, also musste ich jeden Verkäufer einzeln anschreiben und das mit dem Hack erklären, um die Waren zu stornieren. Teils bei Händlern aus Frankreich und ich spreche nicht ein Wort französisch. Danach hab ich meinen Account direkt platt gemacht. Ich verlange ja nicht viel, aber ein wenig Hilfe vom „Kundenservice“ erwarte ich dann doch.

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