Ungewollt privat

Vielleicht ist es Euch schon aufgefallen (was ich bezweifle 😉 ), aber ich habe meinen Blog (vorläufig?) auf „privat“ gestellt. Dank nettebucherkiste habe ich erfahren, dass Abmahnanwälte wegen Google Fonts gegen Blogger vorgehen. Ich habe keine Ahnung, ob ich solche verwende, wie ich es ändere etc. Muss mich also erstmal in die Materie einarbeiten. Die Gelegenheit werde ich dann gleich nutzen, überflüssigen Balast, sprich Beiträge, zu entrümpeln. Mal sehen, ob und wann ich wieder auf „Sendung“ sein werde… Da ich schon mal „Probleme“ mit „noblen“ Münchner-Abmahnanwälten hatte und keinerlei Bedarf, diese Erfahrung zu wiederholen, habe ich mich zu diesem Schritt entschieden.

Ich habe diesen Blog aus Spaß und ohne Gewinnabsichten begonnen und ich finde es eine Frechheit, dass es Geschäftsmodelle gibt, die darauf spezialisisert sind, enthusiastische Hobbyblogger zu schröpfen.

Aber denkt dran: Heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder keine Frage!

Bis dahin könnt Ihr mich bei Letterboxd finden: https://letterboxd.com/BetteBookshop/

[Konzertbericht] This Is The Greatest Show mit einem sehr langen Vorwort

Vor ungefähr 2 ½ Jahren habe ich mir ein Ticket für „This Is The Greatest Show – Die größten Musicalhits aller Zeiten“ gegönnt. Dritte Reihe. Ich gebe zu, dass sie ausschließlich wegen Jan Ammann und Mark Seibert gekauft zu haben, denn einerseits wollte ich sie sehr gerne gemeinsam auf der Bühne erleben, andererseits besteht das Programm aus Film-Songs, die ich am liebsten von den Original-Interpreten höre und deretwegen ich nicht über siebzig Euro ausgeben würde. Bringen wir die Kaufentscheidung auf die prägnante Formel: 95% Ammann und Seibert und 5% Setlist.

Dann kam Corona und die Veranstaltung wurde das erste Mal verschoben. Nachdem ich mich Monate darauf gefreut hatte. Naja, dafür konnte niemand etwas (außer vielleicht die Chinesen 😉 ). Aber auch zwölf Monate später war es nicht möglich, die Veranstaltung durchzuführen. Ach, Menno! Bedeutete also, weitere Monate der Vorfreude. Bekanntlich ist die ja ohnehin am Schönsten. In diesem Fall stimmte das definitiv.

Am letzten Freitag und ich drei Jahre älter (Rätselfrage, wie das möglich ist 😀 ) war der Tag der Show tatsächlich endlich da und ich begab mich mit dem Zug zum Ort des Geschehens. Ein paar Tage vorher hatte ich zwar irgendwo gelesen, dass Jan Ammann bei einer der vorherigen Shows ausgefallen war und richtete mich innerlich auf sein mögliches Fehlen ein, hoffte aber noch das Beste. Immerhin blieb im Fall der Fälle Mark Seibert. Ach, wie naiv ich doch manchmal bin!
Nach diesem Wink mit dem Zaunpfahl ahnt Ihr wahrscheinlich schon, was dann passierte und Ihr habt Recht! Weder Jan Ammann noch Mark Seibert betraten die Bühne!! Was für eine Enttäuschung!!!! (Gedanklich bitte weitere Ausrufezeichen anfügen). Ich erinnerte mich daran, dass Mark Seibert bei einer der vorhergehenden Tourneen dieser Veranstaltungsreihe ebenfalls ausgefallen war. Daraufhin gab es eine Ankündigung, in der den Käufern angeboten wurde, ihr Ticket zurückzugeben, falls sie es wegen ihm erstanden hatten. Das hätte ich mir auch hier gewünscht! Es wäre einfach fair gewesen, denn die Tournee wurde ja explizit mit den beiden Sängern beworben. Es ist dem Veranstalter also absolut klar, dass sie ein wichtiges (oder sogar das wichtigste) Kaufargument darstellen.

