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[Filmkritik] JoJo Rabbit (OV)

JoJoRabbit

Kritik enthält SPOILER

Die zehnjährige JoJo (Roman Griffin Davis) ist begeistertes Mitglied der Hitlerjugend. Sein imaginärer Freund ist deshalb auch niemand anderer als Hitler höchstpersönlich (Taika Waititi). Als JoJo entdeckt, dass seine Mutter Rosie (Scarlett Johansson) das jüdisches Mädchen Elsa (Thomasin McKenzie) auf dem Dachboden versteckt, versteht er die Welt nicht mehr. Doch dass Elsa nicht das Monster ist, als das die Nazis die Juden beschreiben, kann er auf Dauer nicht ignorieren. Weiterlesen?

[Filmkritik] Jumanji – The next Level: Ein weiteres Opfer

Jumanji 2

Die Abenteuer aus Jumanji-Willkommen im Dschungel liegen eine Weile zurück. Spencer (Alex Wolff) lebt inzwischen in New York, wo er das College besucht und nebenbei in einer Drogerie jobbt. Zu Weihnachten fährt er nach Hause, wo sein kranker Großvater Eddie (Danny DeVito) vorübergehend eingezogen ist. Auch mit seinen Jumanji-Weggefährten Martha (Morgan Turner), Fridge (Ser’Darius Blain) und Bethany (Madison Iseman) soll es ein Treffen geben, wozu Spencer allerdings überhaupt keine Lust verspürt. Bei allen anderen scheint es gut zu laufen, nur er fühlt sich ungenügend. Sich noch einmal so wie im Jumanji-Spiel zu fühlen. So als könne er alles schaffen, was er sich vornimmt, danach sehnt er sich.
Als seine Freunde beim verabredeten Brunch vergeblich auf Spencer warten, machen sich Martha, Bethany und Fridge auf die Suche nach ihm und zwar logischerweise zuerst bei ihm zuhause. Dort wird Eddie gerade von seinem Kumpel Milo (Danny Glover) besucht, weiß aber auch nicht, wo sich sein Enkel befindet. Schnell stellt sich heraus, dass Spencer erneut ins Jumanji-Spiel geraten ist. Natürlich wissen seine Freunde, dass man dort nicht alleine klar kommt und folgen ihm.

Die erste Jumanji-Neuauflage war ein Überraschungserfolg, der dank seiner Besucherzahlen und Einspielergebnisse zum fünft erfolgreichsten Film des Jahres 2017 und zum 41. aller Zeiten geworden ist. Dies liegt vermutlich an seinen selbstironischen Gags, deren Dichte, den sympathischen Identifikationsfiguren, der Spielfreude aller Beteiligten und einer frisch wirkenden Geschichte. Was liegt also näher, als das Eisen zu schmieden, solange es heiß ist und schnellstmöglich eine Fortsetzung herauszuhauen?! Stimmt, absolut gar nichts.
Also flink ein Drehbuch schreiben, die üblichen Verdächtigen zusammentrommeln und los geht’s. Das 123 Minuten lange Ergebnis lässt sich seit dem 12. Dezember in deutschen Kinos unter die sprichwörtliche Lupe nehmen. Weiterlesen?

[Filmkritik] Yesterday: Beatles-Hits mit angezogener Handbremse

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Folgende Kritik beinhaltet Spoiler, die mit SPOILER angekündigt werden und dann in weißer Schrift auftauchen. Um sie zu lesen, bitte einfach den Text markieren.

Yesterday

All my troubles seemed so far away

Wer kennt nicht den Klassiker der Beatles? Nun, in Danny Boyles neuestem Regiewerk Yesterday können wir uns alle in die Situation versetzen lassen, dass niemand die großen Melodien der Liverpooler Fab Four kennt. Niemand? Nun, nicht ganz. Weiterlesen?

[Filmkritik] Always be my maybe

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Eigentlich steht für Sasha (Ali Wong) die Hochzeit mit ihrem ebenso gutaussehenden wie erfolgreichen Verlobten Brandon (Daniel Dae Kim) bevor. Allerdings verkündet der plötzlich, es wäre doch toll, vorher noch ein bisschen Zeit getrennt zu verbringen und er wolle das in Asien tun. Es ist mehr als offensichtlich, dass er nicht wirklich wild auf die Hochzeit. Die erfolgreiche Köchin ist froh, sich mit der Eröffnung ein neues Restaurant in ihrer Heimatstadt San Francisco ablenken zu können. Dort trifft sie zufällig Marcus (Randall Park) wieder. Die beiden waren schon als Kinder befreundet, haben aber seit fünfzehn Jahren keinen Kontakt mehr. Im Gegensatz zur zielstrebigen Sasha, lebt Marcus immer noch das unverbindliche Leben eines Teenagers. Nichtsdestotrotz stellt sich schnell die alte Vertrautheit zwischen ihnen ein und vielleicht auch mehr. Weiterlesen?

