Archiv der Kategorie: Bücher

[Rezension] Ein bedrückendes und gleichzeitig eindrucksvolles Hörerlebnis

1963 hofft Eva Bruhns, dass Unternehmersohn Jürgen endlich um ihre Hand anhält. Auch ihre Eltern, die Wirtsleute des gutbürgerlichen Gasthofs „Deutsches Haus“, freuen sich über die gute Partie ihrer Tochter. Da erhält Eva das Angebot, bei einem großen Prozess in Frankfurt als Übersetzerin mitzuwirken. Obwohl weder ihre Eltern noch Jürgen begeistert sind, nimmt sie an. Fortan übersetzt die junge Frau die Aussagen polnisch sprechender Zeugen in einem der größten und wichtigsten Prozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte. Welche Bedeutung ihm zuteil wird, ahnt Eva noch nicht, die von dem Ort Auschwitz zuvor noch nie etwas gehört hat. Weiterlesen?

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[Rezension] Die berüchtigte Greiferin Stella Goldschlag

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Bevor Peter Wyden und seine Eltern in die USA emigrieren und sich so vor der Ermordung durch die Nationalsozialisten retten konnten, besuchte er in Berlin die Goldschmidt-Schule. Sie war jüdischen Schülern vorbehalten, denn nach dem 15. November 1935 war es ihnen untersagt, öffentliche Schulen zu besuchen. Dort fiel ihm besonders ein blondes Mädchen auf – Stella Goldschlag. Niemand schien sich ihrer Ausstrahlung entziehen zu können. Im Chor stand er neben ihr und versuchte auch sonst, ihr nahe zu sein, doch seine Schüchternheit machte ihm immer einen Strich durch die Rechnung. Weiterlesen?

[Rezension] Queen mehrdimensional

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Brian May, Gitarrist von Queen, hat nicht nur ein Faible für Musik und Astronomie, sondern auch für Fotografie. Daraus ergab sich, dass er früh die Möglichkeiten auslotete, die die Technik bot. Schon als Junge schoss er Fotos mit 3-D-Effekt, die sogar ins Buch integriert wurden. Natürlich blieb Brian seiner Leidenschaft für die Fotografie auch treu, nachdem sich Queen 1970 gegründet hatte. Es entstanden unzählige Schnappschüsse vor und hinter den Bühnen der Welt, während Dreharbeiten zu ihren Videos oder Plattenaufnahmen sowie privaten Schnappschüssen.
In Queen in 3-D (Stereoscopic Book) werden die Aufnahmen erstmals veröffentlicht. Das ist aber noch nicht alles, was das großformatige Buch zu bieten hat. Außerdem erzählt Brian May höchstpersönlich, was hinter jedem Foto steckt, wann und wo es aufgenommen wurde.

Ergänzt wird das Ganze durch Fotografien vom Musical We will rock you und der Konzerte von Brian May und Roger Taylor mit Paul Rodgers bzw. Adam Lambert. Es hängt von den persönlichen Präferenzen ab, wie man zu diesen Projekten steht. Allerdings sind diese Abschnitte schon unter chronologischen Gesichtspunkten bedeutsam. Zudem sind die Fotos schon aufgrund des 3-D-Effekts sehenswert und bieten tolle Perspektiven, z.B. wenn daraus ein Selfiestick herausragt. Die 2. Auflage enthält darüber hinaus sogar noch Material vom kürzlich erschienen Kinofilm Bohemian Rhapsody.

Queen in 3-D ist ein wirkliches Schatzkästlein für alle Queen-Fans.
Einerseits eröffnen die Fotos einen spannenden Blick hinter die Kulissen der Bandgeschichte. Andererseits ist es ein Abenteuer, sie per mitgelieferter Brille zum Leben zu erwecken. Das klappt durchaus nicht auf Anhieb, aber bald hat man den Kniff raus. Man muss einfach in die Mitte der zwei betreffenden Bilder schauen, sich ihnen langsam mit der Brille vor den Augen und dann schaltet das Auge auf räumliche Sicht um. Die Wirkung ist echt beeindruckend und faszinierend. Das hat den Effekt, dass man immer weiter und immer wieder durch die Seiten stöbert. Bei entsprechenden Aufnahmen entsteht der Eindruck, wirklich im Konzertpublikum zu stehen oder dass einem Dinge entgegenkommen.
Die Texte von Brian May sind gleichermaßen humorvoll wie informativ und jeder noch so gut informierte Fan wird noch etwas Neues erfahren. Garantiert. Aufgrund dessen ist das Buch auch vielmehr als ein reiner Bildband.