Ja, ich verstehe, dass die Einnahmen längst in andere Kanäle geflossen sind. Auch habe ich Verständnis für die gebeutelte Veranstaltungsbranche und ebenso, dass man die Shows endlich durchziehen wollte. Das ist durchaus anerkennenswert. Selbstverständlich muss man in Coronazeiten immer mit Ausfällen rechnen. Aber all diese Erkenntnisse ändern an meiner auch heute noch andauernden Enttäuschung nichts. Eine so lange Wartezeit auf die Veranstaltung, ein recht teures Ticket, eine längere Anfahrt, Warten auf dem kalten Bahnsteig… ich war bereit dazu, aber unter anderen Voraussetzungen. Jetzt hatte ich das alles auf mich genommen, ohne die „versprochene Belohnung“ zu erhalten. Nun könnte man einwenden, dass die Gegenleistung der Show erbracht wurde. Einerseits stimmt das natürlich, andererseits nicht. Denn auch die Show war ein bisschen anders beworben worden und das reale Programm entsprach stellenweise nicht zum versprochenen Inhalt. In meiner eigentlichen Kritik werde ich das noch erläutern.

Die ersten Minuten konnte ich vor Enttäuschung kaum auf Bühne blicken und überlegte sehr ernsthaft, in der Pause zu gehen. Dann riss ich mich zusammen, weil ich nicht respektlos gegenüber den anwesenden Künstlern sein wollte, aber auch um noch das Beste aus dem Abend zu machen. Und wie der sich entwickelte, berichte ich Euch nun Allgemeines Aufatmen 😉 .

Zuerst betrat die sechsköpfige Band die Bühne, deren Zentrum ein kreisförmiger Bogen mit Glühbirnen zierte, durch den die Künstler auftraten. Das Lichtdesign schuf die passende Stimmung zu den Liedern und setzte gekonnt hübsche Effekte. Eines meiner Highlights.
Die Band bestand aus zwei Keyboardern, zwei Gitarristen, einem Bassisten und einem Schlagzeuger. Der Sound war recht gut, aber trotz dritter Reihe hätte ich mir besonders bei der E-Gitarre mehr „Wumms“ gewünscht. Da der Großteil des Publikums aber aus eher gesetzten Paaren mittleren Alters bestand, kann ich nachvollziehen, dass der Sound etwas gedrosselt wurde. Abgesehen vom ABBA– und QUEEN-Medley konnte ich auch ganz gut damit leben (mir war ja eh schon alles egal 😀 ).