[Serienkritik] Hohe See, hohe Geheimnis- und Verbrechensrate

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Ende der Vierziger Jahre begeben sich die beiden Schwestern Eva (Ivana Baquero) und Carolina Villanueva (Alejandra Onieva) auf einen Luxusliner von Spanien nach Brasilien. Während der Überfahrt möchte Carolina ihren Verlobten und Besitzer des Schiffs Fernando Fábregas (Eloy Azorín) heiraten, bevor sie in Brasilien ein neues Leben beginnen. Auf der Reise werden sie begleitet von ihrem Onkel Pedro (José Sacristán), dem Arzt und Freund der Familie Doctor Rojas (Pepe Ocio), und Fernandos Schwester und Schwager befinden.
Doch noch bevor die Schwestern ihre Reise antreten können, Weiterlesen?

[Filmkritik] Der Buchladen der Florence Green

Buchladen Florence Green

Florence Green (Emily Mortimer) beschließt, in dem kleinen britischen Küstenort Hardborough einen Buchladen zu eröffnen. Sie kauft das Old House und setzt ihre Pläne in die Tat um. Schließlich trifft Ihr Geschäft trotz vieler Widrigkeiten auf regen Zuspruch. In dem Mädchen Christine (Honor Kneafsey) findet Florence eine Hilfe und Freundin. In dem zurückgezogen lebenden Mr. Brundish (Bill Nighy) einen eifrigen Leser und Verbündeten. All das sehr zum Missfallen der einflussreichen Mrs. Gamart (Patricia Clarkson), die in dem alten Gemäuer Old House lieber ein Kultur- und Kunstzentrum schaffen möchte. Leider verfügt Mrs. Gamart über die Mittel und den Einfluss, um ihr Vorhaben mit Nachdruck zu verfolgen und Florence das Leben schwerzumachen. Weiterlesen?

[Filmkritik] Hampstead Park – Aussicht auf Liebe

Hampstead Park

Amerikanerin Emily (Diane Keaton) lebt in einer schönen Wohnung im vornehmen Londoner Stadtteil Hampstead Heath. Seit dem Tod ihres Mannes befindet sie sich in einem finanziellen Dilemma, weiß aber nicht, wie sie dem Abhilfe schaffen könnte. Eines Tages wird sie auf den Einsiedler Donald (Brandon Gleeson) aufmerksam, der in einer Hütte im nahen Park lebt. Neugierig geworden, stattet sie ihm einen Besuch ab und macht damit den ersten Schritt in ein neues Leben. Weiterlesen?

[Filmkritik] Crimson Peak

CrimsonPeak

Dauer:118 Min.

Darsteller: Mia Wasikowska, Tom Hiddleston, Jessica Chastain, Charlie Hunnam,  Jim Beaver etc.

Jahr: 2015

Genre: „Horror“, Mystery, „Gothic Romance“

Die aufstrebende Autorin Edith lebt mit ihrem vermögenden Vater in den USA. Eines Tages tauchen die englischen Geschwister Sharpe auf der Suche nach Geldgebern in der Stadt auf. Geschäftliche Angelegenheiten scheinen für Thomas Sharpe jedoch bald hinter seinem Interesse für Edith zurückzutreten. Obwohl ihr Vater einer Verbindung skeptisch gegenübersteht, ändert sein Tod alles und Thomas ist Edith eine große Stütze. Sie heiraten und kehren mit Lucille auf den Stammsitz der Familie Sharpe zurück. Es handelt sich um das riesige, marode und ungastliche Anwesen Amerdale Hall. Langsam aber sicher wird Edith entdecken, dass das Haus noch weitaus Schrecklicheres bereithält als zugige Zimmerfluchten. Weiterlesen?

[Filmkritik] The F-Word: Von wegen nur gute Freunde!

F-Word

Genre: Romantikkomödie
Darsteller: Daniel Radcliffe, Zoe Kazan, Megan Park, Adam Driver, Rafe Spall u.a.
Produktionsland: Irland, Kanada
Jahr: 2013
Dauer: 98 Min.

Wallace und Chantry treffen sich das erste Mal auf der Party eines Freundes. Sie kommen ins Gespräch, haben denselben Humor und finden sich sofort sympathisch. Auf dem Nachhauseweg erwähnt Chantry zufällig oder auch nicht, dass sie einen Freund hat. Doch sie bietet Wallace ihre Freundschaft an. Der zweifelt, ob das exakt seinen Wünschen entspricht, aber da es immer noch besser ist als nichts, nimmt er an. Doch mit der Zeit muss er feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, „nur“ befreundet zu sein. Und selbst Chantry ist sich nicht mehr ganz so sicher, ob sie ihrem Leben nicht eine neue Richtung geben sollte.

