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[Rezension] Die Tänzerin von Auschwitz

Tänzerin

Paul Glaser besucht mit seiner Frau und einigen Kollegen Krakau. Am dritten Tag wollen sie gemeinsam das ehemalige KZ Auschwitz besichtigen. Doch plötzlich spürt er eine Beklemmung, möchte eigentlich nicht mehr mitgehen. Seine Frau und die Freunde überreden ihn und schließlich steht er vor einem Schaukasten mit unendlich vielen Koffern. Da fällt sein Blick auf einen weit vorne liegenden, der den Namen „Glaser“ trägt.

Paul Glaser ist in einer katholischen Familie aufgewachsen, die wenig Kontakt zu den Verwandten väterlicherseits hat. Nach seinem Erlebnis in Auschwitz begibt er sich auf die Spuren seiner Vorfahren und findet schließlich jüdischen Wurzeln sowie die tragische Lebensgeschichte seiner Tante Roosje. Weiterlesen?

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Überlegungen zum siebzigsten Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz

Am 27. Januar 2015, also in dieser Woche, hat sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zum siebzigsten Mal gejährt. Darüber hinaus gibt es zur Zeit viele nationale und internationale Geschehnisse und Strömungen, die beängstigend sind. Deshalb möchte ich heute etwas dazu schreiben und ein paar Gedanken mit Euch teilen.

Ich bin freiheitlich und tolerant erzogen worden. Für mich zählt immer der Mensch. Das ist völlig unabhängig von Nebensächlichkeiten wie Religion, sozialer oder geografischer Herkunft, Hautfarbe oder Geschlecht. Ob jemanden sympathisch oder interessant ist, hängt von ganz anderen Sachen ab. Ob die Person freundlich und kreativ ist. Ob sie Stil hat und wie sie sich benimmt. Ob sie humorvoll und hilfsbereit ist. Ob die Person sensibel ist und mitfühlend empfinden kann. Es hängt von ihren ganz eigenen Charakterzügen ab, die sie eben zu dem Menschen machen, der mir begegnet. Ich verstehe wirklich nicht, wie jemand andere, oberflächlichere Maßstäbe ansetzen kann. Maßstäbe, die pauschalisieren und abwertend sind. Es gibt wundervolle Menschen und es gibt Arschlöcher und ihre prozentuale Verteilung ist überall gleich und unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Religion, ihrer Schuh- oder Hutgröße.

Mit neun Jahren habe ich „Das Tagebuch der Anne Frank“ gelesen. Im selben Jahr habe ich den Mehrteiler „Ein Stück Himmel“ gesehen. Ich habe sehr mit der Protagonistin Janina Dawidowicz mitgefühlt und mich wahrscheinlich auch mit ihr identifiziert, da sie ungefähr in meinem Alter war. Heute kann ich mich an meine Reaktion nicht mehr wirklich erinnern, aber ich war sehr erschüttert und gleichzeitig hat sich dieses Thema so sehr in mir festgesetzt und mich beschäftigt, dass ich von nun an viele Bücher dazu las und entsprechende Filme sah. Es waren Bücher wie „Damals war es Friedrich“, „Der gelbe Vogel“, „Ich trug den gelben Stern“, „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ und Filme und Mehrteiler wie „Schrei nach Leben“. So ging es über all die Jahre weiter. Aus den Jugendbüchern wurden Romane und Sachbücher für Erwachsene. Immer blieb das Unverständnis, dass so etwas überhaupt geschehen konnte. Und immer versetzte ich mich in die Opfer hinein. Natürlich geht das nur in eingeschränktem Maße, denn letztlich bleibt alles, was mit dieser Zeit zusammenhängt unvorstellbar schrecklich. Ich setzte mich auch mit anderen Opfergruppen auseinander sowie dem nationalsozialistischen System und dem Leben im NS-Staat. Ich glaube nicht daran, dass die Beschäftigung mit dem Holocaust und seiner Entstehung und Folgen jemals ein Ende haben sollte. Die Opfer, die ihre Familien und ihre psychische und physische Gesundheit verloren haben, konnten auch nie den berühmten Schlussstrich ziehen. Außerdem macht die Gegenwart mehr als deutlich, dass die Menschen immer noch nicht genug gelernt haben und eher schon wieder vergessen oder es ihnen sogar egal ist. Schließlich schrieb ich mich für das Fach Geschichte mit dem Schwerpunkt Neue und Neueste Geschichte ein und begann die Zeit von 1933-1945 auch wissenschaftlich zu erforschen.

Vor diesem Hintergrund bin ich überzeugt davon, dass man als Mensch die Fähigkeit besitzen sollte, sich in andere hineinzuversetzen und Empathie zu empfinden. Und wenn man dies kann, dann denkt man nicht in Gruppen, sondern schätzt jeden Mensch als Individuum ein. Folglich können rechte Parolen und Denkmuster nicht mehr greifen. Darüber hinaus sollte sich jeder klar darüber sein, dass er in einer anderen Umgebung oder einem anderen Land plötzlich der „Fremde“ ist, dass er dort vielleicht aufgrund seiner Sprache, seines Aussehens oder seiner Religion zu einer Minderheit gehört. Möchte er dann diskriminiert werden? Möchte er, dass man ihm keine Arbeit gibt, weil er einen deutsch klingenden Namen führt? Oder er auf der Straße angepöbelt oder sogar verprügelt wird, weil er aus einem anderen Land zu stammen scheint? Im Übrigen sollte doch gerade Religion eine Privatangelegenheit sein. Was geht es jemand anderen an, woran ich glaube oder ob ich überhaupt glaube? Und warum sollte es mich interessieren, ob jemand an Gott oder Naturgeister glaubt?

Umso erschreckender ist es, dass solche dummen und oberflächlichen Parolen immer noch einen Boden finden, den sie befruchten können. Es immer noch Menschen gibt, die einen Sündenbock suchen, um ihre eigenen Probleme und negativen Erlebnisse auf ihn zu schieben. Aber er ist ja auch so viel einfacher, einem Phantom die Schuld zu geben. Mit ein bisschen Logik könnte man die Parolen aushebeln, aber eine logische Auseinandersetzung ist nicht erwünscht, denn man möchte sein Feindbild hegen und pflegen.

Diese Welt ist eine globale. Es funktioniert nicht, wenn man andere Nationalitäten ausschließen möchte. Es funktioniert nicht, nur unter Deutschen leben zu wollen. Und ist es nicht eine schreckliche Vorstellung, die Vielfalt nicht mehr zu erleben? Kein italienisches, spanisches oder türkisches Essen mehr genießen zu können? Ich liebe es, in z.B. in London zu sein und die unterschiedlichen Sprachen zu hören, die sich dort überall vermischen.

Menschen teilen mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede sie trennen. Sie haben die gleichen Organe, dieselbe Anzahl an Beinen und Armen, dieselbe Anzahl von Zehen und Fingern. Sie hegen Hoffnungen und Träume. Sie haben Herz und in den meisten Fällen Verstand und sollten beide benutzen. Alles andere ist nur äußerlich und kann überwunden werden.