Dann betrat das Ensemble die Bühne und gab mit This is the greatest Show seinen musikalischen Einstand. Es folgte Friedrich Rau, der sowohl die Rolle von Mark Seibert als auch die Moderation des Abends übernahm. Für Jan Ammann sprang Jonas Hein ein, der mir seltsam bekannt vorkam. Die spätere Recherche ergab, dass er an The Voice of Germany teilgenommen hat, doch das gucke ich gar nicht.
Wie angekündigt, standen ihnen Michaela Schober und Roberta Valentini als weibliche Hauptdarstellerinnen zur Seite. Unterstützt wurden die vier von (wenn ich mich nicht irre) acht Darstellern und -darstellerinnen. Leider kann ich außer Karolin Konert keine weiteren Namen nennen. Einerseits wurden weder sie noch die Bandmitglieder während der Show namentlich vorgestellt, noch befinden sie sich alle korrekt im Programmheft wider. Das habe ich zwar nicht gekauft, aber später davon erfahren. Die Beteiligten (inklusive Band) wirkten sympathisch, engagiert und haben durchgehend eine gute Leistung präsentiert. Sie alle taten mir schon leid, denn sie wussten bestimmt, dass viele enttäuschte Zuschauer vor ihnen saßen.
Wie gesagt machten Rau und Hein ihre Sache sehr gut gemacht und Erster schien wirklich bemüht, den Funken aufs Publikum überspringen zu lassen. Nichtsdestotrotz hätten Ammann und Seibert mit ihrem Können und ihrer Bühnenpräsenz die Show definitiv auf auf ein anderes Level gehoben. Es tut mir richtig im Herzen weh und ich möchte Raus und Heins Leistung auf gar keinen Fall schmälern, aber Ihr versteht sicher, was ich meine.
Michaela Schober, Roberta Valentini und Karolin Konert hingegen haben in meinen Augen bzw. Ohren alles überstrahlt. Sie haben großartige Stimmen und insbesondere Michaela Schober feiere ich. Sie ist einfach eine Erscheinung und weiß genau, wie sie eine Bühne bespielen muss. Und es gehört schon viel dazu, die Rolle der bärtigen Dame aus The Greatest Showman nicht nur zu übernehmen, sondern auch so kraftvoll und charismatisch zum Strahlen zu bringen. Nun gut, es sei eingeräumt, dass Schober, Valentini und Konert insgesamt die anspruchsvolleren, kraftvolleren Lieder singen durften. Wenn man gesanglich in der Lage ist, solche Kaliber wie Lass Jetzt Los, Never Enough oder This Is Me zu stemmen, beeindrucken die Songs immer. Bei Konerts Never Enough hatte ich sogar Gänsehaut im Gesicht!

Sehr lobend erwähnt werden muss auch der Darsteller, der Johnny Depp ähnelt und eine Körperbeherrschung an den Tag legte, die ich niemals erwartet hätte. Hochachtung! Er war einer meiner weiteren Highlights und es war eine tolle Idee, mit seiner Hilfe die Akrobatik der Filmszene von „Rewrite the Stars“ in anderer Weise auf die Bühne zu zaubern. Er wurde dafür gebührend und verdient gefeiert. Nebenbei erweckte er mit seiner Tanzpartnerin den ikonischen Moment aus Dirty Dancing zum Leben, womit wohl auch keiner gerechnet hat.

Zum Inhalt der Show. Sie gehört zur Veranstaltungsreihe Die größten Musicalhits aller Zeiten, die seit einigen Jahren unter wechselnden Schwerpunkten durchgeführt wird. In diesem Jahr handelte es sich strenggenommen nicht um Musicalhits, sondern um die unvergesslichen Songs aus den schönsten Musikfilmen aller Zeiten. Umgesetzt werden soll die Prämisse mit Titel aus Dirty Dancing, Die Eiskönigin, Fame, Flashdance, Footloose, Grease, The Rocky Horror Picture Show u.a. Die Anzahl der Songs variiert. Aus manchen Filmen gibt es nur einen „Hit“ zu hören, andere sind mit zwei oder mehr vertreten. Dabei wird chronologisch vorgegangen. Es beginnt mit den Siebzigern. Im zweiten Block erreichen wir die 2000, wobei The Greatest Showman den Höhepunkt darstellt.

Insgesamt war das Programm stimmig. Hier und da wurde allerdings meines Erachtens nach ein kleines bisschen „geschummelt“. Beispielweise halte ich weder The Prom noch Wie im Himmel für große Filmhits oder ihre Lieder für „unvergesslich“. Die aus Das Phantom der Oper wurden auch nicht durch den Film derart bekannt (das Phantom trug leider nicht mal eine Maske 🙂 ).
Als ich die Tickets gekauft habe, wurde außerdem noch La La Land versprochen, was ganz unter den Tisch gefallen wurde. Persönlich fand ich es sehr schade, weil ich den Soundtrack liebe und mich darauf gefreut hatte. Stattdessen entschied man sich für ein QUEEN-Medley und verwies auf Bohemian Rhapsody. Als Queen-Fan stehe ich nicht von Freddie gesungenen Queen-Songs extrem kritisch gegenüber (ich verabscheue sie 😀 ), aber in Hinblick auf die Dramaturgie des Abends kann ich die Entscheidung in diesem Fall ebenso wie für Das Phantom oder Mamma Mia nachvollziehen. Man will ja Stimmung erzielen. Doch hier hätte ich mir wieder besagten „Wumms“ gewünscht.