Es lässt sich also mit Fug und Recht behaupten, dass es Queen in 3-D an nichts fehlt. Die bisher unveröffentlichten Fotos und der Begleittext eröffnen ein umfassendes Bild auf Brian May und Queen. Die 3-D-Optik ist für sich schon eine faszinierende Erfahrung, umso aufregender und großartiger wird sie durch den unverfälschten Blick eines Insiders auf eine der besten Bands der Welt. Es ist dem Ganzen anzumerken, dass Brian May bei der Konzeption immer die Fans im Sinn hatte und was ihnen wichtig sein könnte. Für Fans ist das Buch aus all diesen Gründen eine uneingeschränkte Empfehlung! Aber auch für Interessierte oder Neugierige lohnt sich ein Blick allemal. Es ist in jedem Fall ein Erlebnis!

5/5 Schreibmaschinen

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Brian May, Queen in 3-D (Stereoscopic Book), 2nd Edition, London Stereoscopic Company  2018.

Die erste Edition ist auch auf Deutsch erhältlich.

[Rezension] Weihnachten mal völlig anders oder vielleicht auch nicht

Lindwurmfeste

In Zamonien existieren mindestens so viele rituelle Festlichkeiten wie Völker. Da kann man kaum erwarten, eine umfassenden Überblick über Borkenfest, Snörefiesten oder Hoawief zu erhalten. Doch wenigstens das wichtigste Fest der Lindwürmer angeht,  muss der geneigte Leser nicht länger im Dunkeln tappen. Im Briefwechsel zwischen dem berühmtesten Schriftsteller des Landes, Hildegunst von Mythenmetz und seinem alten Freund Hachmed Ben Kibitzer tauchte nämlich ein sehr aufschlussreiches Schriftstück auf. Darin erzählt Hildegunst von „Hamoulimepp“, das alljährlich über mehrere Tage gefeiert wird und seltsame Blüten auf der Lindwurmfeste treibt. Nicht immer ist der Verfasser mit dem Treiben einverstanden und immer wieder lassen sich frappierende Parallelen zum menschlichen Weihnachten nicht von der Hand weisen.

Walter Moers neues Werk ist nicht besonders umfangreich. Gerade einmal siebzig Seiten zählt die eigentliche Erzählung. Dazu kommen noch ungefähr dreißig Seiten mit Schautafeln und Erklärungen. Trotz des geringen Umfangs verströmt Weihnachten auf der Lindwurmfeste ein wohliges Gefühl. Das speist sich zum einen aus dem ganz eigenen Witz und der Fantasie des Autors. Es dauert zwar etwas bis das Ganze in Fahrt gerät, aber dann gibt es viele Stellen, die schmunzeln, lachen und wundern lassen. Die Parallelen zwischen Hamoulimepp und Weihnachten sind nett, sorgen aber eher nebensächlich für Freude. Da das aber auch gar nicht den Erwartungen an Moers entspricht, ist es völlig in Ordnung.
Für Zamonien-Fans ist es zum anderen herrlich, in bekannte und geliebte Gefilde zurückzukehren. Beides entschädigt völlig für die kleinen Stellen, an denen es knirscht.

Die Zeichnungen (von Lydia Rode) zu den verschiedenen Typen von Haustüren, Lindwurmschuppen oder Hamoulimepp-Bäumen sind leider wenig variantenreich und zeigen manchmal nur eine unterschiedliche Farbgebung. Außerdem wäre es schön gewesen, wenn mehr Illustrationen innerhalb des Textes für Abwechslung und Opulenz gesorgt hätten.
Textlich bzw. inhaltlich will sich irgendwie kein Sättigungsgefühl einstellen. Stattdessen ist es eher so, als müsse eigentlich noch mehr kommen. Tatsächlich kommt noch etwas ganz am Ende des Buches. Für manchen Fan ist es vermutlich sogar das eigentliche Highlight, obwohl es nichts mit Hamoulimepp zu tun hat.

