Archiv der Kategorie: Filme

Besprechung von Filmen und Mini-Serien

[Filmkritik] Everybody’s Talking About Jamie (Amazon Prime) (OV)

Jamie (Max Harwood) träumte schon immer davon, eine Dragqueen zu sein. Kurz vor seinem Schulabschluss ist die Zeit gekommen, die Träume umzusetzen. Fiese Mitschüler und ein Vater (Ralph Ineson), der lieber einen „männlicheren“ Sohn hätte, machen Jamie das Leben nicht leichter. Doch es bestärkt ihn nur noch mehr darin, an seinen Plänen festzuhalten. Zum Glück stehen ihm seine Freundin Pritti (Lauren Patel) und seine Mutter (Sarah Lancashire) unerschütterlich zur Seite.

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[Filmkritik] Erwartungen an Dune (2021) und Realität

Meinen Wissenstand und meine Erwartungen vor und an Villeneuves Dune habe ich in meinem letzten Artikel beschrieben.

Inzwischen habe ich Dune gesehen und … verarbeitet 🙂 :

Im Vorfeld habe ich Stimmen vernommen, die Denis Villeneuves Werk zum „Meisterwerk“ erklärt haben. Soweit würde ich tatsächlich nicht gehen, aber Dune ist schon etwas ganz Besonderes und auf jeden Fall im besten Sinne ein „Kinofilm“. Er ist für die größtmögliche Leinwand gemacht, erteilt dem heimischen Bildschirm eine ganz klare Absage. Man kann an ihm Filmfans und reine Zuschauer unterscheiden. Erste gehen ins Kino, Zweite streamen bestimmt lieber.

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Erwartungen an Dune (2021)

Eben habe ich Tickets für Dune bestellt. Bevor ich den Film morgen im Kino sehen werde, möchte ich kurz meinen Wissensstand und Erwartungen festhalten. Danach wird es natürlich auch einen Beitrag geben, wie ich Dune erlebt habe und für mich bewerte.

Stand der Dinge

Mein Wissensstand zu Dune beschränkte sich vor Filmstart darauf, dass ich wusste, dass es sich um eine Romanreihe von James Herbert handelt, die in den Achtzigerjahren von David Lynch mit Kyle McLachlan, Sting und Patrick Stewart verfilmt wurde. Gelesen oder gesehen habe ich davon jedoch nichts. Höchstens im Fernsehen mal vorbei gezappt.
Nach dem Filmstart habe ich mir einige Kritiken, Erklärvideos und -podcasts angehört, gesehen und gelesen. Ein paar zusätzliche Details hat mir mein Bruder erklärt, der den alten Dune-Film sehr gerne mag.

Erwartungen

Erwartungen hege ich tatsächlich nicht. Naja, so ganz stimmt das natürlich nicht. Nachdem ich soviel davon gehört habe, dass es visuell imposant und der Score bombastisch sein soll, hoffe ich stark darauf, beeindruckt zu werden.
Darüber hinaus stelle ich mir wirklich gar nichts vor. Denis Villeneuve hat mich mit Arrival überhaupt nicht abgeholt, Blade Runner 2049 war hingegen extrem gut. Daraus kann ich also auch keine Erwartungen, sondern nur Hoffnungen ableiten. Zu den Schauspielern und Schauspielerinnen habe ich ebenfalls wenig Bezug. Natürlich habe ich einige Filme gesehen, in denen diese oder jener aufgetaucht ist, aber mit keinem fühle ich mich besonders verbunden. Ich lasse mich also auch hier überraschen, ob sie in ihren Rollen überzeugen.

Dune ist also vorerst für mich ein Überraschungsei und Buch mit sieben Siegeln. Ich glaube, man muss diesen Film im Kino gesehen haben, weiß aber nicht, ob er mein Herz berühren wird, ich in die Geschichte finden werde oder sie überhaupt begreife. Es bleibt also spannend.

[Filmkritik] The Prom (Netflix) (OV) spoilerfrei

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Emma (Jo Ellen Pellman) lebt in der Kleinstadt Edgewater in Indiana, wo der Abschlussball ihrer Schule kurz bevorsteht. Allerdings möchte sie den nicht traditionell mit einer männlichen Begleitung bestreiten, sondern mit ihrer Freundin. Toleranz gehört jedoch nicht zu den Werten von Edgewater, sodass der Elternbeirat mit seiner Vorsitzenden Mrs. Greene (Kerry Washington) als Speerspitze dafür sorgt, dass „The Prom“ abgesagt wird.