Apropos „ertragen“. Das grenzdebile, mechanische Klatschen des Publikums Minus mir war schlimm. Anscheinend freut sich der Durchschnittsdeutsche so sehr, wenn er einen Takt gefunden hat, dass jedes Lied mit dem ewig gleichen Klatsch-Rhythmus begleitet werden muss. Das mache ich aus Prinzip nicht mit! Sorry, not sorry!! Selbst als dazu aufgerufen wurde, zum ABBA-Medley aufzustehen, bewegten sich die Menschen nicht im Takt, sondern standen wie Zinnsoldaten dar, die mechanisch die Hände zusammenführten. Es muss von der Bühne aus aussehen, wie eine Armee von Klatschern. Gruselig 😀 .

Teilweise wurden die Lieder mit kleinen szenischen Darstellungen unterfüttert, so dass man ahnte, was in der entsprechenden Filmszene bzw. Geschichte passiert. So wurde die Show abwechslungsreich und relativ dynamisch. Die Kostüme orientieren sich ebenfalls an den Filmen, was man direkt wahrnehmen kann und was mir wirklich sehr gefallen hat. Es trägt zusätzlich zur Stimmung bei und schenkt der Show mehr Glamour als wenn die beteiligten Sängerinnen und Sänger lediglich in Abendgarderobe vor den Mikros stehen.

Alles in allem war die Veranstaltung nicht ohne Makel, aber darüber könnte man als geneigter Fan hinwegsehen. Doch leider war ich das an jenem Abend nicht. Ich war enttäuscht und das hat den Abend einfach überschattet. Dagegen war kein Kraut bzw. kein Lied gewachsen. Selbst meine Highlights (Michaela Schober, Mr. Akrobat und das Lichtdesign) konnten mir kein breites Lächeln aufs Gesicht zaubern. Der Abend hinterließ keinen Nachhall bei mir, außer den durchgefroren zuhause anzukommen.
Ich habe daraus den Schluss gezogen, dass ich keine Tickets mehr für Ensemble-Produktionen kaufen werde, denn darin kann anscheinend jeder ohne Ankündigung ersetzt werden.

Hier wohnte

Heute schreiben wir den 27. Januar. An diesem Tag gedenken wir allen Opfern des Holocaust. Ausgewählt wurde er, da am 27. Januar 1945 das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit wurde. Vermutlich war es ein sehr kalter Tag, vielleicht lag Schnee im Lager, die Gefangenen waren ausgemergelt, verhungerte Gestalten, die sich nicht gegen die Kälte schützen konnten. Die Soldaten der Roten Armee ahnten nicht, welcher Anblick, welches Elend, wie viele Tote, wie grausig die Funde sein würden, denen sie begegnen würden. Etwa 1,1 Mio. Menschen sind in Auschwitz-Birkenau ermordet worden. Viele weitere Vernichtungs- und Konzentrationslager exisiterten, gemordet wurde auch in Heilanstalten, in besetzten Städten und Ländern.

Ich kann nicht in Worte fassen, wie sehr es mich erschreckt, empört und schockiert, dass rechte Kräfte heute immer stärker und stärker werden. Dass sie Anti-Corona-Demos für sich nutzen, Demonstranten sich nicht daran stören, Seite an Seite mit ihnen zu demonstrieren, eine Partei, in den Bundestag gewählt worden ist, die nicht nur rechte Mitglieder, sondern auch Denkweisen vertritt.

