[Filmkritik „Ein neuer Weihnachtsklassiker?“] Last Christmas (OV)

Einen gemütlichen 3. Advent Euch allen!

Jahrelang habe ich meine persönlichen Weihnachtsfilmklassiker geguckt und neuen Werken, die sich rund ums Fest drehen, so gut wie keine Beachtung geschenkt. Bis zum letzten Jahr, als Klaus mich erfreut und angerüht hat. Und somit möchte ich dieses Jahr mit der Erkundung neuen filmisch-festlichem Terrains fortfahren und Euch mit den Kritiken des Gesehenen daran teilhaben lassen. Vielleicht finden wir einen neuen Klassiker!

Auf A Castle for Christmas in der letzten Woche, folgt heute Last Christmas aus dem Jahr 2019.

Man könnte sagen, dass Kate ein chaotisches Leben führt, aber von Führung zu reden, wäre zu beschönigend. Sie arbeitet in einem Laden, der das ganze Jahr über Weihnachtsartikel verkauft und trägt dabei ein Wichtelkostüm. Nach der Arbeit tingelt sie von einem Vorsingen zum nächsten, in der Hoffnung als Sängerin engagiert zu werden und nachts schläft sie auf den Sofas von Freunden, schafft es aber immer wieder die Schlafgelegenheit aufgrund irgendeines Fehlverhaltens zu verlieren. Nach Hause möchte sie nicht, weil ihre Mutter sie viel zu sehr bemuttert und wie ein rohes Ei behandelt.
Kurz vor Weihnachten beobachtet sie vorm Laden einen jungen Mann, der sich auffällig verhält. Der Sache muss sie doch gleich auf den Grund gehen und ehe sie sich versieht, bringt Tom ihr Leben…nein, nicht durcheinander, sondern auf eine neue Bahn.

Als Last Christmas ins Kino kam, wollte ich ihn mir eigentlich ansehen. Dann habe ich hier und da nicht so positive Stimmen vernommen und mich davon beeinflussen lassen. Später erfuhr ich vom großen Twist des Films und dachte mir, dass es vermutlich gut war, ihn nicht gesehen zu haben. Seitdem ist viel Zeit vergangen und irgendwie war ich jetzt doch neugierig.

Paul Feigs Last Christmas ist durchaus ein  Weihnachtsfilm, aber mit einem etwas anderen Ansatz. Tatsächlich ist seine Handlung relativ lose mit dem Fest verbunden und könnte auch zu jeder anderen Jahreszeit spielen. Dem ist aber glücklicherweise nicht so, denn der Schauplatz des weihnachtlichen Londons spielt sicherlich die dritte Hauptrolle (vielleicht sogar die zweite) und ist einfach unwiderstehlich. Zumindest für mich.  Ich liebe Filme, die in London spielen, bei denen man wirklich das Gefühl hat, durch die Stadt zu laufen und die den Geist der größten Stadt der Welt heraufbeschwören. Last Christmas schafft dieses Gefühl auf wunderbare Weise. AlIein aus diesem Grund wäre er für mich sehenswert. Es könnte noch viel mehr über London und seine Rolle im Film gesagt werden, aber keine Sorge, das werde ich nicht.

Wenn man sich den Trailer und das Poster so ansieht, dann tippt man sofort auf eine klassische RomCom. Doch so ist es nicht und es ist gut vorstellbar, dass manche danach enttäuscht sind und Last Christmas negativ sehen. Vermutlich wäre es mir ohne Vorkenntnisse auch so gegangen. Die Wendung selbst finde ich durchaus okay (nimmt man das Lied wörtlich, kann man sie sich ein bisschen zusammenreimen), hinterfragen sollte man sie nicht. Warum Tom immer nach oben sieht, wird nicht wirklich erklärt, aber wenn man es ganz genau nimmt, kann man sich auch den Grund denken.
Statt der Romantikkomödie erhält man eine Coming-of-Age-Geschichte, die natürlich trotzdem zu Herzen geht. Ich bin Kate gerne durch ihr Leben gefolgt, habe das weihnachtliche London erkundet und mit ihr und Tom nach oben geguckt. Etwas sperrig und übertrieben gespielt, empfand ich hingegen den Schwarm der Ladenbesitzerin.
Und obwohl es auch kein konventionelles Happy End gibt, fühlt es sich wie ein passendes, versöhnliches Ende an. Ja, mir hat es genau deshalb gefallen, weil hier nicht stumpf die Erwartungen bedient werden, sondern ein anderer Zugang gewählt wurde.
Und für wen es ein Qualitätsmerkmal ist, wenn ein Weihnachtsfilm ein paar Tränen in die Augenwinkel zwingt, dem sei gesagt, dass ich tatsächlich am Ende ein bisschen weinen musste. Das lag aber noch mehr als am Twist an der Gesangsszene am Ende. Wenn viele Menschen zusammenkommen, um etwas Positives zu tun, dann werde ich einfach immer emotional.

Die Besetzung ist gut gewählt und spielt toll zusammen. Mit Emma Thompson als Kates Mutter bin ich allerdings nicht warm geworden. Um nicht missverstanden zu werden: Natürlich ist sie wie immer toll, aber ich habe ihr die Rolle der osteuropäischen Migrantin einfach nicht abgenommen. Die Figur ist zu limitiert als das Emma ihre Stärken hätte ausspielen können. Aber alle Achtung, dass sie so uneitel ist und die schrecklichsten Klamotten angezogen hat!
Emilia Clarke ist wirklich süß als Kate, auch wenn Anleihen an Bridget Jones und ähnliche Figuren frappierend sind. Aber egal! Schlicht ihre Augenbrauen haben mich zum Ende hin immer mehr abgelenkt. Vermutlich hatten die ihren eigenen Vertrag. Auf jeden Fall haben sie hart gearbeitet 😉 .
Mein Favorit ist Henry Golding. Er spielt den ruhigen, zurückhaltenden Tom mit viel Einfühlungsvermögen und stellt so den richtigen Gegenpol zu Emilias chaotischer, aber auch charmanter Figur dar. Sie waren ein gutes Paar mit einer guten Chemie.

Wer, wie ich, dachte, er könnte Whams!-Weihnachtsklassiker nicht mehr hören, der sei beruhigt. Er wird zwar in verschiedenen Versionen krädenzt, aber in relativ schwachen Dosen. Außerdem nimmt man ihn aufgrund seines Bezugs zur Geschichte irgendwie anders wahr. Auch weitere Songs von Wham! und George Michael passen perfekt in die Geschichte und sind auch für Nicht-Fans wie mich geeignet.

Alles in allem ist Last Christmas ein schöner Film, in dem alles ein bisschen vertreten ist:  Humor, Liebe, Selbstfindung, Drama und eine Prise Tiefgang. Allein wegen des weihnachtlichen Londons werde ich ihn sicher noch häufiger sehen.

 

7 1/2 von 10 Tickets

Werbung

4 Kommentare zu „[Filmkritik „Ein neuer Weihnachtsklassiker?“] Last Christmas (OV)

Möchtest du einen Kommentar verfassen?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..