[Rezension] Fiona Davis – Wege ihrer Sehnsucht: Schlicht unterhaltsam

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Die Illustratorin Clara Darden möchte sich im New York der Zwanzigerjahre einen Namen machen. Sie arbeitet als Dozentin in einer Kunstakademie, die in der Grand Central Station untergebracht ist. Außerdem versucht sie, ihre Skizzen an Zeitschriften zu verkaufen. Da Männern jedoch stets der Vorzug gegeben wird, ist es für Frauen schwierig, sich eine Karriere aufzubauen. Doch dann eröffnen ihr zwei neue Bekanntschaften ungeahnte Möglichkeiten.
Fünfzig Jahre später muss sich Virginia Clay nach ihrer Scheidung ein eigenes Leben aufbauen. Dazu braucht die konservative Hausfrau vor allen Dingen eine Arbeit. Doch die ist mit einem Abschluss in Kunstgeschichte und wenig Arbeitserfahrung schwer zu finden. Schließlich landet sie als Praktikantin am Auskunftsschalter der Grand Central Station. Der Bahnhof hat schon bessere Zeiten gesehen. Genauso wie die Kunstakademie, deren verlassenen Räume Virginia eines Tages entdeckt. Dass sie dieses Ereignis zu einem viel größeren Geheimnis führen wird, ahnt sie da noch nicht. 

Fiona Davis dritter Roman springt zwischen den Jahrzehnten und den beiden Frauen hin und her. Erzählt werden die Handlungsstränge jeweils aus der Sicht ihrer Hauptfiguren. Clara Darden und ihre Geschichte stehen jedoch im Fokus. Das ist auch gut so, denn Virginias ist wenig spannend. Bei ihr geht es vor allem um die Emanzipation von der untergebenen Ehefrau zur selbstbewussten Persönlichkeit. Die Figuren wirken mit Einschränkungen realistisch. So scheinen z.B. die Alterszuschreibungen unpassend. Besonders die weiblichen und männlichen Hauptfiguren agieren als wären sie in einem mittleren Alter, stellen sich aber als viel jünger heraus. Vor allem bei Virginia ist das störend, weil sie sich wie eine verhuschte Hausfrau in ihren Fünfzigern verhält. Wenn ihr „hohes“ Alter immer wieder thematisiert wird, sie aber tatsächlich erst fünfunddreißig ist, fühlt man sich als Leserin schwer irritiert. Das Verhalten der beiden Protagonistinnen ist weitestgehend vorhersehbar. Die Figuren bleiben einigermaßen blass. Vielleicht wird dieser Eindruck aber auch vom Schreibstil hervorgerufen. Der zeigt sich nämlich etwas oberflächlich und stellenweise sogar kitschig. Formulierungen wie „innerlich erbeben“ erinnern zu stark an einen drittklassigen Liebesromane. Andererseits führt der flotte Sprachstil dazu, dass die Seiten schnell dahin fliegen.

Das große Geheimnis, das es zu enthüllen gilt, wird hingegen nicht besonders zugkräftig eingeflochten. Die Entdeckung der Akademie, die Spurensuche, die sich um ein Gemälde dreht, hätten viel spannender und trickreicher erzählt werden können. Die grundsätzliche Lösung zeichnet  sich früh ab. Dennoch hält das Ende noch zwei Überraschungen bereit. Eine etwas weniger glaubwürdig als die andere. Ein Hinweis auf die zweite wird dafür schon früh und geschickt eingeflochten, so dass am Ende doch ein kleiner Aha-Effekt erzielt wird.

Der Originaltitel ist übrigens „The Masterpiece“ und passt damit viel besser zur Geschichte als der etwas schwülstige deutsche.

Insgesamt wirkt Wege ihrer Sehnsucht etwas zu glatt. Das gilt sowohl für die Handlung, die Figuren, sowie sprachlich.  Nichtsdestotrotz bietet es kurzweilige, solide  Unterhaltung und die hat in jedem Fall ihre Berechtigung.

Vielen Dank an den Goldmann-Verlag und das Bloggerportal, die ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Die Rezension bzw. meine Meinung wurde dadurch natürlich in keiner Weise inhaltlich beeinflusst.

Fiona Davis, Wege ihrer Sehnsucht, Goldmann 2019.

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