Sicher kennt jeder von Euch die Stolpersteine, die in Gedenken an die Opfer, in den Asphalt vor ihren letzten Wohnsitzen eingelassen werden. Am 27. Januar werden sie geputzt. Nicht nur, um das angelaufene Messing auszupolieren, sondern vor allem, um die ehemaligen Bewohner zurück ins Gedächtnis des Ortes zu tragen. Zu vermitteln, dass weder sie noch die Verbrechen, die sie erleiden mussten, vergessen werden. Es ist keine „große Tat“, dauerte nicht lange, braucht nicht viele Utensilien, aber es hat hoffentlich eine symbolische und emotionale Kraft, wenn man die Metallplatten nicht nur verlegt, sondern auch pflegt und damit die Erinnerung.

CIMG7759CIMG7757

 

 

[Filmkritik] Klaus (Netflix)

Jesper (Jason Schwartzman) ist der verzogene, verwöhnte Sohn des obersten Postbotenausbilders. Eigentlich soll auch er zum Postboten ausgebildet werden, glänzt dabei jedoch durch Abwesenheit statt Eifer. Jetzt aber hat sein Vater die Nase endgültig voll und ergreift drastische Maßnahmen. Der ungeratenen Zögling soll nach Smeerensburg, einem Dorf in der Nähe des Nordpols. Erst wenn Jesper sechstausend Briefe zugestellt hat, darf er nach Hause zurückkehren. In seinem neuen, unwirtlichen „Zuhause“ angekommen, muss der angehende Postbote feststellen, dass sich die Dorfbewohner nicht nur im ständigen Krieg miteinander befinden, sondern auch dass keine Briefe geschrieben werden. Nicht einmal Drohbriefe. Wie also soll Jesper jemals wieder heimkommen?
Zufällig lernt Jesper bald darauf den Holzfäller Klaus (J.K. Simmons) kennen, der abgeschieden in einer Hütte außerhalb von Smeerensburg lebt. Vogelhäuschen, deren Bewohner und selbstgemachtes Spielzeug sind seine einzigen Begleiter. Noch wissen die beiden Männer nicht, dass ihre Bekanntschaft nicht nur ihre eigenen Leben, sondern auch das der Smeerenburgers für immer ändern wird.

Vor ein paar Wochen habe ich Toy Story 4 gesehen. Ich mochte den Film (allen voran Forky) und habe mir am Ende sogar ein paar Tränen aus den Augenwinkeln gewischt. Animationsfilm schaffen das selten, obwohl ich mich generell leicht von Filmen rühren lasse.

Weiterlesen?

„Jedes einzelne Buch hat eine Seele…“

„Jedes einzelne Buch hat eine Seele. Die Seele dessen, der es geschrieben hat und die Seele derer, die es gelesen und erlebt und von ihm geträumt haben.“

                                                                             Carlos Ruiz Zafón, Der Schatten des Windes

Es war 2009 und ich griff endlich zu meinem ersten Roman von Carlos Ruiz Zafón. Endlich, weil ich Bestseller gerne meide. Ich traue dem Hype meist nicht und reagiere allergisch auf den subtilen Druck, dies oder jenes lesen zu „müssen“. Doch in diesem Jahr war es endlich soweit. Ich lieh mir Das Spiel des Engels aus. Damals hatte ich keine Ahnung, dass es sich eigentlich um den 2. Band der „Friedhof der vergessenen Bücher“-Reihe handelt. Glücklicherweise ist es jedoch nicht zwingend erforderlich, die Reihenfolge einzuhalten. Was soll ich sagen, ich habe den Roman durchgesuchtet. Danach folgte direkt Der Schatten des Windes (der mein Lieblingsbuch wurde), später weitere seiner Romane. Seine Bücher bedeuten mir viel, ich habe sie erlebt. Sprachlich sind sie für mich wie ein Meer, in das ich hineingehe, gezogen werde, untertauche, durch die Wellen schwimme. Wörter, die mich umfluten, mit sich ziehen. Aus denen ich erst nach der letzten Seite wieder auftauche. Zafóns Sprache, seine Bilderwelten, seine Geschichten wirken auf mich überwältigend, überraschend, geheimnisvoll. Es ist eine ganz eigene Welt, die er geschaffen hat und die für immer einzigartig und etwas ganz Besonderes bleiben wird. Er ist und bleibt mein Lieblingsschriftsteller.