Weihnachten auf der Lindwurmfeste bietet trotz kleiner Kritikpunkte einen weiteren fantastischen Einblick in die Welt von Zamonien. Es richtet sich vermutlich vor allem an die erwachsenen Fans von Walter Moers, deren Herz definitiv erwärmt werden wird. Andererseits ruft es geradezu danach, vorgelesen zu werden. Aber warum sollen sich Erwachsene nicht auch mal selbst oder gegenseitig eine amüsante und abwechslungsreiche Geschichte vorlesen?!

4/5 Schreibmaschinen

4Writer

Vielen Dank an den Penguin Verlag und das Bloggerportal für ein Rezensionsexemplar!

Walter Moers, Weihnachten auf der Lindwurmfeste, Penguin Verlag 2018.

[Rezension] Blick auf eine untergegangene Welt

Vor Mitternacht

Die dreizehnjährige Gittel lebt mit ihren Eltern in den Niederlanden der Zwanzigerjahre. Immer wenn die Eltern sich streiten, muss die Tochter ihre Koffer packen und mit ihrer Mutter nach Antwerpen ziehen. Gittels Großmutter herrscht dort über eine große Familienschar. Hier gilt es, strenge Regeln zu befolgen und sich mit der nervigen Verwandtschaft herumzuschlagen. Als Bankierstochter Lucie Gittel anbietet, auf dem Flügel der Mardells zu üben, ist das junge Mädchen froh, ihrer engen Welt für ein paar Stunden zu entkommen. Lucie ist fast dreißig und skandalöser Weise noch unverheiratet. Gittel himmelt ihre neue Freundin an und ahnt nicht, dass die ganz eigene Interessen verfolgt. Weiterlesen?

[Rezension] Tragische Liebe(n) über die Zeiten hinweg

MotronUhrmachers

Zufällig findet Archivarin Elodie an ihrem Arbeitsplatz einen vergessenen Karton. Neben einer edlen Aktentasche befinden sich darin das Foto einer jungen Frau und ein Skizzenblock. Eine der Zeichnungen zeigt ein Herrenhaus, das Elodie zwar noch nie gesehen hat, aber aus den Gute-Nacht- Geschichten ihrer kennt. Obwohl sie kurz vor der Hochzeit steht, fühlt sie sich magisch angezogen und beschließt, herauszufinden, was es mit der Fremden und der Erinnerung an ein fremdes Anwesen auf sich hat.

Als Edward das Herrenhaus Birchwood Manor kaufen konnte, war er überglücklich. Ein Kindheitserlebnis verband ihn fest damit. Nun würde er mit seinen Künstlerkollegen, seiner Schwester und seiner Muse dorthin fahren. Als aufstrebender Maler würde er dort sicher seine besten Werke schaffen. Wie konnte er ahnen, wie tragisch dieser Sommer enden sollte? Dass mehr als ein Leben zerstört werden würde? Weiterlesen?

[Rezension] Wie schön wäre ein Nickerchen

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Ein neuer Morgen bricht heran. In Vancouver wirkt alles wie immer. Die Stadt erwacht langsam zum Leben. Aber es ist nicht wie sonst. Während üblicherweise ein paar Menschen unter Schlafstörungen leiden, haben in der letzten Nacht nur wenige schlafen können. Sehr wenige. Die Mehrheit hat kein Auge zugetan. Doch das Phänomen betrifft nicht nur Vancouver oder Kanada. Überall auf der Welt will sich der Schlaf nur noch in Ausnahmefällen einstellen. In der folgenden Nacht hoffen alle, dass sich das ändert, aber das tut es nicht. Und auch nicht in den kommenden Nächten, Wochen oder Monaten. Die Welt gerät aus den Fugen.
Schriftsteller Paul gehört zu denen, die schlafen können. Aber während er jede Nacht in denselben goldenen Traum versinkt, kann seine Freundin Tanya nicht mehr schlafen. Er beobachtet, wie sie sich zunehmend in einen Schatten ihrerselbst verwandelt. Er beobachtet, wie die ganze Welt dem Wahnsinn verfällt. Und was hat es mit dem Traum auf sich, den alle Schlafenden teilen? Weiterlesen?