[Filmkritik] Downton Abbey: Eine neue Ära (Kino)

Im neuen, zweiten Kinofilm zur britischen Fernsehserie Downton Abbey erbt die Matriarchin Violet Crawley (Maggie Smith) ein Anwesen in Frankreich. Ein reicher Graf hat sie in seinem Testament bedacht, wogegen seine Witwe vor Gericht ziehen möchte, während sein Sohn den letzten Wunsch seines Vaters erfüllen möchte. Um die Familie kennenzulernen, lädt er sie nach Südfrankreich an und trotz einiger Bedenken macht sich schließlich eine Illustre Runde um Lord Robert (Hugh Bonneville) und Lady Cora Crawley (Elizabeth McGovern) auf den Weg über den Ärmelkanal. 
Währenddessen ist eine Filmcrew über Downton Abbey hereingebrochen wie ein Schwarm Heuschrecken. Aufgrund der finanziellen Situation sind die Crawleys damit einverstanden, dass ein Film gedreht wird, obwohl keiner von ihnen viel von Schauspielern hält. Natürlich ist das Personal in heller Aufregung, zwei große Filmstars aus der Nähe erleben zu können. Doch diese entsprechen nicht unbedingt den Erwartungen.

ICH BIN EIN GROSSER FAN VON DOWNTON ABBEY!

Behaltet das in Erinnerung, wenn wir uns nun nach Downton Abbey begeben.

Dadurch dass nun nicht nur die vielen Figuren der Familie Crawley und ihrer Dienerschaft, sondern auch noch die der Filmcrew sowie der französische Grafensohn und seine Mutter untergebracht werden müssen, ist in Eine neue Ära viel los.
Zumindest oberflächlich, denn sowohl die Reise nach Frankreich als auch die Dreharbeiten auf Downton dienen hauptsächlich dazu, Schauwerte zu erzeugen. Tatsächlich passiert in Eine neue Ära nichts Überraschendes oder gar Spannendes. Alles ist vorhersehbar und würden Laien ausschließlich Stichwörter der Handlung lesen, würde die Mehrzahl von ihnen wohl genau die Geschichten daraus entwickeln, die wir tatsächlich zu sehen bekommen. Und vielen würde auf Anhieb sogar weitaus Fantasievolleres einfallen. Die Grundszenarien hätten nämlich echtes Potenzial gehabt, insbesondere die Dreharbeiten, die noch den interessantesten Erzählstrang bilden. Sie hätten viele Irrungen und Wirrungen erzeugen können. Doch all die Möglichkeiten bleiben ungenutzt. Am Beispiel von Carson hätte man den Clash der Kulturen zwischen Briten und Franzosen herrlich ins Bild setzen können. Wie ein Fisch auf dem Trockenen hätte er sich nur widerwillig und etwas blasiert an die fremden Gepflogenheiten gewöhnen müssen bis er sich schließlich überraschend wohl gefühlt hätte. Aber nein, selbst eine Auseinandersetzung mit den französischen Dienern wird nur kurz im Gespräch erwähnt, aber nicht gezeigt. Dies ist ein weiteres der Probleme, denn es wird häufig etwas erwähnt, was man lieber gesehen hätte. So wird eine sich anbahnende Beziehung wird aufs Pragmatische heruntergebrochen, statt sie durch Blicke und heimliche Gesten erst einmal entstehen zu lassen. Sehr enttäuscht hat mich auch Lady Violets Erzählstrang, der weder ihr noch Maggie Smith gerecht wurde. Nicht nur hier hätte eine gefühlvollere Inszenierung Wunder gewirkt. Viele Figuren erhalten ein „Happy End“ , aber auch die fühlen sich nicht rund an, sondern sind ebenfalls abschätzbar und oberflächlich. Besonders leid tat mir das bei Thomas Barrow (Robert James-Collier), besonders gut hat mir Mr. Moleslys (Kevin Doyle) „Entwicklung“ gefallen. Insgesamt liegt der Fokus aber zu wenig auf den Bediensteten.

Die Handlung meandert also hier wie dort vor sich hin, erzeugt keinerlei emotionales Gewicht, obwohl sogar viele Geschichten extrem offensichtlich darauf ausgelegt sind. Sie beabsichtigen die Zuschauer emotional mitnehmen, in Furcht zu versetzen und vielleicht sogar zu Tränen zu rühren. Das Problem ist aber, dass ihre Funktion dermaßen offensichtlich ist, dass sie ihr Ziel verfehlen. Generell schaffen Filme es sehr leicht, mich zu Tränen zu rühren. Dass es hier nicht gelingt, ist angesichts meiner Fanliebe noch erstaunlicher als ohnehin schon. Stattdessen hat es mich sehr geärgert, dass die Verantwortlichen dachten, dass sie auf diese billige Art etwas bei mir erreichen könnten 😀 .

