[Serienkritik] Spinning Out (OV)

Spinning Out

Seit Eiskunstläuferin Kat (Kaya Scodelario) vor einem Jahr bei einem Wettbewerb schwer gestürzt ist, fürchtet sie sich vor den anspruchsvollen Sprüngen. Außerdem hat sie wie ihre Mutter Carol (January Jones) eine biopolare Störung, von der aber niemand außerhalb der Familie wissen soll. Ihre einst vielversprechende Karriere steht deshalb kurz vor dem Aus, doch dann erhält sie die Möglichkeit, Partnerin des talentierten Justin Davis (Evan Roderick) zu werden. Obwohl sie ihre Schwierigkeiten mit dem feierwütigen Justin hat, will sie ihre Chance nutzen.

Im Mittelpunkt steht zwar Kat, aber auch ihr Umfeld erhält viel Raum. Im Grunde wird das Soziogramm einer kleinen Eiskunstlauf-Gemeinde innerhalb eines Wintersport-Ressorts gezeichnet. Da wäre Carol, Kats und Serenas Mutter, die mit ihrer bipolaren Störung kämpft und Kat vorwirft, die eigene Eiskunstlaufkarriere wegen ihr aufgegeben zu haben. Serena (Willow Shields) übt den Sport ebenfalls aus und wird dank des neuen Trainers Mitch (Will Kemp) immer erfolgreicher. Kats Freundin Jenn (Amanda Zhou) verdrängt die Schmerzen nach einer Hüft-OP und riskiert ihre Gesundheit auf dem Eis. Kats Kollege im größten Hotel am Ort ,Marcus Holmes (Mitchell Edwards), ist ein sehr guter Skiläufer. Dennoch schreckt er davor zurück, dem örtlichen Skiteam beizutreten, obwohl er es dadurch sogar bis zu den Olympischen Spielen schaffen könnte. Schließlich sind da noch Justin Davis, seine Familie und Trainerin Dasha (Svetlana Efremova).

Das Personal und seine individuellen Probleme sind zwar umfangreich, aber man verliert nie den Überblick. Das liegt auch daran, dass in jeder Folge eine Person stärker als die anderen ins Zentrum gerückt wird. Welche lässt sich schon an der Anfangssequenz erkennen, die Erinnerungen von ihr zeigt. Durch das Schema lernt sie als mehrschichtige Persönlichkeiten kennen. So bleibt auch niemand völlig unsympathisch, weil man seine Beweggründe und Einstellung versteht. Das heißt aber nicht, dass man sich nicht auch mal über sie ärgern würde und sich fragt, warum sie dies oder jenes jetzt tun.

Jede Folge ist spannend, abwechslungsreich und konfliktreich. Ja, ab und zu sind die Entwicklungen etwas vorhersehbar und man merkt, welche Folgen ein bestimmtes Geschehen haben wird. Aber das ist dennoch so unterhaltsam umgesetzt, dass es nicht stört.
Der Sport bietet einen Rahmen, in dem sich verschiedene Persönlichkeiten und Probleme sammeln. Man muss also ganz und gar kein Eiskunstlauffan sein, um die Serie zu mögen. Die Umsetzung der Sporteinlagen ist richtig gut gelungen. Namhafte professionelle EiskunstläuferInnen fungieren als Doubles. Durch gekonnte Schnitte und eine überzeugende Leistung der DarstellerInnen (Evan Roderick spielte z.B. professionell Eishockey) entsteht allerdings die Illusion, sie würden tatsächlich selbst all die Kunststücke vollbringen. Wirklich klasse!

Dazu werden wichtige Themen wie der Umgang mit psychischen Erkrankungen, Rassismus, Patchwork-Familien, Ehrgeiz, Vertrauen etc. behandelt. Man fühlt sich nie belehrt, stattdessen werden die Dinge einfühlsam und von Seiten der Betroffenen als auch der Außenstehenden dargestellt. Man kann sich (soweit überhaupt möglich) in beide Seiten hineinversetzen. Erkennt, warum die eine Seite nicht anders glaubt, handeln zu können und die andere es einfach nicht nachvollziehen kann.
Wie man als möglicher Betroffene/r die einzelnen Themen bewertet, ist jedoch wohl nur aus der individuellen Zuschauersicht zu beantworten.
Die SchauspielerInnen setzen all das sehr gut um. Sie machen jede Entwicklung ihrer Charaktere nachvollziehbar und bleiben dabei immer glaubwürdig. Die Musikauswahl unterstützt zusätzlich die Gefühle der Figuren und die Ereignisse. Es sind ein paar sehr schöne Stücke dabei, die man sich auch unabhängig von der Serie anhören kann.

Alles in allem überzeugt Spinning Out trotz sehr kleiner Schwächen. Man folgt interessiert dem Leben der Figuren und verabschiedet sich nach der letzten Folge nur ungern.

Die erste Staffel (10 Folgen) der Dramaserie erschien am 1. Januar bei Netflix.

8/10 Tickets

8Tickets

11 Gedanken zu „[Serienkritik] Spinning Out (OV)

      1. Bette Davis left the Bookshop Autor

        Das finde ich wirklich richtig ätzend. Das ist bestimmt keine Serie, die die Massen anzieht, aber es muss doch immer eine Mischkalkulation aus Serien/Filmen mit großen bzw. kleinem Publikum. Und wie du schon sagst, bei manchen Sachen muss sich doch erstmal rumsprechen, dass es sich lohnt, zu schauen. 😦

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      2. Rina

        Finde ich auch ärgerlich. Da denkt man, dank den Streaming Portalen hat man genug Zeit alles in Ruhe zu sichten…Pustekuchen…auch nicht anders als im TV…wenn die Quoten nicht stimmen – weg…Egal ob rundes Ende oder nicht…
        😦

        Gefällt 1 Person

      3. Rina

        Richtig, wie kann man das nach so kurzer Zeit entscheiden…da muss doch vorher schon was bekannt gewesen sein, und wenn sie nicht grosse Hoffnung drauf legen, warum machen sie es überhaupt….Sehr seltsam.

        Gefällt 1 Person

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