„The F-Word“ ist ein kleiner aber feiner, realistischer und charmanter Liebesfilm. Der Plot ist in seinen Grundzügen bekannt und altbewährt. Das heißt nicht, dass er schlecht wäre, sondern lediglich, dass er keine großartigen Überraschungsmomente bereithält. Es sind die üblichen Fallstricke des Lebens, die auch hier die Wege der Hauptfiguren beeinflussen. Dennoch kann er durch ein Augenzwinkern und ein paar liebevolle Ideen punkten. Hierzu zählen beispielsweise kurze Trickfilmanimationen, die Chantrys Gefühle widerspiegeln.

Es sind in erster Linie aber die Figuren, die zu überzeugen wissen.
Allen voran Chantry und Wallace, die von Zoe Kazan und Daniel Radcliffe sehr authentisch und liebenswert zum Leben erweckt werden. Auch die wenigen Nebenfiguren sind sympathisch. Sei es Chantrys Freund Ben, ihre Schwester oder Wallaces leicht durchgeknallter Freund Allan (dessen Gesprächsthemen wenig  ansprechend sind. Aber vielleicht ist der heute angesagte „Humor“ so?) und dessen Freundin.

Daniel Radcliffe hat seine Harry Potter Brille abgenommen und es entsteht kein einziges Mal der Eindruck, dem Zauberlehrling zuzuschauen wie er auf Freiersfüßen wandelt. Obwohl Wallace einen eher zynischen Blick auf die Liebe zur Schau stellt, scheint immer wieder durch, dass er im Grunde sehr romantisch eingestellt ist. Es obliegt wie immer dem persönlichen Geschmack des Zuschauers, ob er Radcliffe den romantischen Liebhaber abnimmt. Seinen schauspielerischen Qualitäten kann mangelnde Überzeugungskraft allerdings nicht unterstellt werden.
Ebenso verhält es sich mit Zoe Kazan. Sie macht Chantrys Zögern und ihre Angst vor der eigenen Courage nachvollziehbar. Beides spielt sowohl in ihrem Beziehungsdreieck mit Wallace und Ben eine Rolle als auch in ihrem Job.
Kazan und Radcliffe bilden ein glaubwürdiges Pärchen. Die Chemie zwischen ihnen stimmt, ist aber eher still und zurückhaltend statt überschwänglich. Doch das entspricht vollkommen der Grundstimmung des Films. Die Gefühle werden weder stark nach außen getragen noch brodeln sie dramatisch unter der Oberfläche. Sie sind einfach da und die Beteiligten versuchen, sich einen Reim darauf zu machen, damit umzugehen und ihren Weg zu finden. So ist eben das Leben. Das ist nicht durchgehend spannend aber verständlich.
Und so gestaltet sich Chantrys und Wallace Beziehung in gemächlichen und glaubwürdigen Bahnen. Es wird deutlich, dass Chantry sich selbst zurückhält und eigentlich gerne stärker auf Wallace zugehen würde. Währenddessen ist er zwischen Freundschaft und Liebe hin- und hergerissen.

Der Film macht ebenfalls klar, dass das Verhalten zwischen Männern und Frauen sehr stark davon abhängt, welche Intentionen sie haben. Da Chantry und Wallace keine romantischen Ambitionen haben (bzw. Wallace diese ignoriert), können sie frei miteinander sprechen. Sie müssen nicht vorgeben, irgendetwas gut oder interessant zu finden, nur weil es ihre Chancen beim Gegenüber erhöht. Sie unterhalten sich unverblümt über ihre Lebenseinstellungen, sind offener und unverstellter als sie es mit Sicherheit sonst wären.

Ein paar Aspekte können nicht überzeugen. Einerseits ist Chantrys Verhalten gegen Ende ein wenig merkwürdig. Muss sie wirklich so ein Fass aufmachen obwohl Wallaces Verhalten einfach nur widerspiegelt wie viel sie ihm bedeutet? Hier entsteht leider der Eindruck, dass das Drehbuch an dieser Stelle nun einmal so etwas wie eine „Entscheidung“ herbeiführen muss. Aus den Figuren und ihrem Charakter erklärt es sich nur bedingt. Außerdem driftet der Plot zum Finale etwas zu sehr in konventionelle Fahrwasser ab und sucht Zuflucht im klassischen Happy End. Eine kreativere Variante hätte dem Independent-Charakter des Films weitaus mehr entsprochen. Und wie schon erwähnt sind die Gespräche mit Allan nicht immer geschmackssicher und manche eher ekelerregend. Inwieweit das als lustig wahrgenommen wird, hängt wahrscheinlich vom Alter oder Reifegrad des Zuschauers ab. Schlussendlich lässt sich über diese kritischen Aspekte aber mit etwas gutem Willen sowie dem Blick auf die eigentliche Liebesgeschichte und die zwei sympathischen Hauptfiguren etwas hinwegsehen.

„The F-Word“ ist deutlich anzumerken, dass alle Beteiligten mit Liebe, Sorgfalt und dem Blick für das Besondere im Alltäglichen dabei waren. Und so ist ein nahezu realistisch anmutender Film entstanden, der zwar nicht der große Coup ist aber zu unterhalten weiß.

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