Schlagwort-Archive: Frankreich

[Filmkritik] Madame

Madame-movie-poster

Das wohlhabende amerikanische Paar Anne (Toni Colett) und Bob (Harvey Keitel) haben eine Dinnerparty mit einflussreichen Freunden geplant. Als Bobs Sohn Steven (Tom Hughes) aus erster Ehe unerwartet aufkreuzt und zum dreizehnten Gast wird, meint Anne das bringe Unglück. Da keine Zeit bleibt, noch jemanden einzuladen, muss die Hausangestellte Maria (Rossy de Palma) an der Tafel platznehmen. Obwohl sie nicht möchte, gehorcht sie. Ihr Sitznachbar, der britische Kunstexperte David Morgan (Michael Smiley) wirft ein Auge auf sie und erkundigt sich bei Steven, wer sie sei. Steven erzählt ihm, Maria sei eine spanische Prinzessin. Fortan wirbt David um Maria, die sich nach kurzem Zögern auf die Avancen einlässt. Als Anne von der Liason Wind bekommt, ist sie alles andere als erfreut. So schnell wie möglich will sie dem romantischen Treiben ein Ende setzen. Doch Bob hat Gründe, seine Ehefrau davon abhalten zu wollen. Und so nimmt das Unheil seinen Lauf.

Der Trailer suggeriert eine freche Komödie mit einem Hauch französischem Flair und ein paar Spritzern Gesellschaftskritik.

Tatsächlich ist Madame weitaus weniger frech und pointiert als erhofft und vermutlich beabsichtigt. Stattdessen kann sich der Film nicht entscheiden, welchem Weg er folgen möchte. Soll der gegenseitige Standesdünkel der Menschen aufs Korn genommen werden? Sollen die diversen Liebeswirren im Fokus stehen? Die Oberflächlichkeit und Arroganz der Bourgoisie? Die allgemeine Diskrepanz zwischen realen Lebensumständen und Sehnsüchten? Oder ganz simpel die unterschiedlichen Formen und Entwicklungen von Beziehungen?

Die Handlungsstränge sind vielfältig und abwechslungsreich. Allerdings zerfasert sich die Handlung in zu viele Bestandteile, von denen sich nie bestimmen lässt, ob sie haupt- oder nebensächlich sind. Ständig fragt man sich, welcher tiefere Sinn oder welche Funktion mit dieser oder jener Szene eigentlich verbunden sein sollen. Viel zu oft bleibt das ungute Gefühl, dass die Antwort vermutlich „keine/r“ lautet. Für sich betrachtet, besitzen sie durchaus Situationskomik und Doppelbödigkeit. Allerdings bleiben die komischen Szenen zum einen erstaunlich brav. Die Dialoge hätten weitaus bissiger ausfallen können. Sie hätten Humor und Gesellschaftskritik verbinden können und dem Geschehen vielmehr Tiefe verleihen können. Zum anderen ergeben die Handlungselemente kein stimmiges Gesamtbild. Zu viele Fragen führen ins augenscheinliche Nichts. Irgendwann gibt man auf, den tieferen Sinn nachvollziehen zu . So bleibt ein Gefühl der Ratlosigkeit und Unzufriedenheit zurück. Das trübt den Gesamteindruck doch sehr, so dass die teilweise vergnügt zugebrachten Minuten dahinter zurücktreten.

In Bezug auf die Besetzung kann nur von hochkarätig gesprochen werden. Jeder Einzelne tut sein Möglichstes, um das Beste aus dem ihr zur Verfügungstehenden herauszuholen. Die einzelnen Rollen sind durchaus interessant und mehrschichtig angelegt. So ist Sohn Steven ist bei seinen Geschwistern und Maria sehr beliebt und ein vielversprechender Autor, säuft jedoch und überschreitet dann die Grenzen des guten Benehmens. Hausherrin Anne ist überaus kapriziös und zickig, verbirgt dahinter aber Unsicherheiten und Sehnsüchte. Wie es der Titel verspricht, bestreitet Anne die meisten Szenen. Ihr Charakter wird am stärksten ausgelotet und Toni Colette spielt alle Facetten mit sichtlicher Spielfreude und Hang zur Übertreibung, ohne Anne unglaubwürdig oder lächerlich zu machen. Allerdings suggerieren Filmplakat und Trailer, dass eher Maria im Fokus der Geschichte stehe. Die Erwartung wird aber enttäuscht.