Als ich 2012 erfuhr, dass Carlos Ruiz Zafón anlässlich der Deutschland-Veröffentlichung seines Romans Der Gefangene des Himmels tatsächlich zwei Auftritte absolvieren würde, war mir sofort klar, dass ich dorthin müsste. Gesagt, getan. Im Oktober reiste ich also nach Berlin.
Während der gesamten Veranstaltung konnte ich es nicht glauben, im selben Raum wie der Verfasser dieser tollen Geschichten zu sitzen. Es war surreal. Er beantwortete die Fragen des Moderators, dazwischen las ein Schauspieler aus dem neuen Roman vor. Als endlich die Signierstunde begann, wartete ich fast bist zum Schluss, ehe ich mich einreihte. Zu gerne, wollte ich mich so lange es ging, in seiner Gegenwart aufhalten. Als ich schließlich an der Reihe war und er seine Unterschrift in meinem Buch verewigt hatte, bedankte ich mich bei ihm, dass ich seine wundervollen Bücher lesen darf. Er antwortete, dass er sich bei mir bedanke, dass ich sie lesen würde.
Diese Worte haben mich heute morgen, als ich durch das Radio von seinem Tod erfuhr zum Weinen gebracht und sie erreichen es auch jetzt, während ich dies schreibe. Die Tiefe seiner Persönlichkeit blitzte in diesen Worten kurz, aber für mich glasklar auf. Er hat der Welt etwas so Besonderes geschenkt und immer wenn wir seine Bücher aufschlagen, seine Worte lesen werden, wird dieses Besondere neu für uns auferstehen. Die Nachricht war heute ein Schock, ich war über meine heftige Reaktion selbst verwundert. Über seine Krebserkrankung wusste ich nichts, finde auch nicht, dass es seine Leser etwas anging. Natürlich hätte ich mir noch viel mehr Werke von ihm gewünscht, bin sehr traurig, dass seine Stimme verstummt ist, aber ich bin glücklich über die Werke, die er verfasst hat und die uns so viel sagen und geben.

DSC_0099

 

Stolpersteine

Anlässlich des Jahrestags der Pogromnacht vom 9. November 1938 hat es sich eingebürgert, dass Menschen sogenannte Stolpersteine reinigen und polieren und so zum Glänzen bringen.

Stolpersteine hat sicher jeder schon einmal bei einem Gang durch die Stadt gesehen. Sie werden zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus vor deren letzten Wohnhaus (manchmal auch anderen für sie wichtigen Gebäuden) angebracht. Die Besonderheit dieser kleinen Mahnmale ist es, das man sprichwörtlich über sie stolpern kann. Plötzlich fällt der Blick darauf und damit ist die Erinnerung an ein Einzelschicksal unvermittelt und unmittelbar gegeben. Es stolpert also auch sprichwörtlich in den Alltag des Betrachters. Aber damit das geschieht, müssen sie die Blicke aufsichziehen. Das können sie aber nach einer gewissen Zeit nur noch bedingt, weil sie ja jedem Wind und Wetter ausgesetzt sind.

Lange schon habe ich mir vorgenommen, einige der Quadrate zu reinigen. Aber natürlich vergisst man es immer wieder, schiebt es auf und wird erst daran erinnert, wenn man wieder mal über einen dunklen, vernachlässigten Stolperstein trifft. Aber gestern habe ich die Absicht endlich in die Tat umgesetzt. Dafür habe ich mir zwei Steine ausgesucht, an denen ich häufiger mal vorbeilaufe. Vorher dachte ich, es würde komisch sein, wenn man auf dem Fußweg hockt und putzt. Als ich aber dabei war, war es kein bisschen merkwürdig. Stattdessen habe ich eine kurzes Zwiegespräch mit Eduard und Katharina geführt. 🙂

Gerade in unserer heutigen Zeit empfinde ich es als Pflicht, sich um diese Steine zu kümmern. Egal, wie man zu der Aktion steht (die durchaus kritisiert wird), die Opfer sollten wichtiger sein. Erinnerung, Gedenken und Trauer haben kein Verfallsdatum!

