Archiv der Kategorie: Rezensionen

[Rezension] Justin Go – Der stete Lauf der Stunden: Warum?

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Tristan Campbell hat gerade seine Uni abgeschlossen als er ein merkwürdiges Schreiben aus England erhält. Darin wird ihm mitgeteilt, dass er möglicherweise der Erbe eines großen Vermögens sein könnte. Er wird darum gebeten, unverzüglich nach London zu reisen, um die genauen Bedingungen zu erfahren. Alles muss sehr vertraulich behandelt werden. Da Tristan immer von Europa geträumt hat und sogar europäische Geschichte studiert hat, willigt er ohne zu zögern ein.
1924 nimmt Ashley Walsingham an einer Expedition zum Himalaya teil. Obwohl die ohnehin schwierigen Umstände durch einen erbarmungslosen Sturm zusätzlich erschwert werden, soll der Gipfel des höchsten Bergs der Welt endlich bezwungen werden. Eine Entscheidung, die Ashley das Leben kostet. Sein Vermögen soll nun an seine große Liebe Imogen Soames-Andersson gehen, die jedoch vor Jahren spurlos verschwunden ist.
Achtzig Jahre später erfährt Tristan von seiner möglichen Verwandtschaft mit Imogen. Eine Verbindung, die jedoch erst bewiesen werden muss, um zu Ashleys Erbe zu führen. Tristan muss den Nachweis innerhalb von zwei Monaten auftreiben, denn sonst verfällt sein möglicher Anspruch. Entschlossen begibt er sich auf eine Spurensuche, die ihn nicht nur durch halb Europa führen wird, sondern auch  durch tief in eine tragische Vergangenheit.

Vielleicht greift man zu Der stete Lauf der Stunden, weil man aufgrund der Beschreibung ein Werk im Stil von Kate Morton erhofft. Irgendwie geht es auch in diese Richtung, aber darüber hinaus. Der Klappentext lässt nur rudimentär erahnen, was das Buch bereithält. Inhalt und Leseerlebnis bieten soviel mehr als die wenigen Worte versprechen. Weiterlesen?

[Rezension] Fiona Davis – Wege ihrer Sehnsucht: Schlicht unterhaltsam

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Die Illustratorin Clara Darden möchte sich im New York der Zwanzigerjahre einen Namen machen. Sie arbeitet als Dozentin in einer Kunstakademie, die in der Grand Central Station untergebracht ist. Außerdem versucht sie, ihre Skizzen an Zeitschriften zu verkaufen. Da Männern jedoch stets der Vorzug gegeben wird, ist es für Frauen schwierig, sich eine Karriere aufzubauen. Doch dann eröffnen ihr zwei neue Bekanntschaften ungeahnte Möglichkeiten.
Fünfzig Jahre später muss sich Virginia Clay nach ihrer Scheidung ein eigenes Leben aufbauen. Dazu braucht die konservative Hausfrau vor allen Dingen eine Arbeit. Doch die ist mit einem Abschluss in Kunstgeschichte und wenig Arbeitserfahrung schwer zu finden. Schließlich landet sie als Praktikantin am Auskunftsschalter der Grand Central Station. Der Bahnhof hat schon bessere Zeiten gesehen. Genauso wie die Kunstakademie, deren verlassenen Räume Virginia eines Tages entdeckt. Dass sie dieses Ereignis zu einem viel größeren Geheimnis führen wird, ahnt sie da noch nicht.  Weiterlesen?

[Rezension] Anna Goldenberg – Versteckte Jahre

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Anna Goldenberg konstruiert in Versteckte Jahre die Lebensgeschichte ihrer Großeltern und deren Familien während der Zeit des Nationalsozialismus. Besonderes Augenmerk liegt auf ihrem Großvater Hansi, der von Josef Feldner, einem Arzt versteckt wurde und so überleben konnte. Später adoptierte der seinen Ziehsohn und sie blieben eng verbunden. Weiterlesen

[Rezension] Robert Harris – Der zweite Schlaf: Der Roman hält, was der Titel verspricht

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Der junge Geistliche Fairfax erhält von seinem Bischof die Aufgabe, sich in einem entlegenen Dorf um die Beisetzung des dortigen Pfarrers zu kümmern. Vor Ort kommen ihm Gerüchte zu Ohren und merkwürdige Vorkommnisse machen ihn hellhörig. War es etwa kein unglückseliger Unfall, der Pfarrer Lacy ereilte? Trachtete ihm jemand nach dem Leben? Existiert vielleicht sogar ein Zusammenhang mit den Artefakten einer untergegangenen Zivilisation, die der Pfarrer sammelte und auch am Unglückstag an einem düsteren Ort suchte? Überbleibsel aus Plastik und Elektroteilen, die genauso wie die Bücher in seinem Besitz von der Amtskirche als blasphemisch verurteilt werden? Weiterlesen?

[Rezension] Philipp Ruch – Schluss mit der Geduld

Schluss mit der Geduld von Philipp Ruch

Schluss mit der Geduld – Jeder kann etwas bewirken – Eine Anleitung für kompromisslose Demokraten

Wer hätte es noch vor einigen Jahren für möglich gehalten, dass eine rechtsradikale Partei Wahlergebnisse von über zwanzig Prozent erreichen könnte? In der (rechte) Verschwörungstheorien auf fruchtbaren Boden treffen? Menschenverachtende Äußerungen zu angeblich legitimen Meinungen mutieren? Ein Attentäter versucht, eine Synagoge zu überfallen, um ein Blutbad anzurichten und zwei Menschen ermordet? Die Liste ließe sich endlos fortsetzen und macht viele Menschen wütend. Da wäre doch ein Buch, das eine Anleitung bietet, wie jeder Einzelne gegen Rassismus, Demokratiefeindlichkeit, Fanatismus und für Mitmenschlichkeit und Humanismus eintreten kann, genau das Richtige!

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[Rezension] Juan Moreno – Tausend Zeilen Lüge

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Im Dezember 2018 erscheint im renommierten SPIEGEL-Magazin ein Artikel in eigener Sache. Er macht öffentlich, dass der preisgekrönte Journalist Claas Relotius (über 40 Journalistenpreise hat er bekommen) maßgebliche Teile seiner Arbeiten erfunden statt ernsthaft recherchiert hat. Weiterlesen?

[Rezension] Boris Pasternak: Doktor Schiwago (Hörspiel)

Doktor Schiwago Hörbuch

Leicht fällt es nicht, die Handlung von Doktor Schiwago zusammenzufassen. Die äußere Struktur von Boris Pasternaks Roman folgt der Lebensgeschichte seines Titelhelden. Wer die wohl berühmteste Verfilmung kennt, könnte annehmen, dass die große Liebe zwischen ihm und Lara Feodorovna dabei im Zentrum steht. Doch diese ist lediglich ein Puzzlestück von vielen, die gleichwertig nebeneinander stehen. Erst in ihrer Gesamtheit entfaltet sich die ganze Wirkung, denn es werden zahlreiche Schicksale, philosophische und politische Betrachtungen sowie die wechselvolle Geschichte Russlands (Revolutionen, Kriege) zu einem Kaleidoskop der Zeit verbunden.

1958, dem Jahr, in dem Pasternak den Literaturnobelpreis erhalten sollte, ihn jedoch aus politischen Gründen ablehnte, Weiterlesen?