In allen anderen Fällen werden die Schichten der jeweiligen Figur nur angedeutet. Man weiß zwar woher sie kommen, erhält aber keine Vorstellung davon, wohin sie wollen und was ihre tiefliegenden Wünsche sind. Andeutungen sind alles, worin sich der Film verliert. Das ist besonders schade in Bezug auf Rossy de Palma. Sie ist eine so ausdrucksstarke Schauspielerin und man hätte ihr so sehr gewünscht, Szenen spielen zu dürfen, in denen sich Marias anfängliche Unsicherheit auflöst und sie „dem Affen Zucker“ gibt. Man wartet förmlich auf den Moment, in dem sie mit der Faust auf den Tisch haut und es allen zeigt. Statt sie zu Annes Gegenspielerin aufzubauen, wird sie gezwungen an der Oberfläche zu agieren. Sehnsüchte und Hoffnungen nur anzudeuten. Das hat weder de Rossy noch ihre Figur verdient. Denn obwohl suggeriert wird, diese gehe gestärkt aus dem Scharmützel hervor, bleibt das schale Gefühl, es bliebe für Maria letztlich doch alles beim Alten. Das ist besonders enttäuschend, wenn man gehofft hatte, die Emanzipation eines Dienstmädchen, die es den schnöseligen Bonzen zeigt, zu sehen zu bekommen.

Hinzuzufügen bleibt noch, dass mal wieder das Klischee des älteren Mannes, der mit einer weitaus jüngeren Damen anbandeln kann, bedient wird. Weder macht die Handlung diese Entwicklung erforderlich, noch führt sie irgendwie nachvollziehbar daraufhin. Vielleicht soll gezeigt werden, dass sich Sehnsüchte für kurze Augenblicke erfüllen können. Doch wie bei allen anderen Szenen bleibt dem Zuschauer nur, über den Sinn Vermutungen anzustellen.

Die musikalische Untermalung unterstützt Handlung und Atmosphäre, indem stets der passenden Klangteppich ausgebreitet wird.
Die Handlungsorte wirken authentisch und bieten auch dem Auge etwas. Paris verströmt das typische und beliebte Flair, das heißt Leichtigkeit, etwas Melancholie und ein Gefühl als sei hier vorallem in amoröser Hinsicht alles möglich.

Insgesamt bietet Madame ein launig aufspielendes Ensemble und sowohl witzige als auch atmosphärische Situationen. Auch der ein oder andere Gedankenanstoss lässt sich ausmachen. Einige kurzweilige Minuten sind garantiert. Bedauerlicherweise bleibt das Gesamtergebnis weit hinter seinen vielen Möglichkeiten zurück. Es fehlt entweder an Frische, Frechheit und Luftigkeit oder Tiefgang. Eventuell wollten die Verantwortlichen für jeden Geschmack etwas anbieten, statt sich für einen Weg zu entscheiden. Doch das bleibt wie so vieles eine Vermutung.

6/10 Tickets

6Tickets

Alle Rechte liegen bei den entsprechenden Rechteinhabern.

Advertisements

[Filmkritik] Birdsong – Gesang vom grossen Feuer

Birdsong

Offizier Stephen Wraysford kämpft im Ersten Weltkrieg an der französischen Front. In Rückblenden erinnert er sich an die Französin Isabelle Azaire. Was als Affäre begann, stellte sich als große Liebe heraus.
Als er in der Stadt stationiert wird, in der sie gelebt hat, laufen sie sich wieder über den Weg. Doch vieles hat sich geändert. Weiterlesen?

[Rezension] John Boyne: Das Haus zur besonderen Verwendung

csm_produkt-7312_0f57a45263

In Das Haus zur besonderen Verwendung erzählt Georgi Jatschmenew seine wechselhafte Lebensgeschichte. Ihren Ausgang nimmt sie in einem kleinen russischen Dorf, führt über den Hof des letzten Zaren bis ins Exil nach London. Umspannt die Zeit von 1915 bis in die frühen Achtziger Jahre. Berichtet von den Brüchen in seiner Biografie, z.B. einem verhinderten Attentatsversuch auf den Vetter des Zaren, der Erschießung der Zarenfamilie, der Krebserkrankung seiner Ehefrau. Schlaglichter aus einem bewegten Leben, das dem Leitstern einer großen Liebe folgt. Weiterlesen?

[Rezension] Karine Lambert: Und jetzt lass uns tanzen

Lambert_KUnd_jetzt_lass_uns_tanzen_178794

„Ich bin Rentner, aber mein Herz hat keine Falten!“

Zitat aus „Und jetzt lass uns tanzen“.