In New York City bestreiten die alten Showhasen Dee Dee Allen (Meryl Streep) und Barry Glickman (James Corden) die Premiere ihres neuen Musicals Eleanor! The Eleanor Roosevelt Story (keine historische Figur ohne Musicalverwurstung 😉 ). Über den ersten Auftritt werden sie nicht hinauskommen, da die Kritiken vernichtend sind und die Show eingestellt wird. Da auch Dee Dee und Barry ihr Fett wegbekommen und als Narzissten bezeichnet werden, müssen sie dringend etwas tun, um ihr Image aufzupolieren. Wie wäre es, sich völlig selbstlos (!) für einen guten Zweck einzusetzen? Zum Beispiel dafür zu sorgen, dass eine High-School-Absolventin mit ihrer Freundin zum Abschlussball gehen kann? Unterstützt werden sie dabei von Trent Oliver (Andrew Rannells), einen ehemaligen Sitcom-Schauspieler, der zwar Juilliard besucht hat, aber sein Geld als Barkeeper verdient, und Angie Dickinson (Nicole Kidman), die gerade ihren Job als Chorgirl im Musical Chicago geschmissen hat. Auf nach Edgewater!

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[Filmkritik] Little Women (2019) mit Spoilern!

Little Women erzählt die Geschichte der vier March-Schwestern zwischen 1861 und 1868 in den USA.

Achtung Spoiler-Kritik!

Mein erster Kontakt mit den Schwestern Meg, Jo, Beth und Amy war vor vielen Jahren die Verfilmung mit Katherine Hepburn. Ich würde sagen, es ist immer noch mein Lieblingsfilm, aber ich habe ihn seit Jahren nicht mehr gesehen. Wer weiß, ob es heute noch so wäre.
Auch die Verfilmungen mit Elizabeth Taylor und Winona Ryder kenne ich. Sogar die Miniserie mit Susan Dey und William Shatner (!) musste dran glauben.
Der Geschichte von Louisa May Alcott liegt eine humane Einstellung zugrunde und verbindet viele unterschiedliche Aspekte miteinander, so dass sie immer lohnend für eine Adaption ist. Der neueste Versuch hat mich allerdings sehr enttäuscht. Geahnt hatte ich das zwar, so dass ich nicht ins Kino gegangen bin, aber gehofft, es wäre anders. Unvoreingenommen habe ich mir Little Women nun endlich angesehen. Mein Bauchgefühl trog mich nicht, es fehlt dem Film an zu vielem, um mich zu beeindrucken. Weiterlesen

[Filmkritik] Klaus (Netflix)

Jesper (Jason Schwartzman) ist der verzogene, verwöhnte Sohn des obersten Postbotenausbilders. Eigentlich soll auch er zum Postboten ausgebildet werden, glänzt dabei jedoch durch Abwesenheit statt Eifer. Jetzt aber hat sein Vater die Nase endgültig voll und ergreift drastische Maßnahmen. Der ungeratenen Zögling soll nach Smeerensburg, einem Dorf in der Nähe des Nordpols. Erst wenn Jesper sechstausend Briefe zugestellt hat, darf er nach Hause zurückkehren. In seinem neuen, unwirtlichen „Zuhause“ angekommen, muss der angehende Postbote feststellen, dass sich die Dorfbewohner nicht nur im ständigen Krieg miteinander befinden, sondern auch dass keine Briefe geschrieben werden. Nicht einmal Drohbriefe. Wie also soll Jesper jemals wieder heimkommen?
Zufällig lernt Jesper bald darauf den Holzfäller Klaus (J.K. Simmons) kennen, der abgeschieden in einer Hütte außerhalb von Smeerensburg lebt. Vogelhäuschen, deren Bewohner und selbstgemachtes Spielzeug sind seine einzigen Begleiter. Noch wissen die beiden Männer nicht, dass ihre Bekanntschaft nicht nur ihre eigenen Leben, sondern auch das der Smeerenburgers für immer ändern wird.

Vor ein paar Wochen habe ich Toy Story 4 gesehen. Ich mochte den Film (allen voran Forky) und habe mir am Ende sogar ein paar Tränen aus den Augenwinkeln gewischt. Animationsfilm schaffen das selten, obwohl ich mich generell leicht von Filmen rühren lasse.