Stolpersteine1

Stolpersteine

P1080428

Wer von Euch hat bei der Aktion gestern mitgemacht? Ich habe mir vorgenommen, häufiger Stolpersteine zu reinigen. Allerdings bin ich mit dem Ergebnis noch nicht völlig zufrieden. Es dürfte schon etwas mehr glänzen. Hat jemand von Euch vielleicht einen Putzmitteltipp?

 

Lieblings-Weihnachtslieder

Schon zählen wir den 4. Advent und das heißt, es dauert weniger als eine Woche bis wir den Heiligen Abend feiern dürfen. Das sind noch einige Tage bzw. Stunden, die wir die Weihnachtsstimmung in uns wecken, finden und genießen können. Denn der Stress ist wie immer hauptsächlich selbstverursacht und sollte keinesfalls das Wunderbare dieser Tage überdecken oder gar vertreiben. Natürlich möchte ich hierzu meinen Teil beitragen und deshalb „schenke“ ich Euch heute meine Favoriten der modernen Weihnachtsmusik. Modern? Ja, denn die traditionellen deutschen Lieder kennt ja (hoffentlich) jeder und ich höre außer an Heiligabend mittlerweile ausschließlich „moderne“, also englischsprachige Weihnachtslieder oder wie man sie in diesem Fall vielleicht nennen sollte: „festive songs“. Manche davon sind schon selbst zu „modernen Klassikern“ geworden. Und so richtig „neu“ sind die meisten ohnehin nicht. Ach, Ihr wisst, was ich mit „modern“ meine.

Ich werde also das Rad nicht neu erfinden und mit Sicherheit kennt Ihr einige oder sogar alle Werke. Dennoch möchte ich Euch meine persönlichen Favoriten vorstellen. Am liebsten höre ich sie übrigens, wenn ich Plätzchen backe. Und soviel sei verraten, Whams allgegenwärtiger Tinnitus-Verursacher ist nicht dabei. 😉

Ich hoffe, Euch gefällt meine Zusammenstellung bzw. das ein oder andere Lied. Vielleicht kann ich Euch damit ein bisschen Weihnachtsstimmung schicken.

Was darf auf Eurer Christmas-Playlist keinesfalls fehlen? Ich würde mich sehr über Neuzugänge auf meiner freuen! Vielleicht könnt Ihr mir ja noch Tipps geben?

Und nun wünsche ich Euch viel Spaß und einen schönen 4. Advent! Weiterlesen?

Die ultimative To-watch-Liste: Weihnachtsfilme

Anlässlich des heutigen Nikolaustags bringe ich Euch etwas, das Euch das Warten auf den Weihnachtsmann (Ho, ho, ho) verkürzen bzw. unterhaltsamer gestalten könnte. Die Vorweihnachtszeit birgt natürlich die Gefahr, Stress im Gepäck zu haben. Umso wichtiger ist es, gemütliche und besinnliche Inseln im Meer der Geschäftigkeit zu schaffen. Ich erreiche das einerseits durch das Backen vielerlei Plätzchen mit weihnachtlicher Musikuntermalung und Mitsingen aus voller Kehle. Andererseits gibt es eine Reihe von weihnachtlichen Filmen, die den festlichen Zeitplan ergänzen. Diese möchte ich Euch heute vorstellen. Es sind Empfehlungen für Filme, die meines Erachtens nach eine wunderbare Weihnachtsstimmung verbreiten. Ohne die Weihnachten für mich nur schwer denkbar wäre. Weiterlesen?