[Filmkritik „Ein neuer Weihnachtsklassiker?“] A Castle for Christmas (OV)

Ersteinmal wünsche ich allen einen wunderschönen 2. Advent!

Jahrelang habe ich meine persönlichen Weihnachtsfilmklassiker geguckt und neuen Werken, die sich rund ums Fest drehen, so gut wie keine Beachtung geschenkt. Bis zum letzten Jahr, als Klaus mich erfreut und angerüht hat. Und somit möchte ich dieses Jahr mit der Erkundung neuen filmisch-festlichem Terrains fortfahren und Euch mit den Kritiken des Gesehenen daran teilhaben lassen. Vielleicht finden wir einen neuen Klassiker!

Heute geht es mit A Castle for Christmas los, der seit dem 26. November 2021 auf Netflix zu sehen ist und eine Laufzeit von 98 Minuten aufweist.

Bestseller-Autorin Sophie Brown (Brooke Shields) hat es in ihrem aktuellen Roman gewagt, die von der Leserinnenschaft geliebte männliche Hauptfigur über die Klinge springen zu lassen. Ihre Fans wurden dadurch nicht nur bis ins Mark erschüttert, sondern auch gegen die Verantwortliche aufgebracht. Nachdem ein Talkshow-Auftritt den Aufruhr nur noch verschlimmert hat, wird Sophie von ihrer Tochter an den schottischen Herrensitz erinnert, von dem ihr Vater ihr oft Geschichten erzählt hat und aus dessen nahegelegenem Dorf er stammte. Um der Situation zu entfliehen, beschließt sie, diesen Ort endlich selbst zu besuchen.
In Schottland angekommen, steigt Sophie in einer kleinen Pension in genau jenem Dorf ab und besucht sofort den Herrensitz Dun Dunbar Castle. So bezaubernd das Anwesen ist, so mürrisch begegnet ihr sein adelige Hausherr Myles (Cary Elwes). Er hat finanzielle Probleme und steht kurz davor, seinen Besitz an die Bank zu verlieren. Als die amerikanische Besucherin davon Wind bekommt, bietet sie spontan an, dass Herrenhaus zu kaufen. Myles schlägt ein, verfolgt jedoch seine eigenen Pläne.

Man könnte A Castle for Christmas charmant nennen und vermutlich tun das auch viele Zuschauer. Die Figuren und ihre Besetzung, der Look, die Geschichte, – all das wirkt auf den ersten Blick durchaus charmant.

Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen Film mit Brooke Shields gesehen zu haben. Doch ich habe immer bewundert, mit welch Witz und Selbstironie sie Rita Glossner in The Middle gegeben hat und natürlich hat sie generell einen gewissen Bekanntheitsgrad. In A Castle for Christmas (dessen Produzentin sie auch ist) spielt sie die Erfolgsautorin in einer Sinnkrise unprätentiös und sympathisch.
Ganz genauso verhält es sich bei Cary Elwes. Ihn kenne ich lediglich aus Die Brautprinzessin, obwohl ich seiner Filmographie entnehmen konnte, dass er durchaus auch in anderen Filmen, die ich gesehen habe, mitgespielt hat. In Erinnerung ist er mir damit aber offensichtlich nicht geblieben. Nichtsdestotrotz war es schön, ihn hier in einer Hauptrolle wiederzusehen und auch er spielt angenehm und passt perfekt in die Rolle des schottischen Grantlers.
Dasselbe lässt sich für alle Nebenfiguren und ihre Besetzung festhalten, wobei Lee Ross als Myles‘ bester Freund Thomas hervorzuheben ist. Mit seinen ironischen Kommentaren brachte er Humor in die ganze romantische Chose 😉 . Bis auf eine ehemalige Liebelei mit der Pensionschefin hatte er leider keine Hintergrundgeschichte. Diese wiederum versuchte man den Mitgliedern der Strickgruppe zu geben mit denen sich Sophie anfreundet. Vielmehr Tiefe verlieh das dem Film aber jedoch auch nicht.

Doch das wahre Manko liegt hier nicht in der Schauspielleistung, die jeder für sich durchaus überzeugend erbracht hat. Vielmehr besteht es darin, dass während der gesamten Zeit kein Gefühl des homogenen Zusammenspiels entsteht. Tatsächlich hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, dass jeder seinen Text und die vorgeschriebenen Gesten ausführt, aber dass sie die Szene nicht gemeinsam lebendig werden lassen. Selbst den Aktionen des tierischen Sidekick Hamish sieht man an, dass er lediglich Tricks vollführt. In einer Szene hat man sogar das Gefühl, er warte noch aufs Kommando.
Somit fühlt es sich durchgehend wie eine Aufführung an, was es natürlich ist, aber nicht so wirken darf. Schon mit diesem Eindruck steht und fällt die ganze Illusion der Geschichte.

Auch die Geschichte selbst könnte man mit dem Attribut „charmant“ belegen und auf dem Papier ist sie das sicher auch. Leider kann die Umsetzung überhaupt nicht überzeugen. Es entwickelt sich von Beginn an viel zu sprunghaft. Jede Szene bringt uns zwar ein Stück weiter, aber man hat den Eindruck als würden Zwischenschritte fehlen, die sowohl dem Tempo als auch der Figurenentwicklung guttun würden. Dadurch wirkt die Handlung gehetzt und aneinandergereiht. Außerdem hatte ich nicht das Gefühl, dass irgendein Spannungsbogen vorhanden war. Natürlich tut der Film so, denn Sophie und Myles sind unterschiedliche Typen, haben jeweils eigene Probleme sowie Querelen untereinander. Aber wenig überraschend die Zwei in Wahrheit gar nicht so verschieden, man merkt die ganze Zeit, dass sie sich durchweg gut verstehen und Myles versucht auch nie ernsthaft, Sophie zu vertreiben. Alles löst sich viel zu schnell in Wohlgefallen auf, als dass es einem zu Herzen gehen könnte.

Mein Lieblingsaspekt des Films ist sein Look. Gut, er lässt so gut wie jede Natürlichkeit vermissen, aber das kleine schottische Dorf, seine Umgebung und das weihnachtlich geschmückte Dun Dunbar Castle sind wirklich hübsch und geradezu kitschig. Opulenter kann man ein solches Anwesen wohl kaum ausstaffieren. Ja, das alles entspricht vermutlich genau dem Bild, das Amerikaner von Europa, Großbritannien oder Schottland haben, aber es sieht dennoch toll aus.

Alles in allem hätte A Castle for Christmas herzerwärmend sein können und er tut sein Möglichstes, um so zu wirken, aber er IST es nicht. Stattdessen ist er leider etwas seelenlos geworden.

5/10 Tickets

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