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[Rezension] Beurteile nichts nach der Oberfläche

TheObservations

Zuerst eine Warnung: Bitte lest den Klappentext der deutschen Ausgabe keinesfalls, bevor ihr den Roman gelesen habt. Sie gibt viel zu viel preis und beeinflusst das Lesevergnügen mit Sicherheit fundamental.

Schottland im Jahr 1863:

Die fünfzehnjährige Irin Bessy findet im Herrenhaus Haivers Castle eine Anstellung als Dienstmagd. Obwohl sich das Haus nicht im besten Zustand befindet und viel Arbeit bedeutet, ist das junge Mädchen froh unterzukommen und zudem fasziniert von Hausherrin Arabella. Als die merkwürdige Dinge von ihrer Untergebenen erwartet, z.B. mitten in der Nacht aufzustehen, sich immer wieder von einem Stuhl zu erheben oder ein Tagebuch über ihre Tätigkeiten, ihre Gefühle und Gedanken zu führen, erfüllt die ihrer Arbeitgeberin gerne die Wünsche. Das heißt aber nicht, dass Bessy sich nichts dabei denken würde. Was steckt hinter Arabellas Wünschen? Was ist mit Bessys Vorgängerin geschehen? Aber nicht nur die Herrin von Haivers Castle hat Geheimnisse, auch ihre Dienstmagd ist nicht, was sie vorgibt zu sein. Weiterlesen?

[Rezension] The Wander Society

WanderSociety

Keri Smith stolpert in einem antiquarischen Buch auf mysteriöse Hinweise. Ihre Neugierde ist geweckt und sie versucht, herauszufinden, was dahintersteckt. Am Ende trifft sie auf The Wander Society, eine Geheimgesellschaft. Deren Mitglieder machen es sich zum Ziel, Streifzüge in ihre Umgebung zu unternehmen und so Freiräume bar jeder Fremdbestimmung und des Konsums zu erobern. Und sie haben prominente Urväter wie etwa Ralph Waldo Emerson. Smith ist begeistert, unternimmt selbst Ausflüge und versucht nun mit ihrem Buch, anderen den Weg zur Wander Society zu weisen. Und so wird dessen philosophische und kulturgeschichtliche Fundament erörtert, Literaturtipps gegeben als auch praktische Instruktionen zur Verfügung gestellt, um selbst ins Abenteuer zu starten. Weiterlesen?

[Rezension] Adel verpflichtet

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Schauspiellegende Sir Alec Guinness willigt ein, achtzehn Monate lang Tagebuch zu führen und es dann veröffentlichen zu lassen. Von Neujahr 1995 bis Juni 1996 hält er seine täglichen Aufgaben, Erlebnisse, die Meinung zur Weltlage und andere Kuriositäten des Lebens fest. Mit feinem Gespür und einer üppigen Prise Humor beschreibt er seine Umwelt, Situationen und Mitmenschen. Manch treffende Beschreibung führt den Leser vom Schmunzeln bis zu kleinen Aha-Erlebnissen. Und es ist interessant, wenn er seine zwischenmenschlichen Verbindungen zu Branchengrößen wie Peter Sellers, David Lean, Peter Ustinov, Vincent Price beschreibt und sie so ein wenig vom Sockel hebt. Besonders witzig mutet seine stete Abneigung gegen das Autogrammschreiben oder das Halten von Reden an. Im ersten Fall machen ihm besonders die Star-Wars-Fans zu schaffen, die Berge von Autogrammbitten auf seinem Schreibtisch erschaffen.

„Adel verpflichtet“ ist ein Kleinod für Zwischendurch. Auf leider nur wenigen Seiten entfaltet sich Guinness‘ Persönlichkeit. Sein Schreibstil ist amüsant, interessant, macht nachdenklich, eröffnet Perspektiven und ist manchmal einfach kontemplativ. In jedem Fall ist das Tagebuch nicht nur für Filmfans empfehlenswert. Darüber hinaus macht es außerdem sehr neugierig auf A. Guinness‘ Memoiren „Das Glück hinter der Maske“ (eine sehr schlechte Übersetzung des Originaltitels „Blessings in Disguise“).

4 von 5 Schreibmaschinen

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Alec Guinness, Adel verpflichtet, Henschel Verlag 1998.