Maguerite und Marcel haben erst vor wenigen Monaten ihre Ehepartner verloren, als sie sich bei einer Kur in den Bergen kennenlernen. Doch wie zwei Magnete fühlen sie sich voneinander angezogen. Sie ist eine verschüchterte Frau, die sich immer nach ihrem Ehemann gerichtet hat und ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse erst wiederentdecken muss. Marcel stammt aus Algerien, liebt die Musik seines Geburtslands und arbeitete im Zoo. Seiner Ehefrau hatte er geschworen, sie wäre seine erste und seine letzte Liebe. Maguerite und Marcel hadern mit sich, ob sie sich aufeinander einlassen sollen und können. Sie sind in ihren Siebzigern, waren nie mit jemand anderem zusammen als mit ihren Ehepartnern. Und da ist auch noch Maguerites Sohn, der in seiner Mutter nur eine alte Frau sieht, die ohne seine Fürsorge hilflos ist und Dummheiten macht. In Marcels Auftauchen sieht er sich bestätigt. Weiterlesen?

[Filmkritik] My old Lady – Eine Erbschaft in Paris

Diviners

Dauer: 104 Min.

Darsteller: Maggie Smith, Kevin Kline, Kristin Scott Thomas

Jahr: 2013

Genre: Drama, Komödie, Romanze

Mathias Gold aus New York erbt von seinem Vater wenige persönliche Dinge und eine Wohnung in Paris. Da die Hauptstadt nicht gerade für ihre günstigen Immobilien bekannt ist, erhofft er sich wenigstens vom Verkauf des Appartements ein hübsches Sümmchen, das seine Geldsorgen beendet. Also nimmt er sein letztes Geld und bucht einen Flug nach Europa.

In Paris muss Mathias feststellen, dass die Wohnung von der 92-jährigen Mathilde und ihrer Tochter Chloé bewohnt wird. Doch leider kann er ihnen nicht kündigen, denn sein Vater hat mit ihr eine sogenannte Immobilienleibrente vereinbart, die es in der Form nur in Frankreich gibt. Statt im Zuge des Verkaufs einmalig eine große Summe zu entrichten, erhält der Vorbesitzer eine monatliche Rente und lebenslanges Wohnrecht. Der Erbe erhält also kein Geld, sondern muss vielmehr der alten Dame 2400€ pro Monat zahlen. Da er sich aber nicht mal ein Hotel leisten kann, erlaubt Mathilde ihm dankenswerter Weise erst mal bei ihnen zu wohnen. Während er nun versucht, eine Möglichkeit zu finden, das Appartement doch noch zu Geld zu machen, erfährt er immer mehr über seine Mitbewohnerinnen, aber auch über seinen Vater und die eigene Vergangenheit. Weiterlesen?

[Rezension] Englands Krone

Englands

Englands Krone vereint Aufsätze von Historikern und Spiegel-Autoren, die sich mit eben diesem Thema befassen.

Trotz aller Widrigkeiten wie gegensätzlicher Machtansprüche, kriegerischer Auseinandersetzungen, Schicksalsschlägen etc. zeigt die Anthologie, dass es sich grundsätzlich um eine Erfolgsgeschichte handelt. Einleitend findet sich ein Interview mit der Historikerin Karina Urbach, in dem sie einen kurzen Abriss der Charakteristika der britischen Monarchie bietet. In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, dass das Royale Archives keine Dokumente freigibt, die nach 1918 entstanden sind. Dementsprechend wissen Historiker fast nichts über die politische Einflussnahme der Regenten nach diesem Stichtag. Daran schließen sich die Aufsätze an, die sich den unterschiedlichen Epochen der Regentschaft widmen. Den Anfang bildet der Kampf zwischen den Angelsachsen und den Wikingern, um die Vorherrschaft auf der Insel. Die derzeitig amtierende Königin und ihre Familie bilden den Abschluss.

Weiterlesen?

[Filmkritik] Die Gärtnerin von Versailles

GärtnerinVersailles

Genre: Historisches Drama, Liebesfilm

Darsteller: Kate Winslet, Alan Rickman, Matthias Schoenaerts, Helen McCrory, Stanley Tucci, Rupert Penry-Jones, Jennifer Ehle u.a.

Produktionsland: Großbritannien

Jahr: 2015

Dauer: 117 Minuten

Frankreich, Ende des 17. Jahrhunderts

Sabine De Barra verdient nach dem Tod ihres Mannes ihren Unterhalt als Landschaftsgärtnerin. Sie bewirbt sich bei Meister Le Nôtre, der für den Bau der Gärten von Versailles verantwortlich ist. Ludwig XIV. möchte dort die vollkommene Parklandschaft erschaffen lassen und tatsächlich erteilt Le Nôtre ihr den Auftrag, einen Teil der Bauten zu übernehmen. Sabine muss sich nun mit dem Leben und den Gewohnheiten am Hofe vertraut machen, sich gegen ihre männlichen Kollegen durchsetzen und die wachsende Liebe zu Le Nôtre verarbeiten. Dessen Ehefrau geht zwar schon lange ihre eigenen Wege, ist aber keineswegs gewillt, dies auch ihrem Ehemann zuzugestehen.

Die Qualität des Films variiert. Weiterlesen?