Die Dialoge spiegeln die generelle Einfallslosigkeit wider. Downton Abby: Eine neue Ära könnte ein Stummfilm sein, man wüsste trotzdem immer was gesagt würde.Gut fand ich allerdings, dass immer wieder frühere Ereignisse und Bezüge erwähnt wurden. Mich wundert jedoch, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler damit zufrieden sind, so viele oberflächliche Texte sprechen zu müssen. Branson (Allen Leech) hat z.B. nichts anderes zu tun, als zu sagen, wie glücklich er ist.Unsere be- und geliebten Figuren haben das alles wirklich nicht verdient! Und die Schauspieler erst Recht nicht!

Womit wir beim Cast wären. Selbstverständlich ist es eine Herausforderung dermaßen viele Akteure in einem einzigen Film unterzubringen. Es konnten tatsächlich wieder (fast) alle Beteiligten vor der Kamera zusammengetrommelt werden. Bei einem so großen Team ist das mehr als erstaunlich und spricht für die Verbundenheit aller mit dem Gesamtprojekt Downton Abbey. Selbst Maggie Smith, die nur wenige Szenen und einige davon im Bett spielt, ist dabei. Lediglich Matthew Goode als Marys Ehemann Henry Talbot, fehlt. Da ich mit der Figur jedoch nie wirklich warm geworden bin, war es mir egal.
Alle spielen routiniert, viel abverlangt wird ihnen andererseits aber auch nicht. Und sie kennen ihre Figuren ja mittlerweile ohnehin in- und auswendig. Hugh Dancy, Dominic West und Laura Haddock haben sich gut ins Ensemble eingefügt.

Man kann den Eindruck nicht abschütteln, dass diesem Film und seinen Figuren nicht die gleiche Liebe und Aufmerksamkeit geschenkt wurde wie vorher. Dass Hugh Bonneville sehr gebräunt ist, was für einen Lord der damaligen Zeit als unangemessen galt, ist nur ein weiterer Hinweis darauf. Anders als beim ersten Kinofilm hatte ich weniger stark das Gefühl, alte Freunde und liebgewordene Bekannte wieder zu treffen. Nicht einmal ein schönes Intro mit der ikonischen Titelmelodie wie beim Vorgänger wird geboten, stattdessen findet man sich direkt auf einer Hochzeit, deren Vorgeschichte im letzten Film stattgefunden hat und zu der ich keinen emotionalen Bezug habe. Simon Curtis bleibt in seiner Inszenierung leider hinter der seines Vorgängers zurück. Doch noch mehr sollte Julian Fellowes sich hinterfragen, der sowohl die Serie als auch den ersten Kinofilm entwickelt hat, warum er in diesem Fall weniger geleistet hat.
Downton Abbey: Eine neue Ära ruht sich stattdessen auf der Verbundenheit seines Publikums aus. Es wird sich darauf verlassen, dass die Charaktere geliebt werden und in ihrem Setting funktionieren.

Mit der Bewertung tue ich mich extrem schwer, denn natürlich liebe ich Downton Abbey, fühle mich mit den Figuren verbunden und somit geht die Rechnung der Verantwortlichen durchaus auf. Man ärgert sich, freut sich aber auch, überhaupt etwas „Neues“ von Downton Abbey zu sehen. Und natürlich überzeugen die Schauwerte, die Settings, die Kostüme wie immer auf ganzer Linie. Zugegeben, meine Bewertung fällt daher etwas besser aus als es der Film eigentlich „verdient“.

Hoffentlich wird es einen dritten Film geben, der den Geist des ersten aufgreift und den des zweiten vergessen lässt. Da eine „neue Ära“ beginnt, halte ich das zumindest nicht für ausgeschlossen.

6/10 Tickets

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8 Kommentare zu „[Filmkritik] Downton Abbey: Eine neue Ära (Kino)

  1. Ich hab mal nur überflogen, weil ich den Film noch nicht gesehen habe – aber es scheint so ein bisschen wie der 2. zu sein. Ich find es toll die Figuren wieder zu sehen, aber es kam mir zu voll gestopft und hektisch vor – vielleicht wäre einfach ein Wiederbeleben der Serie besser gewesen. Aber nichts desto trotz freu ich mich auf den 2. Teil und hoffe auch auf einen 3.

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