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[Filmkritik] Das verborgene Gesicht

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Dirigent Adrían und seine Freundin Belén sind aus Spanien nach Bogota gezogen, da ihm dort die Leitung der Philharmoniker übertragen wurde. Kurz darauf verschwindet Belén spurlos. In einem Abschiedsvideo erklärt sie jedoch, ihn wegen eines anderen verlassen zu haben. Er solle nicht nach ihr suchen. Ihr Freund ist zutiefst verletzt und lässt sich auf eine Affäre mit der Kellnerin Fabiana ein. Diese ist überglücklich, doch immer wenn sie ihren Geliebten besucht, scheint es in dessen Haus zu spuken. Weiterlesen

[Filmkritik] Hamilton (OV)

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Musical, Disney+, 160 Minuten

Hamilton ist ein Phänomen. Seit das Musical am Broadway gestartet ist, hat es eine Welle der Begeisterung ausgelöst, die in der Musicalwelt ihresgleichen sucht. Die Eintrittspreise schossen in die Höhe, President Obama nahm im Zuschauerraum platz und inzwischen läuft es sehr erfolgreich in London, der Disney-Konzern bezahlte für die Streamingrechte 75 Mio. Dollar. Selbst Menschen, die sich nie für Musicals interessiert haben, haben inzwischen zumindest von Hamilton gehört.

Wenn man so lange von der Brillanz eines Films, Buches oder in diesem Fall eines Musicals hört, baut man Erwartungen auf. Man erwartet, etwas Neues, Überwältigendes, Überraschendes. Man erwartet, umgehauen und mitgerissen zu werden. Doch einer Erwartung wohnt immer die Chance zur Enttäuschung inne, weil sie zu groß geraten ist und die Realität sie nicht ausfüllt. Sehen wir mal, ob das bei Hamilton und mir der Fall ist oder nicht. Weiterlesen?

[Filmkritik] And … points go to Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga (OV)

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Lars (Will Ferrell) träumte schon als Junge davon, seine Heimat Island beim Eurovision Song Contest vertreten zu dürfen. Inzwischen absolviert er gemeinsam mit seiner besten Freundin Sigrit (Rachel McAdams) Auftritte im örtlichen Pub seines kleinen Heimatdorfs Husavik, wo man seine selbstgeschriebenen Songs allerdings wenig zu schätzen weiß. Auch seinem Vater (Pierce Brosnan) sind Lars‘ Träumereien peinlich. All das könnte sich natürlich ändern, wenn Lars nicht nur am ESC teilnehmen, sondern auch gewinnen würde!
Obwohl jeder ihnen bescheinigt, wie schlecht sie sind, schaffen es Lars und Sigrit tatsächlich erst beim isländischen Vorentscheid und dann beim Halbfinale in Edinburg anzutreten. Doch nicht nur ihr Vorhaben, es ins Finale zu schaffen, scheint verrückt, sondern auch der Gesangswettbewerb selbst.

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[Filmkritik] Elegie der Langeweile mit einem großen Schuss Peinlichkeit: By the Sea

By the SEa

An einem heißen Sommertag fährt ein Sportwagen an der französischen Küste entlang. Irgendwann hält er in einem kleinen Ort und das Ehepaar Vanessa (Angelina Jolie) und Roland (Brad Pitt) steigen aus. Sie ist eine ehemalige Tänzerin, er ist Schriftsteller, beide sind Amerikaner. Sie quartieren sich im örtlichen Hotel ein, das im Vergleich zum restlichen Fischerörtchen ziemlich mondän wirkt. Roland baut seine Schreibmaschine auf und will an einem neuen Roman schreiben. Stattdessen verbringt er die Abende schließlich lieber trinkend in der nächsten Bar, denn nicht nur die Muse weigert sich hartnäckig, ihn zu küssen. Vanessa bleibt währenddessen lustlos im Hotel zurück oder wandert ziellos im Dorf umher. Eines Tages wird die lieblose Monotonie durch ein junges, frisch vermähltes Pärchen durchbrochen, das ins benachbarte Hotelzimmer einzieht. Lea (Mélanie Laurent) und Francois – bitte Häkchen unterm C mitdenken – (Melvil Poupaud ) haben das, was Vanessa und Roland verloren zu haben scheinen: Liebe und Sex. Doch dann entdeckt die Amerikanerin ein Loch in der Wand und kann der Versuchung nicht widerstehen, ihre Nachbarn zu beobachten.

Wer nach dem letzten Satz glaubt, ab dem beschriebenen Moment würde die Geschichte an Fahrt gewinnen, der Weiterlesen?